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Programm | Januar


Ab Sonntag, 15. Januar 2012


Bild: Associazione Tonino Guerra Pennabilli

Scheuer Vogel Traum.

Auf den Spuren Tonino Guerras

 

»Bei vielen Dingen weiß man nie, wie sie angefangen haben. Auch nicht bei den kleinen.« Tonino Guerra

 

Schriftsteller, Drehbuchautor, Maler – Tonino Guerra, 1920 im italienischen Santarcangelo di Romagna geboren, ist in jeder Hinsicht ein großer Künstler. Während er als Drehbuchautor international bekannt wurde, ist sein bildnerisches und literarisches Werk in Deutschland jedoch weitgehend unbekannt geblieben. Das Erscheinen einer repräsentativen Textanthologie mit ausführlichen biblio- und filmographischen Angaben ist Anlass, einen Blick auf die Vielfältigkeit seines künstlerischen Werkes zu werfen: Im Rahmen einer Lesung stellt Guerras Übersetzerin Elsbeth Gut Bozzetti die Anthologie Scheuer Vogel Traum. Ein Lesebuch vor, eine Ausstellung zeigt eine Auswahl seines bildkünstlerischen Werkes, eine Filmreihe präsentiert Guerra als Drehbuchautor.

 

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg, des Kommunalen Kinos und des Centro Culturale Italiano Freiburg. Initiiert und kuratiert von Elsbeth Gut Bozzetti.

 

Sonntag, 15. Januar 2012 | 18.30 Uhr Vernissage

Ausstellung: Der Künstler Guerra

 

Ein langer Strich und ein paar Schnörkel, mit Mörtel auf eine Mauer gekritzelt: diesem Impuls gehorcht Tonino Guerra von klein auf. Mit sicherer Hand folgt er seinen Eingebungen, probiert neugierig Techniken und Werkzeuge aus, entwickelt im Laufe vieler Jahre, wie nebenbei, eine eigene bildnerische Handschrift. Die Ausstellung ermöglicht einen Blick in die Bilderwelt von Tonino Guerra, dessen Pastelle, Radierungen, Collagen den feinen Faden seiner Fantasie weiterspinnen. Ergänzend werden Guerra-Kunstbücher des Buchdruckers Federico Santini und Stoffdrucke der Druckerei Pascucci mit Motiven Guerras zu sehen sein.

 

So 15.01.- Fr 10.02. | Galerie | Eintritt frei | zu den Öffnungszeiten des Cafés

 

Vernissage mit einer Einführung von Elsbeth Gut Bozzetti. Anschließend Filmvorführung um 19:45Uhr im Kommunalen Kino: Die Nacht (1961) mit Einführung von Isa Wigand.

 

 

Ab Sonntag, 15. Januar 2012

Film: Der Drehbuchautor Guerra

 

Seit den sechziger Jahren prägte Tonino Guerra als Drehbuchautor das italienische und internationale Kino. Er arbeitete u.a. mit Federico Fellini, Vittorio de Sica und Michelangelo Antonioni. Seine Drehbücher zu Mario Monicellis Casanova 70 (1965) und zu Antonionis Blow up (1967) wurden für den Oscar nominiert. 2002 wurde er mit dem Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Das Kommunale Kino zeigt ausgewählte Filme des Drehbuchautors Guerra, die unter der Regie Antonionis und Theo Angelopoulos’ entstanden.

 

Die Nacht LA NOTTE

Italien/Frankreich 1960 | DF | 121 Min. |

 

DIE NACHT erzählt von der seelischen Leere und der Beziehungslosigkeit eines Ehepaares (Jeanne Moreau und Marcello Mastroianni), das sich auf der Flucht vor dem Nichts verzweifelt umklammert.

»Antonionis brillant inszenierter Film analysiert (...) die Vereinzelung des Menschen, seine Unfähigkeit zur Kommunikation. Einer der einflußreichsten Filme des europäischen Nachkriegskinos, der - nicht zuletzt wegen seiner hervorragenden Darsteller - auch heute noch zu faszinieren vermag.« (Lexikon des internationalen Films)

 

Regie: Michelangelo Antonioni

Buch: Michelangelo Antonioni, Ennio | Flaiano, Tonino Guerra

Kamera: Gianni Di Venanzo

Mit Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau, Monica Vitti, Bernhard Wicki

 

| So | 15.01., 19:45 | Do 19.01., 21:30 |

 

ZABRISKIE POINT

USA 1969 | OmU | 105 Min. |

 

Amerika zur Zeit der Studentenbewegung. Als der Student Mark in den Verdacht gerät einen Polizisten getötet zu haben, flieht er in einem entwendeten Flugzeug. Im Death Valley trifft er auf Daria. Beide irren durch die Wüste, lieben sich, verlieren sich.

»Die Amerikaner haben den Film damals gehaßt, so wie sie sich selbst gehaßt haben. Und selbst ausgewiesene Antonioniten können bis heute nichts mit diesem Millionen-Dollar-Gedicht anfangen. Dabei ist alles da: Leere und Aktion. Mythos und Moderne. Natur und Architektur. Gewalt und Liebe. Freiheit und Tod.« (Michael Althen)

 

Regie: Michelangelo Antonioni

Buch: Michelangelo Antonioni, Fred Gardner, Sam Shepard, Tonino Guerra, Clare Peploe

Kamera: Alfio Contini

Musik: Pink Floyd

Mit Mark Frechette, Daria Halprin, Rod Taylor, Paul Fix, Joe Chaikins

 

| Do 26.01., 19:30 | Sa 28.01., 21:30 |

 

 

DER SCHWEBENDE SCHRITT DES STORCHES

Orig. To meteoro vima tou pelargou

| Griechenland/Frankreich/Schweiz/Italien 1991 | OmU | 140 Min. |

 

In einem kleinen griechischen Ort an der Grenze zur Türkei haben sich Asylanten aus dem fernen und nahen Osten versammelt, unter ihnen möglicherweise ein Politiker, der sich ,ins einfache Leben‘ zurückgezogen hat: Will er nicht erkannt werden oder ist er ein Gestrandeter unter anderen?

„Ein filmisches Meisterwerk voller magischer Momente und mit ungeheurem Reichtum, ein philosophischer und politischer Diskurs über Grenzen zwischen Ländern und Kulturen, über die Grenzlinien in jedem einzelnen.“ (Lexikon des internationalen Films)

 

Regie: Theodoros Angelopoulos

Buch: Theo Angelopoulos, Tonino Guerra, Petros Markaris, Thanassis Valtinos

Kamera: Giorgos Arvanitis, Andreas Sinanos

Mit Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau, Gregory Karr

 

| Fr 03.02., 19:30 | Sa 04.02., 21:45 |

 



09. Februar 2012

Übersetzerlesung: Der Schriftsteller Guerra

 

Im deutschen Arbeitslager Troisdorf erzählte Tonino Guerra seinen mitinhaftierten Landsleuten Geschichten, Reime im vertrauten heimischen Dialekt, und verhalf ihnen so zu mentalen Fluchten. Die antreibende Kraft seiner bildgesättigten Imagination, die ihn zum Drehbuchautor prädestiniert hat, ist die Sprache, mit deren Hilfe er Wirklichkeit immer wieder neu erfndet.

 

»Wie jedes Gedicht eine Erzählung enthält, so ist immer in jeder seiner Erzählungen Poesie. Und Poesie heißt, eine ganz bestimmte, konkrete unerwartete Erfahrung mit einem Gefühl darin und dem Akzent einer Stimme, die zu dir spricht.« Das Urteil von Italo Calvino bleibt über die Jahre unwidersprochen. Die breite Textauswahl des Lesebuchs Scheuer Vogel Traum bringt alle Modulationen dieser Stimme zu Gehör: von den frühen Gedichten und Erzählungen über die Poeme bis hin zu den späten Tagebuchaufzeichnungen sind alle literarischen Formen und erzählerischen Topoi vertreten.

 

Die Übersetzerin Elsbeth Gut Bozzetti und der Verleger Hubert Klöpfer stellen den Dichter und Schriftsteller Tonino Guerra in Lesung und Gespräch gemeinsam vor.

 

| Do 09.02. 20:00 | Galerie | Eintritt 5,00/3,00 Eur |


Dienstag, 17. Januar 2012

HörBAR * Art’s birthday

Feier des Geburtstags der Kunst mit Feature und Live-Stream

 

20.00 Uhr: Denke global, handle idiotisch. Alternative Kunst aus Nowosibirsk

Ein Feature von Viktoria Balon

 

Für die jungen Aktionskünstler aus den sibirischen Metropolen ist die Stadt Bühne, Akteur und Zuschauer zugleich. Die Gruppe „Die Omi nach dem Begräbnis“, die ursprünglich „Contemporary Art Terrorism“ hieß, bezieht beispielsweise einen fahrenden U-Bahn-Wagen und eine Amtsstelle der russischen Luftwaffe in ihre Performance ein. Auch Denkmäler des Sozialismus, politische Kundgebungen und Jahrestage werden von den Künstlern gerne als Anlass und Teil ihrer Aktionen genutzt. Als die Aktionskünstler sich einer Demonstration zum 1. Mai mit der Parole „Gehirne für das Volk“ anschlossen, wurden sie vorübergehend festgenommen. Durch Brüskierung und Provokation zwingen die jungen Wilden ihre meist auf Patriotismus und ökonomischen Aufstieg eingeschworenen Zuschauer, eigene Positionen zum Zustand der russischen Gesellschaft zu beziehen: „Es kann nur eine Antwort auf den unendlich vielfältigen Appetit der Macht geben: Die Zukunft gehört unserem Lachen!“

 

Ab 21.00 Uhr: Feier des Geburtstags der Kunst als live-Stream aus dem ZKM Karlsruhe mit dem Verband der Radiokünstler aus der European Broadcasting Union.

 

Der Geburtstag der Kunst wird jährlich am 17. Januar gefeiert, in Gedenken an den Fluxus-Künstler Robert Filliou, der 1963 behauptete, dass exakt vor 1 Million Jahren die Kunst geboren worden sei, um präzise zu sein, am 17. Januar, seinem eigenen Geburtstag. Seit Fillious Tod im Jahr 1987 führen Künstler weltweit im Sinne seines Konzepts der Kunst als »Eternal Network« oder »Fête permanente« den »Art’s Birthday« fort: Mit »mailart«, Fax und »slow scan tv events« finden vernetzte Events an verschiedenen Orten statt. Die einzige Voraussetzung ist, dass jede Gruppe Geburststagsgeschenke senden und empfangen kann. Dazu wird aus dem ZKM ein Konzert mit Jan Jelinek und Hanno Leichtmann übertragen. Beide werden sowohl aus ihren akustischen Alben spielen, als auch eine Auftragskomposition für den Art’s Birthday präsentieren.

 

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg, Kommunalen Kinos Freiburg und SWR2.

 

| Di 17.01. | 20 Uhr | Kinosaal | Alter Wiehrebahnhof| Eintritt: 6/4 €

 


Donnerstag, 26. Januar 2012


Literarisches Werkstattgespräch

 

Im Literarischen Werkstattgespräch können Schreibende unveröffentlichte literarische Texte zur Diskussion stellen. Die Veranstaltung findet monatlich jeweils am letzten Donnerstag statt. Textbewerbungen bitte bis spätestens eine Woche vor dem Gespräch ans Literaturbüro schicken.

 

| Do 26.01. | 20 Uhr | Galerie | Alter Wiehrebahnhof | Urachstraße 40 | Eintritt frei

 


Freitag, 27. Januar 2012


Bild: Susanne Schleyer / Suhrkamp Verlag

BLUMENBERG | Sibylle Lewitscharoff liest!

 

Groß, gelb, gelassen: mit bedrückender Selbstverständlichkeit liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des angesehenen Philosophen Blumenberg. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seiner Vorlesung den Mittelgang herabtrottet. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint ihn zu sehen. Ein dummer Studentenwitz? Oder nicht doch viel eher eine Auszeichnung von höchster Stelle für den letzten Philosophen, der diesen Löwen zu würdigen versteht?

 

BLUMENBERG ist nur nebenbei eine Hommage an einen großen Philosophen, vor allem ist es ein Roman voll lewitscharoffschem Sprachwitz, ein Roman über einen sympathischen Weltbenenner, dem das Unbenennbare in Gestalt eines umgänglichen Löwen begegnet. Die Moderation der Lesung übernimmt der Freiburger Schriftsteller Karl-Heinz Ott.

 

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg und der Buchhandlung jos fritz.

 

| Freitag, 27.01. | 20 Uhr | Kinosaal | Alter Wiehrebahnhof | Eintritt: 8/6 €

 

 


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