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Freiburgerin beim "Treffen junger Autoren" in Berlin


Wenn Monika Knack schreibt, dann lauscht sie den Klängen der Worte nach. Mit ihren Texten hat sie es bis zum Treffen junger Autoren nach Berlin geschafft. Bild: privat


 

 

Das Mädchen mit den Seltsamkeiten

von Siegbert Kopp

 

Die Freiburgerin Monika Knack erhielt eine Einladung zum „Treffen junger Autoren“ nach Berlin. Ein Porträt

 

Am Anfang war das Wort. Und das Wort hieß "Gabel". Besonders das langgezogene "a" war es, das auf sie damals Eindruck machte. Damals war sie im Kindergarten und drei Jahre alt. Zu Hause wurde polnisch und russisch gesprochen. Und dann dieses deutsche Wort! Mittlerweile ist Monika Knack siebzehn Jahre alt, und der Klang der Worte fasziniert sie noch immer. Ihr Lieblingswort heute ist "starker Tobak". Aber das "o" muss kurz gesprochen werden! "Dann hat es so etwas Polnisches", betont die junge Wortsucherin Monika Knack bei unserem Treffen. Vor Kurzem hatte sie sich zwei Lexika gekauft. Auf der Suche nach Worten. Eine ihrer vielen "Seltsamkeiten", wie sie sagt.

 

Ein neblig-trüber Dezembernachmittag. Wir sitzen im "Art-Café" im Freiburger "Bermuda Dreieck", der Kneipen-und Discomeile in der Altstadt. Monika Knack ist Gymnasiastin; im kommenden Frühjahr steht das schriftliche Abitur an. Im November las sie eigene, unveröffentlichte Texte im "Haus der Berliner Festspiele" in der Bundeshauptstadt vor. Sie zählt zu den 21 Preisträgern, die aus 747 Bewerbern zu diesem "Treffen junger Autoren" eingeladen wurden. Dabei hätte sie die Bewerbungsfrist beinahe verpasst. "Ich lebe an den Dingen immer so vorbei", sagt sie lächelnd und nippt an ihrem Tee.

 

Um bei einer Körpergröße von gerade mal 154 Zentimetern unter den anderen Preisträgern auffällig zu wirken, hatte sie sich für Berlin extra einen großen Wanderrucksack aufgegurtet. Den Tipp zu diesem Jung-Literatentreffen bekam sie von der Freiburger Schriftstellerin Marie T. Martin, die sie über eine Schreibwerkstatt beim Freiburger Literaturbüro kennenlernte. "Ich wusste erst gar nicht, was das ist, habe dann gegoogelt und war voll begeistert".

 

War die Freiburger Literaturwerkstatt noch locker und gemütlich, so hat ihr Berlin eine klare Vorstellung gegeben über die Literatur-Szene. Positiv wie negativ. Berlin war ernster. Auch abgekapselter. Vor der öffentlichen Lesung gab es eine Leseprobe. Bei ihrem Text "Anna grenzte nicht" wurde ihr eingebleut, das Wort "Anna" zu betonen, worauf sie vor Aufregung bei der Lesung eben diese "Anna" verschluckte, und der Text als "grenzte nicht" herüberkam. Grenzte nicht – auch gut, kein schlechter Start für eine Nachwuchshoffnung.

 

Und die Workshops in Berlin? "Die waren nett", deutet Monika Knack süffisant an, "für mich aber nicht weiterbringend." Es gab Verbesserungsvorschläge: Sie solle mehr Handlung einbauen, hieß es zum Beispiel. "Eigentlich komisch, dass meine Texte keine Handlung haben", sagt sie jetzt und streicht sich durch ihre orangefarbene Haarpracht, "aber man kann sich ja nicht aussuchen, was man schreibt. Da ist ein inneres Etwas, das ein äußeres werden muss."

 

Und dann kommt sie immer wieder auf die Sprache zurück. "Ich bin ganz auf die Sprache bezogen, auf den Klang der Worte, die Assoziationen. Die Schönheit". Die Sprache Christoph Meckels in seiner Erzählung "Licht" von 1978 hat es ihr besonders angetan, und richtig ins Schwärmen gerät sie, wenn sie über Robert Gwisdeks Debütroman "Der unsichtbare Apfel" von 2014 spricht: "Wunderschön! Er verbindet Absurdität mit Emotionalität. Ich mag es ja, wenn die Logik auf den Kopf gestellt wird. Da liest man etwas, versteht es absolut nicht, findet es aber trotzdem sehr schön."

 

Gerade gelesen hat sie Milan Kunderas wunderbaren Roman "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" – und freimütig bekennt sie, irgendwie in die gleiche Richtung zu schreiben. Ob sie, die noch in der Experimentierphase ist, einen vollständigen Roman schreiben könnte? Wollen ja, aber sie glaubt nicht, dass sie der Typ Romanschreiberin sei: "Im Pläneschmieden bin ich ja richtig gut". Wir reden über Schriftsteller, über Autoren der "Beat Generation". Jack Kerouacs "On the Road" hat sie natürlich gelesen, und beim Namen Allen Ginsberg beginnt sie sofort die ersten Zeilen aus seinem Poem "Howl" zu zitieren: "I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked...". Und dazu fällt ihr gleich ein Satz von Baudelaire ein: "Das Schöne ist immer bizarr".

 

Langsam füllt sich jetzt das Café mit studentischem Publikum. Draußen beginnt es zu dunkeln, und Monika Knack lässt einen spüren, dass sie jetzt gehen möchte. Ein kurzer Abschied und schon verschwindet die kleine junge Frau mit ihren vielen Seltsamkeiten zwischen den Passanten. Noch eine kurze Weile schimmert ihr Orangehaar aus der Menge. Viel Glück.

 

 


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