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DONNERSTAG, 20. DEZEMBER 2013







Bücher verschenken? Frische Lesetipps von Freiburger Literaturexperten

 

„Die Tribute von Panem“, „Er ist wieder da“ oder „Inferno“ waren die Bestseller des Jahres 2013. Doch waren das auch aus Sicht von Literatur-Experten die lesenswertesten Bücher? Das chilli hat sechs Freiburger, die sich von Berufs wegen mit Literatur auskennen, nach ihren Lieblingsromanen im vergangenen Jahr gefragt.

 

Martin Bruch, ab Januar 2014 Leiter des Literaturbüros Freiburg

Peter Kurzeck: „Ein Sommer, der bleibt“, 4 CDs, Supposé Verlag 2007, 34,80 Euro

 

Peter Kurzeck erzählt seine Kindheit herbei, ein ganzes Universum. Das Glück mit den Brausepulvertütchen, die Ausgebombten, sein Heimatdorf in Nordhessen. „Ein Sommer, der bleibt“ ist kein Hörbuch, sondern eine freie literarische Rede ohne jede Textvorlage. Detailversessen, berührend, wunderbar. Ende November ist der große Erzähler gestorben. Seiner Stimme kann man weiter folgen. Ein Glück.

 

Sebastian Reiß, 38, Hörbuchproduzent und Inhaber des Hörbüro Freiburg

Sue Townsend: „Die Frau, die ein Jahr im Bett blieb“, 448 Seiten, gebunden, Haffmans & Tolkemitt 2013, 21,99 Euro

 

Kennen Sie das, liebe Frauen? Die Kinder sind aus dem Haus, endlich müssen Sie nicht mehr stundenlang am Herd stehen und dann kommt Ihr Mann nach Hause und fragt: Schatz, was ist mit meinem Abendessen? Tja, wären Sie mal lieber im Bett geblieben. Eva Beaver macht genau dies. Sie ist „die Frau, die ein Jahr im Bett blieb“. Sue Townsend gilt nicht zu unrecht als Englands lustigste Autorin. Zum Brüllen komisch zeigt sie in ihrem neuen Roman, wie schwer es ist, den alltäglichen Zumutungen zu entfliehen.

 

Renate Klöppel, 65, Krimiautorin & Vorstand des Literatur Forum Südwest

Petra Busch: „Zeig mir den Tod“, 448 Seiten, Taschenbuch, Droemer Knaur 2013, 9,99 Euro

 

„Zeig mir den Tod“ von Petra Busch ist eine düster-schaurige Beziehungsgeschichte um den Schauspieler Günther Assmann und seine Familie. Zugleich einfühlsam und unheimlich führt Busch durch die Abgründe menschlichen Verhaltens, in denen Ehrgeiz, tragische Verstrickung und ein grausiges Spiel zu einem tödlichen Ende führen. Ein beeindruckender und bestens recherchierter Krimi.

 

Elisabeth Willnat, 56, Direktorin der Freiburger Stadtbibliothek

Zoran Feri: „Das Alter kam am 23. Mai gegen 11 Uhr“, 358 Seiten, gebunden, Folio Verlag 2012, 24,90 Euro

 

In einem kleinen Café sitzend glaubt der frischgebackene Rentner Tihomir in einer vorbeigehenden Passantin seine alte Liebe Senka zu erkennen. Er folgt ihr spontan, jedoch ergebnislos. Zurück an seinem Platz provoziert er einen Machtkampf mit einem Kellner, dessen Mechanismen ihm zeigen, dass er als alt und senil wahrgenommen wird. Ein Wiedersehen mit Senka und die Begegnung mit seiner Jugendzeit forciert er durch eine Wiederholung einer Abiturfahrt. In Rückblenden wird ein Geflecht der alten Beziehungen Tihomirs gestaltet.

 

Heike Feddern, 54, Buchhändlerin bei Schwanhäuser

John Williams: „Stoner“, 352 Seiten, gebunden, dtv 2013, 19,90 Euro

 

Autobiografisch gefärbt erzählt John Williams kunstvoll und sehr einfühlsam die Lebensgeschichte William Stoners, der eigentlich nichts Besonderes erlebt, weder erfolgreich ist noch wirklich glücklich wird: Aufgewachsen auf einer Farm schicken ihn die Eltern auf die Universität, wo Stoner Landwirtschaft studieren soll. Stoner wird Dozent und findet in einer Mitdozentin die große Liebe. Aber sowohl seine Beziehung als auch seine Universitätskarriere werden durch intrigante Kollegen zerstört. 1965 veröffentlichte Williams den Roman „Stoner“. Lange Zeit wenig beachtet, wurde dieser Roman 2013 neu aufgelegt.

 

Dieter Martin, 51, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Uni Freiburg

Michael Köhlmeier: „Die Abenteuer des Joel Spazierer“, 653 Seiten, gebunden, Hanser 2013, 24,90 Euro

 

Was geschieht, wenn sich ein kleiner Junge tagelang allein in der Budapester Wohnung seiner von Stalins Schergen verschleppten Großeltern durchschlagen muss? Er findet im Spiegel sein „Ich“, erfährt sich als Machthaber eines kleinen Universums und erfindet sich aus den Trümmern der Realität immer wieder neu. Wie er in wechselnde Identitäten schlüpft, kreuz und quer durch Europa zieht und als amoralisches Monster mordet, stiehlt und lügt – davon lässt Michael Köhlmeier den Anti-Helden seines unglaublich wirklichkeitssatten Schelmenromans virtuos erzählen.


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