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Badische Zeitung vom Freitag, 18. November 2005


Ideen stapelweise

Stefanie Stegmann ist die "Neue" beim Freiburger Literaturbüro

 

Über einen Mangel an Ideen braucht man sich bei Stefanie Stegmann nicht zu beklagen. Seit knapp drei Monaten leitet die 31-Jährige das Literaturbüro Freiburg - und in dieser Zeit hat sie von ihrem kleinen Büro unter dem Dach des Kommunalen Kinos aus schon bemerkenswert viel auf den Weg gebracht. Auch Großes, sogar Spektakuläres ist dabei: Im nächsten September soll der "Zug 76" nicht nur in Metropolen wie Köln, Stuttgart, Berlin, Leipzig und Bonn, sondern auch in der beschaulichen Provinzstadt Freiburg Station machen. Es handelt sich natürlich nicht um einen tatsächlichen Schienentransport, sondern um eine von dem bekanntesten ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch angeregte Reise von einem Dutzend Schriftstellern, Übersetzern und Moderatoren aus seinem Heimatland, die ihre Literatur in Deutschland bekannt machen wollen.

 

Die Idee geht auf eine Internetplattform ( www.potyah76.org.ua ) zurück, die aus dem virtuellen in den realen Raum geholt werden soll. Dass Stefanie Stegmann die Umsetzung gemeinsam mit der Ukrainerin Katja Stetsevytch organisiert, die als Kulturmanagerin der Robert-Bosch-Stiftung mit der Zentrale für Politische Bildung in Bonn zusammenarbeitet, hat seinen guten Grund. Bevor die in Oldenburg promovierte Kulturwissenschaftlerin (Thema ihrer Dissertation: "Das Outfit der Wissenschaft" ) nach Freiburg kam, hat sie zwei Jahre lang in Czernowitz, der alten Hauptstadt der Bukowina, als DAAD-Lektorin gearbeitet. Und sich nicht auf ihre Kernaufgabe beschränkt, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten, sondern sich für die Vermittlung deutscher Literatur stark gemacht: Sie gründete eine Schreibwerkstatt, organisierte Lesungen, stellte ein Kinoprogramm auf die Beine.

 

Nicht das Geld ist entscheidend, sondern die Ideen, um etwas in Gang zu setzen: Vielleicht liegt es auch an dieser für sie fruchtbaren osteuropäischen Erfahrung, dass Stefanie Stegmann nicht über das schmale Budget ihrer Teilzeitstelle klagt. Sie schaut, woher noch Geld kommen kann. Zum Beispiel, zur Mitfinanzierung einer eigenen Website, von den Freiburger Buchhandlungen. Oder von Menschen, die sich für Literatur interessieren und dies auch materiell untermauern wollen: Stegmann möchte - nach dem Vorbild der Freiburger Kleinkunstbühne Vorderhaus - einen Förderkreis mit zahlenden Mitgliedern gründen. Für ihr Ukraine-Projekt hat sie immerhin schon die Stadt Freiburg ins Boot geholt - was angesichts der Partnerschaft mit Lviv, dem früheren Lemberg, so fern nicht liegt.

 

Überhaupt setzt die Neue im Literaturbüro auf Vernetzung. Dafür haben ihre Vorgänger den Boden bereitet. Gut könnte sich Stegmann auch eine Zusammenarbeit mit der Universität vorstellen - eine Idee wäre, ältere Literatur einer spannenden Neulektüre zu unterziehen. Eine Vernetzung scheint sich schon zu stabilisieren. Das Literaturbüro beteiligt sich zum zweiten Mal an dem seit heute laufenden Freiburger Literaturgespräch: mit einer am Sonntag im SWR-Studio stattfindenden Podiumsdiskussion zum Thema "Politik und Literatur".

Bettina Schulte


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