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Staatsanzeiger, 22. Januar 2016



Aufgabe Literaturvermittlung: In Mannheim lässt sich ab dem 19. Februar beim Literaturfest „lesen.hören“ in 17 Tagen kompakt erleben, was ein Literaturhaus über das ganze Jahr bietet. In Freiburg starten dieser Tage die Bauarbeiten für ein solches, in Heidelberg geht es auch (noch) ohne Literaturhaus.

 

von Beate Melin

 

STUTTGART/FREIBURG: Literatur spielt für das Kulturleben im Land eine wichtige Rolle. Als eines der ersten Bücherfeste im Jahr startet das Mannheimer Literaturfestival „lesen.hören“ am 19. Februar, gefördert von der Stadt Mannheim und der Baden-Württemberg Stiftung. Auf 17 Tage verdichtet, bietet sich ein Programm, das von Autorenlesungen über Buchvorstellungen bis hin zu Diskussionen reicht. Was Stadtbibliotheken, Literatur-Cafes oder -Museen, Literarische Vereine, Kulturämter oder engagierte Buchhandlungen ob nun in Esslingen, Konstanz, Ulm, Hausach, Tübingen, Titisee oder Mannheim über das Jahr in Einzelveranstaltungen oder im Rahmen von Literaturtagen präsentieren, bietet ein Literaturhaus – ähnlich wie ein Lichtspiel-, Theater- oder Opernhaus - jeden Monat.

 

Bislang gab es im Land lediglich in Stuttgart ein Literaturhaus

 

In Baden-Württemberg gab es bisher, und zwar seit 2001, eines: in Stuttgart. Und es gibt – seit 1924 - die Literarische Gesellschaft Karlsruhe, die gemeinsam mit dem Museum für Literatur am Oberrhein ähnlich wie ein Literaturhaus agiert.

Doch dank einer Kooperation zwischen Universität und Stadt Freiburg kann im Laufe des Jahres 2016 der Verein Literatur Forum Südwest in den Räumen der Alten Universität das neue Literaturhaus Freiburg unabhängig betreiben (siehe Kasten). Mit diesem soll ein Raum für Wechselwirkungen zwischen Literaturrezeption, Literaturproduktion und Wissenschaft geschaffen werden. Die Umbauarbeiten beginnen dieser Tage. „Wir wollen die Literaturexpertise in Freiburg bündeln“, sagt Martin Bruch, Leiter des Literaturbüros Freiburg. Das Literaturhaus soll sich zum zentralen literarischen Kompetenzzentrum für Stadt und Region entwickeln. Bruch, der künftig das Literaturhaus leiten wird, sieht in den neuen Räumen an zentraler Stelle in der Stadt und auch in der Kooperation mit der Uni die Chance, das Haus für die Stadtgesellschaft zu öffnen. „Es gibt keinen Schnitt“, meint Bruch, „wir erfinden uns zwar teils neu, entwickeln uns aber auch kontinuierlich weiter.“ Mit rund hundert Veranstaltungen im Jahr, die oft in Kooperation mit anderen Institutionen verwirklicht wurden, war das Literaturbüro schon gut verankert, nun ergebe sich die Möglichkeit, eine andere Sichtbarkeit zu erreichen, neue und andere Besuchergruppen anzusprechen. „Wir können viele verschiedene Gruppen einbinden“, so Bruch. „Das Literaturhaus ist keine Konkurrenz, sondern ein offener Raum für Literatur.“

 

Eigene kreative Leistungen sollen Kinder an Literatur heranführen

 

Dafür steht auch die neue Programmlinie „Junges Literaturhaus“, die Kinder und Jugendliche über eigene kreative Leistungen an Literatur heranführt. „Wir wollen auch ein Werkstatthaus sein, das ein Publikum anzieht, das selbst aktiv werden will“, so Bruch.

In Heidelberg sind die Diskussionen um ein Literaturhaus, für das sich der Verein Literaturhaus Heidelberg einsetzt, noch nicht abgeschlossen. Man begleite diese Aktivität, sagt Kulturbürgermeister Joachim Gerner , „mit Sympathie“. Für die Arbeit der Literaturstadt Heidelberg im Creative Cities Netzwerk der Unesco spiele es aber keine Rolle, ob Heidelberg eine solche Einrichtung habe oder nicht. „Die Frage wird unter den UNESCO-Literaturstädten heftig diskutiert, ob die Gründung einer zusätzlichen Institution sinnvoll erscheint oder ob die aktuelle Netzwerk- und Projektarbeit zugunsten aller Literaturinstitutionen, -initiativen sowie Literatinnen und Literaten der Stadt Priorität hat“, so Gerner. Strukturen sind auch so schon vorhanden: Mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut, der Stadtbücherei, dem Kulturhaus Karlstorbahnhof oder dem Interkulturellen Zentrum gebe es – neben vielen anderen wie etwa Verlagen und Buchhandlungen - Einrichtungen, die Garanten für ein lebendiges Literaturleben in Heidelberg seien. „Vor diesem Hintergrund“, sagt Gerner, „ist die Einrichtung eines Literaturhauses für die Stadt nicht prioritär.“

 

Vertrag hat zunächst eine Laufzeit von 15 Jahren

 

Die Albert-Ludwigs-Universität und die Stadt Freiburg haben einen Kooperations- und Mietvertrag geschlossen und darin das gemeinsame Ziel festgelegt, im „Literaturhaus Freiburg“ zusammenzuarbeiten. Die Programmhoheit liegt beim Verein Literatur Forum Südwest. Der Vertrag hat zunächst eine Laufzeit von 15 Jahren. Für Umbau und Sanierung der Räume steuern die Universität und die Stadt jeweils 750.000 Euro bei. Für die Ausstattung fließen weitere 65000 Euro von der Stadt, die mit Sponsorengeldern weiter aufgestockt werden. Die Stadt unterstützt das Literatur Forum seit 1997 mit einer institutionellen Förderung. 2014 lag diese bei 86500 Euro. 2015/2016 liegt der Zuschuss bei 144500 Euro und 152550 Euro. Damit werden auch zwei zusätzliche halbe Stellen finanziert.

 

 

 


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