
Auch wir sind jetzt offiziell GUT. | |


Im Herzen der Stadt
Freiburg bekommt ein neues Literaturhaus. Die geplante Eröffnung ist 2015
Freiburgs Literatur zieht um. Das Literaturbüro, bislang im winzigen Kulturzentrum „Alter Wiehrebahnhof“ angesiedelt, soll ins Herz der Stadt ziehen, besser: in ihr geistiges Zentrum. In unmittelbarer Nähe zum Stadttheater und zur neuen Universitätsbibliothek soll sich das Literaturbüro ab 2015 auf 400 Quadratmetern in einem Uni-Gebäude ausbreiten können. Freiburg hätte dann, was man ein richtiges „Literaturhaus“ nennt, mit diversen Räumlichkeiten, Gastronomie, eigenständigem Profil.
Im „Alten Wiehrebahnhof“, in dem das Literaturbüro seit 2003 gemeinsam mit dem Kommunalen Kino als „Haus für Film und Literatur“ untergebracht ist, sind die Räumlichkeiten beengt. Größere Veranstaltungen müssen entweder im Kinosaal stattfinden oder in externen Räumen. Die derzeitige Leiterin Stefanie Stegmann hat lediglich eine 75-ProzentStelle, das Budget reicht gerade noch für eine Praktikantin, eine Mini-Stelle, eine Handvoll Lesungen und Workshops.
Die Ausstrahlung in die Stadt ist entsprechend gering. Auftritte namhafter Schriftsteller organisieren die Buchhandlungen auf eigene Faust. Die deutschlandweit angesehenen Literaturgespräche finden im Rathaus statt. Symposien zu aktuellen Fragen organisiert das Stadttheater von Barbara Mundel oder die Arbeitsgruppe Literatur und Psychoanalyse. Das Literaturbüro werkelt im Abseits.
Dabei wohnen in Freiburg namhafte Germanisten wie Uwe Pörksen, renommierte Übersetzer wie Adelheid Zöfel, hervorragende Denker wie Klaus Theweleit und bekannte Schriftsteller wie Karlheinz Ott, Theresia Walser oder Annette Pehnt. Doch ein gemeinsamer Ort fehlte dieser Szene. Das jetzt geplante Literaturhaus an der Werthmannstraße 4–6 im Zentrum, wo sich die Wege von Wissenschaftlern, Theaterkünstlern und Literaten kreuzen, könnte eine ideale Gedankenwerkstatt werden, um die unterschiedlichen Diskurse zu bündeln.
Freiburg versteht sich seit jeher als Musikstadt. Noch 2002 konstatierte der Schriftsteller und damalige Leiter des Literaturbüros, Martin Gülich: „Die Literatur in Freiburg hat ein Imageproblem.“ In den 1980er-Jahren galt Freiburgs Literaturszene als „schütter“. Der rührige Ludwig Krapf, damals neu als Kulturamtsleiter, initiierte gemeinsam mit dem Südwestfunk unter dem Titel „Forum Allmende“ im Jahr 1987 das 1. Freiburger Literaturgespräch. Eingeladen: Überregional bekannte Autoren. Die einheimische Szene maulte: Und wo bleiben wir? 1988 gründeten regionale Autoren den Verein „Literatur Forum Südwest“ als Antwort auf die Freiburger Literaturgespräche.
Einen Schub in Richtung Professionalisierung brachte die Öffnung des Vereins für die Freiburger Übersetzer; eine neue Generation von Schriftstellern zeigte sich zudem frei von den alten Animositäten. Das „Forum“ wuchs zum „Literaturbüro“ mit Leitungsduo. Seit 2005 ist die promovierte Kulturwissenschaftlerin Stefanie Stegmann Leiterin des Literaturbüros. Sie hat die Zahl der Veranstaltungen nahezu verdoppelt, Kontakt zur Universität hergestellt, eine Hörspielreihe eingerichtet. Derzeit beträgt der städtische Zuschuss für das Literaturforum mit Literaturbüro jährlich rund 62 000 Euro, das Land ist mit 11 000 Euro dabei, zudem hat Stegmann Drittmittel von 60 000 Euro akquiriert.
Das geplante Literaturhaus im Unigebäude ist ein großer Schritt nach vorn – auch finanziell. Allein die Miete, die die Stadt an die Uni bezahlen wird, beträgt 58 000 Euro. Das Land muss der Umnutzung zustimmen und die Räume aus eigener Tasche renovieren. Die Entscheidung aus Stuttgart steht allerdings noch aus; noch ist das komplizierte Vertragsmodell zwischen Stadt, Universität, Land und Trägerverein nicht unter Dach und Fach. Das Wichtigste aber ist klar: der unbedingte Wille von Gemeinderat und Oberbürgermeister Dieter Salomon zum Literaturhaus bis 2015. Der Boom von Literaturfestivals und Lesungen zeigt: Je stärker E-Book und Internet werden, desto mehr sucht das Lesepublikum das Live-Erlebnis.
Von SIEGBERT KOPP


Ein Literaturhaus für Freiburg
Die Universität will Räume im Verbund mit einem "geisteswissenschaftlichen
Zentrum" stellen.
So viel Übereinstimmung, ja Freude war selten. Das künftige Literaturhaus Freiburg ist das aktuelle Lieblingskind der Kommunalpolitik – und im Schulterschluss mit dieser auch der Universität. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen: Gestern verkündeten Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon und Vizerektor Heiner Schanz den gemeinsamen Entschluss, im Unigebäude an der Werthmannstraße direkt gegenüber der Universitätsbibliothek das Literaturhaus Freiburg unterzubringen. Auf 400 Quadratmetern Fläche könnte sich der Ort für Lesungen, Tagungen, Workshops und andere literarische Projekte ausbreiten. Ein Innenhof gehört auch dazu. Voraussichtlich einziehen kann das Literaturhaus allerdings frühestens 2015. Denn um Platz zu schaffen, muss die dort residierende Bibliothek für die Geographen, die Volkskundler und die Hydrologen verlegt werden – und ein Institutsneubau auf dem Flughafengelände entstehen. Das Literaturhaus, dessen Räume die Stadt für 58 000 Euro im Jahr von der Universität mieten will, soll Teil eines sogenannten geisteswissenschaftlichen Zentrums werden, mit dem die Albert-Ludwigs-Universität an ihre große Tradition auf diesem Gebiet anknüpfen will.
Ob die ehrgeizigen Pläne verwirklicht werden können, entscheidet sich in Stuttgart. Das Land muss dem Umzug zustimmen und in die Herrichtung der Räume, die vom abgetragenen Linoleumboden bis zur abgehängten Decke nicht im besten Zustand sind, einiges investieren. Unklar ist auch, ob der Zeitrahmen eingehalten werden kann. Für den Fall, dass die Universität nicht zu Streich kommt, soll das Literaturhaus beim Kleinkunstanbieter Vorderhaus angesiedelt werden. Weitere Standorte sollen offenbar nicht mehr in Erwägung gezogen werden. Die Brauerei Ganter hatte ihr ehemaliges Kantinengebäude ins Gespräch gebracht – und das Theater Freiburg einen Neubau in einer Baulücke an der Rückwand seines Gebäude in Erwägung gezogen. Dieser Vorschlag fiel schon ziemlich früh unter den Tisch: Mit 1,3 Millionen Euro sei das Projekt zu teuer, hieß es.
Nun bleibt abzuwarten, ob das "Schöne", das Salomon mit dem Literaturhaus in der Universität heraufziehen sieht, Wirklichkeit werden kann.
Von Bettina Schulte
Ein Literaturhaus für Freiburg (veröffentlicht am Do, 03. Mai 2012 auf badische-zeitung.de) 





Literaturhaus soll in Uni-Gebäude einziehen
Das geplante Literaturhaus soll nach eingehender Prüfung nun in einem stattlichen Gebäude der Universität untergebracht werden.
Das geplante Literaturhaus soll nach BZ-Informationen in einem historischen Gebäude der Universität in der Werthmannstraße 4 und 6, gegenüber der neuen Unibibliothek, untergebracht werden. Diesen Vorschlag will die Stadtverwaltung im Gemeinderat am 22. Mai zur Abstimmung stellen. Sollte diese Variante doch nicht zustande kommen, würde Plan B greifen, der ein Literaturhaus in einem aufgestockten Vorderhaus vorsieht.
Es war im März 2009, als der Gemeinderat einstimmig ein Konzept für ein Literaturhaus – einen festen Ort für den Verein Literatur-Forum Südwest als Träger des Literaturbüros im Alten Wiehrebahnhof – beschloss. Derzeit beträgt der städtische Zuschuss für das Literatur-Forum jährlich 62 250 Euro (inklusive Mietzuschuss), das Land steuert 11000 Euro bei, im vergangenen Jahr wurden zudem Drittmittel in Höhe von 60 000 Euro akquiriert.
Zunächst als Standort ins Gespräch brachten Ober- und Kulturbürgermeister einen ans Stadttheater angedockten Neubau, und zwar in einer Nische an der Sedanstraße. Diese Pläne wurden, da man dafür weit mehr als eine Million Euro an Baukosten benötigen würde, wieder zurückgestellt. Neue Varianten kamen ins Spiel und wurden geprüft: die ehemalige Betriebskantine auf dem Areal der Brauerei Ganter, die derzeit ihr Areal neu entwickelt, eine Villa an der Kartäuserstraße, ein neuer Gebäudeteil im Kleinkunstzentrum Vorderhaus an der Habsburgerstraße, Räume in einem geplanten Erweiterungsbau des Kulturparks an der Haslacher Straße sowie besagte Räume der Universität an der Werthmannstraße. Dort hat das geografische Institut Räume. Sollte die Uni dafür eine andere Lösung finden, könnte das Literaturhaus seine Veranstaltungsräume im Eckhaus Werthmannstraße 4, einem Anfang der 1880er Jahre errichteten ehemaligen Hotel und Restaurant, und seine Büros im daneben liegenden Haus Nummer 6 – jeweils im Erdgeschoss – beziehen. Diese Variante hat nach BZ-Informationen oberste Priorität; sie soll konzeptionell, finanziell und wegen der zentralen Lage die beste Option sein. Offiziell dazu äußern will sich die Stadtverwaltung noch nicht, sie verweist auf eine Pressekonferenz Anfang Mai und darauf, dass das Thema im Mai erst noch in den gemeinderätlichen Ausschüssen debattiert werden soll. Erste Alternative dazu wäre das im Vergleich zum Theateranbau wesentlich günstigere Vorderhaus-Modell, und zwar für den Fall, dass die Universität ihre internen Umzugspläne – die Voraussetzung dafür sind, dass die Räume an der Werthmannstraße frei werden – bis Mitte 2014 nicht realisieren kann. Denn dann soll fest stehen, wo das Literaturhaus zuhause sein wird, da es spätestens 2015/2016 eröffnet werden soll. Für die Universität ist ein Literaturhaus an diesem Standort interessant, da sie dort auch ein geistes- und sozialwissenschaftliches Zentrum plant, welches auch Teil des Zukunftskonzepts der Exzellenzinitiative werden soll. "Wir freuen uns, wenn wir auf der Prioritätenliste oben stehen", sagt Universitätssprecher Rudolf-Werner Dreier und betont, dass ein Literaturhaus dort sehr gut zu den Plänen der Universität passen würde.
Von Frank Zimmermann 



Interview: Warum braucht Freiburg ein Literaturhaus?
DREI FRAGEN AN Birgit Fürst, stellvertretende Vorsitzende des neuen Förderkreises Literaturhaus.
Von Frank Zimmermann
Freiburg soll möglichst bald ein eigenes Literaturhaus bekommen, das aus dem Literaturbüro Freiburg hervorgeht. Die Politik hat grundsätzlich Zustimmung signalisiert, gleich fünf Gebäude in der Stadt kommen derzeit als Standorte in Frage und werden geprüft. Neu gibt es seit knapp drei Wochen einen Förderkreis Literaturhaus, der das Ansinnen unterstützt. Warum Freiburg ein Literaturhaus brauchen könnte und wo es stehen sollte, darüber sprach Frank Zimmermann mit der stellvertretenden Förderkreis-Vorsitzenden Birgit Fürst.
BZ: Frau Fürst, warum braucht eine Stadt wie Freiburg Ihrer Meinung nach jetzt ein Literaturhaus?
Birgit Fürst: Alle Künste in Freiburg haben bereits ein festes Zuhause, nur die Literatur nicht, sie wandert mal in die Theater, mal in eine Buchhandlung, mal ins Literaturbüro im Alten Wiehrebahnhof, mal in ein Kino und mal in die Universität. Mir geht es nicht darum, dass in Lesungen Großautoren zelebriert werden, das ist nicht das, was Freiburg dringend braucht. Es braucht vielmehr einen Standort, wo Jung und Alt hinkommen, wo man auch nach Lesungen noch bleiben und ins Gespräch kommen und auch mal Ausstellungen zeigen kann. Ich möchte ein Haus der Literatur, das besonders auch die Jugend anspricht und wo wichtige Themen aufgearbeitet werden. Schrift und Sprache sind Aufklärung und ganz wichtig für kreative neue Ideen, wir müssen uns gerade in Zeiten der Krise bewegen und ganz neue Ansätze finden.
BZ: Sie haben unlängst den Förderkreis Literaturhaus gegründet. Was wollen Sie mit diesem neuen Verein bewirken?
Fürst: Es geht darum, ganz viele aus der Bevölkerung anzusprechen, nicht nur Universitätsleute, sondern alle Schichten der Gesellschaft. Man kann Literatur zu einem Gemeinschaftserlebnis machen, über das gesprochen wird. Der Bedarf ist zweifellos da, Literaturhäuser schießen ja in vielen Städten wie Pilze aus dem Boden – in Berlin, Hamburg, München, Köln, Leipzig, Stuttgart, Darmstadt, Karlsruhe und Basel. Ich denke, die Zeit ist auch in Freiburg reif für ein Literaturhaus, die Buchhandlungen, die Bibliotheken und die Theater haben hier gute Vorarbeit geleistet. Natürlich geht es uns auch darum, Geld zu sammeln: Denn je mehr wir haben, desto mehr können wir zum Beispiel Workshops anbieten oder einen Autor in Residence finanzieren. Kurzum: Wir wollen das Literaturhaus finanziell und ideell unterstützen und viel Öffentlichkeit herstellen.
BZ: Zurzeit sind vier Standorte für ein Literaturhaus im Gespräch: ein Neubau am Theater, ein Gebäude der Universität an der Werthmannstraße, ein Anbau an das Vorderhaus und die ehemalige Betriebskantine auf dem Ganter-Areal. Haben Sie persönlich einen Favoriten?
Fürst: Es sind inzwischen sogar fünf, es ist noch ein Objekt, eine Villa in der Kartäuserstraße, dazugekommen. Es kommt am Ende darauf an, was finanzierbar ist und sich für verschiedene Arten von Veranstaltungen am besten eignet. Ich denke, es wäre gut, wenn wir ein eigenes Haus mit Kantine haben. Das alles wäre meiner Meinung nach auf dem Ganter-Areal gegeben. Aber ich will der Entscheidung nicht vorgreifen. In jedem Fall müssen wir die Universität und die Stadt einbinden und alle an einem Strang ziehen.
FÖRDERKREIS
Gegründet: 27. Oktober 2011
Mitglieder: zurzeit ca. 60
Zweck: finanzielle und ideelle Förderung der Literatur in Freiburg
Beitrag: jährlich 60, ermäßigt 30 Euro (Beitritt Ende 2011 gilt mit für 2012)
Vorstand: Rolf Renner (Vorsitz), Birgit Fürst und Hans Essmann (Stellvertreter), Jutta Schloon (Schriftführerin), Stephan Kuß (Kassenwart)
Kontakt: Literaturbüro Freiburg, Stefanie Stegmann (Leitung), 0761/28 99 89, info@literaturbuero-freiburg.de; www.literaturbuero-freiburg.de

Grundsteinlegung für ein einstiges Luftschloss
In Freiburg hat sich der Förderkreis für ein Literaturhaus gegründet
Von René Freudenthal
Endlich ein Dach über dem Kopf soll die schöne Literatur in der Kulturstadt Freiburg bekommen: Seit der generellen Sympathiebekundung von Gemeinderat und Kulturamt gegenüber einem künftigen Literaturhaus für die Schwarzwaldkapitale vor gut einem Jahr ist aus dem einstigen Luftschloss eine sehr konkrete Angelegenheit geworden. Mehrere interessierte Träger werben um die Kooperation mit dem bestehenden Literaturbüro Freiburg um den Zuschlag für die größere Neueröffnung. Wer also zum Richtfest laden wird, bleibt zunächst noch offen – doch ein solides Fundament für die handfeste Weiterarbeit wurde nun gelegt: Am Donnerstagabend, den 27. Oktober, hat sich im Morat-Institut der Förderkreis Literaturhaus Freiburg gegründet. Üblicherweise mit einem bürokratischen Pflichtprogramm, bevor es ans Begießen ging: Nebst der Verabschiedung einer Vereinssatzung bekam der Förderkreis mit der Wahl seines Vorstandes fünf kompetente Gesichter. Zum 1. Vorsitzenden wählte der zwanzigköpfige harte Kern der Unterstützer eines Freiburger Literaturhauses am frühen Abend den renommierten Germanisten und vormaligen Leiter des Frankreich-Zentrums der Universität, Prof. Dr. Rolf Renner. Ihn unterstützen in Stellvertreterfunktion fortan Birgit Fürst, Germanistin, Romanistin und außerordentlich aktiv in der Freiburger Kulturszene, sowie Prof. Dr. Hans Essmann, kulturpolitischer Sprecher der städtischen SPD-Fraktion. Jutta Schloon, gewählte Schriftführerin, ist ausgebildete Verlagsbuchhändlerin, hat Germanistik, Romanistik und BWL studiert und mehrere Jahre Programmarbeit im Basler Literaturhaus und dem Freiburger Literaturbüro geleistet. Kassenwart Dr. Stephan Kuß verfügt, wie er selbst launig mit Blick auf seinen neuen Job anmerkte, über ein „einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis“ – ansonsten arbeitet Kuß als Journalist und Moderator der Veranstaltungsreihe Literatur im Sortiment, die er gemeinsam mit Literaturbüro-Chefin Dr. Stefanie Stegmann kuratiert.
Der Einladung zur Feier der Förderkreisgründung folgten im Anschluss an Wahlen und Vereinsformalia dann ab acht Uhr rund einhundert Gäste – und künftige Vereinsmitglieder: Ganz folgerichtig wurden die Eintreffenden an der Tür mit Überreichung eines „Grundsteinchens“ in Form eines Miniaturbacksteins begrüßt. In der großen, blendend weißen Galeriehalle des Morat-Instituts, einem veritablen Bauhaus-Vestibül, war dann auch Platz genug für die zahlreichen Interessenten – und um Raumgewinn geht es ja schließlich nicht zuletzt beim Projekt Literaturhaus Freiburg. Grußworte des frisch gewählten Vorstandes sind an einem, so der 1. Vorsitzende Renner, „historischem Abend“ für die Stadt natürlich unverzichtbar: Während Renner bereits Leitlinien für die anstehende Förderarbeit formulierte, strich Birgit Fürst den langen Atem heraus, mit dem in Freiburg bereits seit 25 Jahren von einem eigenen Haus für die Literatur, gleichrangig neben denen der anderen Künste, geträumt werde. Und ausdrücklich lobte sie das Engagement der Frau, die als geistige Chefarchitektin tagtäglich die metaphorische Baustelle eines kommenden Literaturhauses beackert: Den Job von Stefanie Stegmann, Programmleiterin des Literaturbüro Freiburg, könne man besser nicht machen. Harmonie allseits also an einem entscheidenden Abend – der Wille der Versammelten, den kulturpolitisch günstigen Augenblick zu ergreifen und gemeinsam ein Luftschloss wahr zu machen, schien beinahe greifbar. Nebst konkreten Leckerbissen am kalten Büffet bot das Abendprogramm natürlich auch solche literarischer Art auf: Die Freiburger Schriftsteller Kai Weyand und Anette Pehnt waren für Kurzlesungen gewonnen worden. Die besondere Akustik der Galeriehalle kam schließlich Hang-Spieler Peter Martin zu Gute: Die sphärischen Klänge seines seltenen Perkussionsinstrumentes schwebten echoreich im Raum und ließen den einen oder anderen sicher schon von einem schlüsselfertigen Literaturhaus träumen. Der Grundstein ist gelegt. 
Vier mögliche Standorte für das Literaturhaus Freiburg
Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich: Es gibt gleich vier Bewerber um den Standort eines Freiburger Literaturhauses.
von Bettina Schulte
Manchmal bewegt sich etwas in Freiburg – sogar auf dem Feld der Kultur. Nachdem der Gemeinderat vor gut einem Jahr signalisiert hatte, einem Literaturhaus in der Stadt gegenüber nicht abgeneigt zu sein, fing es in mehreren Köpfen an zu arbeiten. Zuerst trat das Theater auf den Plan: einen Anbau in einer Baulücke an der Rückseite des Gebäudes der Städtischen Bühnen konnte man sich gut vorstellen. Erste architektonische Planungen ergaben ein Kostenvolumen von um die 1,5 Millionen Euro für den schmalen Neubau, der auf dem engen Grundstück in die Höhe wachsen muss: derzeit offenbar zu teuer für die Stadt, die die vom Theater nicht zu stemmenden Baukosten übernehmen müsste. Wenn auch die Idee, ein Literaturhaus buchstäblich anzubinden an das Drei-Sparten-Haus, etwas Bestechendes hat: Das Theater könnte mit seinem Großen Haus ein Forum für populäre Autoren mit breitem Publikumsinteresse bieten; im Literaturhaus ließen sich umgekehrt Lesungen im Umfeld von Premieren organisieren. Nicht umsonst ist der Stoff von Bühne und Literatur derselbe: die Sprache. Außerdem wäre mit diesem Ort, der für ein Literaturhaus kein besserer sein könnte, auch eine Verbindung zur Universität gegeben.
Diese hat inzwischen ihren eigenen Hut in den Ring geworfen. Wie Vizerektor Heiner Schanz der BZ gegenüber unterstreicht, ist man sehr interessiert daran, das künftige Literaturhaus zu beherbergen. In Frage kommt das universitätseigene Gebäude an der Werthmannstraße 4 gegenüber der Universitätsbibliothek. Noch residieren dort die Kulturgeographen. Doch die Alma Mater plant in dem Gebäude längerfristig die Einrichtung eines geistes- und sozialwissenschaftlichen Zentrums. Dorthin, schwärmt Schanz, passe das Literaturhaus ganz hervorragend. In einer separaten Etage ließen sich die nötigen Büroräume etablieren. Und für Veranstaltungen könne das Literaturhaus an den Räumlichkeiten des Zentrums partizipieren.
Synergieeffekte könnten ja gar nicht ausbleiben: Studierende hätten einen Praxisbezug ihrer Ausbildung greifbar vor Augen; auf der anderem Seite könnten Autoren mit Workshops oder Poetikvorlesungen den Universitätsbetrieb beleben. Die Uni, so sieht es der Vizerektor, hätte mit dem Literaturhaus unter ihrem Dach die Chance, unmittelbar in die Stadt hinein zu wirken – fragt sich nur, ob das Literaturhaus vor lauter Umarmung durch die Institution überhaupt noch die Luft zum selber Atmen bliebe. Wobei sich ja schon die ganz einfache Frage stellt, wie sich die Autonomie des Literaturhauses nach außen dokumentieren ließe: mit einem Schild am Universitätsgebäude?
Da wären die Verhältnisse bei Ernst Ludwig Ganter klarer. Der Familienunternehmer, der bei dem Freiburger Bierbrauer auf eigenen Wunsch aus dem operativen Geschäft ausgestiegen ist, um sich um die längerfristigen Belange der Firma zu kümmern, hegt große Pläne für das weitläufige Firmenareal an der Schwarzwaldstraße, das einer neuen Gestaltung harrt, seitdem Ganter sein Bier nicht mehr selbst abfüllt, sondern zu diesem Zweck nach Karlsruhe fährt. Eine Art Campus, ein neues Wohngelände schwebt dem wissenschafts- und kulturaffinen Ganter-Sprössling rund um die Brauerei vor. Ein Gästehaus für Gastdozenten an der Freiburger Uni würde Ganter gern in dem neueren Gebäude an der Schwarzwaldstraße über dem ehemaligen Flaschenkeller ansiedeln, die alte Mälzerei von 1890 für ein Institut zur Verfügung stellen – und aus der ehemaligen Betriebskantine aus den 1930er Jahren das Freiburger Literaturhaus machen.
Man muss schon eine Portion Phantasie mitbringen, wenn man sich das spitzgiebelige Haus mitten auf dem Brauereigelände von außen und vor allem von innen auf seine mögliche künftige Nutzung hin anschaut. Platz genug wäre da für das, was ein Literaturhaus braucht: einen in der Größe flexiblen Saal für Lesungen und, unterm Dach, Büros für das Leitungsteam. Auch gastronomisch ließe sich einiges machen. Das ist für Veranstaltungen dieser Art nicht unwichtig: Literatur und ein gutes Getränk gehören atmosphärisch zusammen. Schlechterdings nicht vorstellbar ist es, Lesungen in einer Umgebung vom Charme einer Volkshochschule stattfinden zu lassen. Ernst Ludwig Ganter ist, wie er versichert, bereit, sofort das für den Umbau nötige Geld in die Hand zu nehmen und loszulegen – sofern der Verein Literaturforum Südwest, der Träger des von der Stadt finanzierten Literaturbüros ist, sich für diese Variante entscheidet und der Gemeinderat ihr ebenfalls zustimmt. Denn ohne die Übernahme der laufenden Kosten durch die Stadt zerstiebt jeder Blütentraum von einem Literaturhaus für Freiburg.
Gastronomisch kann das Vorderhaus im Konzert der Bewerber mehr als mitspielen. Auch Martin Wiedemann verspürt die heftige Neigung, ein Literaturhaus mit seinem Kleinkunstlabel zu verknüpfen. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht: Die Infrastruktur für den Betrieb ist mit der Gaststätte und ihrem Umfeld vorhanden, ein Saal für größere Veranstaltungen ebenfalls. Wiedemann möchte für den Sitz des Literaturhauses das Vorderhausgebäude aufstocken – selbstredend auf eigene Kosten. Dafür liegen auch bereits konkrete architektonische Pläne vor. Wiedemann hält ein Lesungsprogramm für die ideale Ergänzung zum Angebot seines Hauses.
Kaum zu glauben: Da bewerben sich gleich vier Kandidaten um die Ansiedlung des Freiburger Literaturhauses. Ein bemerkenswerter Vorgang. Stephanie Stegmann, als Leiterin des Literaturbüros präsumtive Chefin des neuen Ortes für Autoren, zeigt sich selbst überrascht von Gedränge der Bewerber. Festlegen will sie sich vorerst nicht. Ein sibyllinischer Entschluss. Heute Abend wird in der Kunststiftung Morat an der Lörracher Straße ein Förderverein für das Literaturhaus Freiburg gegründet. Interessenten sind willkommen.

Raus aus dem Dachkämmerchen
Auch wenn ein Standort noch nicht gefunden ist: Mit einem höheren Zuschuss für das Literaturbüro hat der Gemeinderat am letzten Dienstag das Fundament für ein Literaturhaus Freiburg gelegt. Der Grundriss, den Literaturbüro-Leiterin Stefanie Stegmann für den Ausbau der regionalen Literaturvermittlung entworfen hatte, fand ebenfalls ungeteilte Zustimmung.
Zusätzlich 37 000 Euro bekommt das Literaturbüro bis zum nächsten Jahr. Mit dem jetzt freigegebenen Geld sollen die Teilzeitstelle der Leiterin aufgestockt und eine zusätzliche Stelle geschaffen werden. Personelle Verstärkung tut nach Ansicht der Gemeinderäte not, schließlich habe Stegmann Großes vor: Aus dem kleinen Büro im Alten Wiehrebahnhof soll ein ganzes Literaturhaus werden – ein literarisches Kompetenzzentrum mit Sitz inmitten der Stadt und Ausstrahlung in die ganze Region.
In der „Stadt der Künste“, die Freiburg laut Kulturkonzept sein und werden will, sollen damit auch Poeten und ihr Publikum einen festen Platz bekommen. Dass es eine örtliche Literaturszene nicht nur gibt, sondern sie in Wort und Wirkung immer weitere Kreise zieht, darauf deutet nicht nur die Anwesenheit renommierter Autoren und Übersetzer in der Stadt, sondern auch das ausgeprägte Interesse der Freiburger an literarischen Darbietungen von der Lesung bis zum Workshop.
Im Zentrum dieses Veranstaltungskaleidoskops steht seit etlichen Jahren das Literaturbüro. 1988 zusammen mit seinem Trägerverein Literaturforum Südwest gegründet, hat es sich zum wichtigen Impulsgeber und zur Anlaufstelle für Literaturschaffende und -freunde in Freiburg und Umgebung entwickelt. Seit 2005 schreibt Stefanie Stegmann als Büroleiterin weiter an der Erfolgsgeschichte – und machte einen richtigen Bestseller daraus: Dank rühriger Drittmittelakquise und namhafter Partner vom Goethe-Institut bis zur Zentrale für Politische Bildung stieg das Budget in kurzer Zeit von 50 000 auf 200 000 Euro, bei gleichbleibender städtischer Förderung von 34 000 Euro im Jahr. Auch die Zahl der Veranstaltungen hat sich fast verdoppelt und reicht inzwischen von der Matinee bis zur Abendlesung, vom Werkstattgespräch der Autoren bis zum Schreibwettbewerb für Kinder und Jugendliche, vom populärwissenschaftlichen „Sprechen über Sprache“ bis zur Beteiligung an Großprojekten wie den „Wechselstrom“-Tourneen, die fremde literarische Welten auch nach Freiburg brachten.
Literatur und Gesellschaft, Literatur und Wissenschaft, Literatur und Politik, Literatur und Film – vielfältige Bezüge standen schon bislang auf dem Programm, und auch das künftige Literaturhaus will auf Verknüpfung von Themen, Sparten und Akteuren setzen. Bei grenzüberschreitenden wie spartenübergreifenden Festivals und Veranstaltungsreihen soll lokales Schaffen im Kontext internationaler Tendenzen diskutiert werden können. Ob man beim Literaturpicknick auf den Geschmack kommt oder sich Nachwuchstalente in Studenten-WGs präsentieren: Ungewöhnliche Formate und Aktionen sollen Schwellenängste erst gar nicht aufkommen lassen. Auch in der kulturellen Bildungsarbeit will sich das Literaturhaus weiter engagieren und dazu von der Literaturparty bis zur Poetikdozentur die ganze Bandbreite der Möglichkeiten nutzen.
„Pfiffige Ideen“, so Grünen-Fraktionsvorsitzende Maria Viethen, sind demnach genug vorhanden; was nach der städtischen Finanzspritze für die personelle Ausstattung noch fehlt, ist der Raum: Statt im Dachkämmerchen soll die Poesie ihren Standort künftig mitten in der Stadt haben, mit guter Anbindung an Bus und Straßenbahn und Platz für bis zu 200 Besucher. Die Suche nach einer geeigneten Immobilie ist bereits im Gange.
„Sicht- und erfahrbar“ wünscht sich Ursula Kuri die Literatur in Freiburg und setzt sich mit der CDU-Fraktion bereits seit Herbst für ein eigenes Literaturhaus ein. Ob nur die Eigenständigkeit dem Alleinstellungsmerkmal der Freiburger Literaturvermittlung gerecht werden könne oder in der Standortfrage auf „Synergieeffekte“ etwa mit der Stadtbibliothek oder dem Theater zu hoffen sei, wie SPD-Sprecher Thomas Oertel anregte: In der Anerkennung für das Literaturbüro und seine erfolgreiche Vermittlungsarbeit waren sich die Stadträte ausgesprochen einig. Für UL-Vertreter Attai Keller der Beweis: „Es lohnt sich, den steinigen Weg einer Kultureinrichtung zu gehen.“

"Ein Fünf-Jahres-Plan für ein Literaturhaus"
Die CDU-Fraktion hat sich das Thema auf die Fahnen geschrieben: Freiburg braucht ein Literaturhaus. Stefanie Stegmann, seit 2005 Leiterin des Literaturbüros im Alten Wiehrebahnhof, hat ein umfassendes Konzept für den Aufstieg Freiburgs in die erste Liga der Literaturvermittler vorgelegt. Heute entscheidet der Gemeinderat zunächst über eine Aufstockung des Etats für das Literaturbüro. Bettina Schulte sprach mit der promovierten Kulturwissenschaftlerin über ihre Ideen für die literarische Zukunft Freiburgs.
BZ: Frau Stegmann, warum braucht Freiburg ein Literaturhaus?
Stegmann: Die Literatur in Freiburg hat sich im Lauf der letzten Jahre verändert. Sie nimmt einen beachtlichen Stellenwert ein. Da liegt der Gedanke nahe, die Arbeit auszuweiten – erst recht, weil auf Landesebene bisher nur eine punktuelle Vernetzung möglich ist. Wenn man sich bundesweit die Karte von Literaturvermittlung und -förderung ansieht, stellt man feststellen, dass die ganz gut bestückt ist – bis auf den süddeutschen Raum.
BZ: Wie kommt das?
Stegmann: Das Land hat entschieden, Literatureinrichtungen nicht institutionell zu fördern. Noch nicht einmal das Literaturhaus Stuttgart.
BZ: Was bekommen die?
Stegmann: Projektmittel. So sieht die Kulturpolitik zur Zeit ganz allgemein aus. Es werden Projektmittel gegeben, institutionelle Zuschusse werden eher zurückgefahren.
BZ: Das entspricht an sich nicht dem Charakter eines Literaturhauses.
Stegmann: Das Problem ist: Wir akquirieren hohe Summen an Drittmitteln, aber können sie mit der gegenwärtigen finanziellen und personellen Infrastruktur kaum verwalten. Es gibt das Interesse des Publikums – gerade bei den größeren Veranstaltungen wie zum Beispiel "Wechselstrom" mussten wir fast 80 Gäste nach Hause schicken –, es gibt Möglichkeiten und Ideen, aber die nötige Infrastruktur, das Fundament, fehlt. Mit meinem Antrag möchte ich vor allem Zeit kaufen: Ich brauche eine personelle Entlastung, damit ich mich stärker auf die konzeptionelle Ebene konzentrieren kann, um strategische Partnerschaften für die Zukunft zu entwickeln. Daraus resultiert das Konzept für ein Literaturhaus.
BZ: Welche Aufgaben hat ein Literaturhaus, die ein Literaturbüro nicht bewältigen kann?
Stegmann: Das Literaturbüro ist als kleine Einrichtung mit einem Projektetat von ca. 10 000 Euro und 70 bis 80 Veranstaltungen im Jahr nur in der Lage, auf einem sehr engen Feld zu agieren. Mit diesem Etat ist eine übergreifende projektbezogene Arbeit nur schwer möglich. Und genau da sehe ich die Potenziale: Literatur anzubinden an das, was passiert, sie als künstlerische Ausdrucksform ernst zu nehmen und zu fragen: Wo geht sie Allianzen ein mit anderen Künsten, mit Kultur, Politik und Gesellschaft.
BZ: Der Antrag, über den heute entschieden wird, sieht eine Aufstockung der Mittel um 40 Prozent vor. Ist das der erste Schritt zum Literaturhaus?
Stegmann: Ich habe so etwas wie einen Fünf-Jahres-Plan entworfen. Man kann nicht von heute auf morgen 100 000 Euro lockermachen – schon gar nicht allein mit öffentlichen Geldern. Dieser erste Schritt wird nicht sofort öffentlich sichtbare Konsequenzen nach sich ziehen. Neben der leichten Anhebung meines Gehalts werden die Mittel für eine Mini-Zweitkraft eingesetzt werden. Die Summe ist ja gering: 15 000 im Jahr 2009 und dann 22 000 Euro ab 2010 mehr.
BZ: Was steht am Ende dieses Plans?
Stegmann: Man kann nicht mehr einfach nur die Hand aufhalten, um öffentliche Gelder zu bekommen. Ich werde versuchen, Partner zu finden, die z.B. über mehrere Jahre angelegte Projekte mitfinanzieren – und damit unsere Arbeit und auch die Einrichtung mittragen. Dafür brauche ich mindestens ein, zwei Jahre, um Projekte zu entwickeln und auf Stiftungen zuzugehen und. Mein Ziel wäre, mehr Drittmittel als öffentliche Gelder einzuwerben.
BZ: Dass das Land die institutionelle Förderung einführt, ist wohl nicht zu erwarten.
Stegmann: Es gab Gespräche in Stuttgart. Ich werde noch einmal auf das Land zugehen und ausloten, inwiefern zumindest die Projektmittel erhöht werden können. Das Land finanziert – vermittelt über das Regierungspräsidium – das Literaturbüro bisher mit 8000 Euro Projektmitteln, das Literaturhaus Stuttgart, soweit ich weiß, mit 50 000 Euro.
BZ: Das Literaturbüro ist aus einer regionalen Initiative hervorgegangen und hat sich die Förderung der regionalen Literatur zur Aufgabe gemacht. Sie richten den Blick gleichzeitig auf große europäische Projekte. Ist der Spagat zu schaffen?
Stegmann: Er muss geleistet werden. Literatur aus der Provinz muss nicht provinziell sein, aber sie wird provinziell, wenn sie nicht in einen Dialog mit literarischen Tendenzen auf nationaler und internationaler Ebene tritt.
BZ: Sie haben einiges auf den Weg gebracht, seitdem sie das Literaturbüro übernommen haben. Konzeptionell ist das Haus schon jetzt gut aufgestellt. Die Weichen sind gestellt.
Stegmann: Die Weichen sind gestellt. Aber Schulterklopfen ist trotzdem nicht angesagt.
BZ: Nach Ihrem Konzept wird das Literaturhaus die Schaltzentrale für das literarische Leben Freiburgs. Wäre da nicht auch ein anderer Ort vonnöten?
Stegmann: Es wird darüber gesprochen. Für mich ist eine finanzielle Aufstockung vorrangig, der Ort ist gegenwärtig noch sekundär. Solange sich die finanzielle Situation hier nicht verändert, bin ich eigentlich nicht bereit, über einen Umzug nachzudenken.
BZ: Die CDU hat plötzlich ihre Liebe zur Literatur entdeckt. Woher kommt dieses schöne, begrüßenswerte Interesse?
Stegmann: Ich habe mein Konzept im Frühjahr dem Vorstand und dem Kulturamt vorgelegt. Danach bin ich auf die Fraktionen zugegangen. Bis auf die SPD zeigten sich alle sehr interessiert und ich konnte mit allen sehr gute, konstruktive Gespräche führen.

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