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20 Jahre gewachsen

1988 - 2008 | Das Literatur Forum Südwest feiert seinen 20. Geburtstag - und wir erzählen seine Geschichte:



In der Nebelzone

Als Reaktion auf das Ereignis titelte die BADISCHE ZEITUNG: ”Aus dem Nebel in höhere Gefilde”. Das Ereignis: erster öffentlicher Auftritt von zwölf Autoren der Region am 17. Januar 1988 in der Städtischen Galerie Schwarzes Kloster als Mitglieder eines kurz zuvor gegründeten Vereins mit dem Namen “Literatur Forum Südwest e.V.”

 

Eine Gruppenlesung fand statt, “begleitet von Improvisationen auf Saxophon und Kontrabaß“. So ganz ohne Noten ging eine Präsentation von Literatur in der ´Musikstadt´ Freiburg noch nicht. Ziel der damals zwanzig nunmehr organisierten Autoren war es, “innerhalb eines zunehmend auf Großereignisse und schnellen Durchlauf ausgerichteten Literaturbetriebs der Literatur aus der Region einen Ort zu schaffen, ihr zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen und den Austausch über die literarische Arbeit zu vertiefen.” Nebulös? Klar jedenfalls: ”Wir suchen nicht das reine alemannische Wort.” Aber was?

 

Nach dem von der Öffentlichkeit Freiburgs mit wohlwollender Skepsis verfolgten Beginn lagen die Ziele fern, unmittelbar vor Augen stand: das vollständige Fehlen von Raum und Geld.

 

Freundlichen Gratiseinlass erhielt die Neugründung in die Räume des Kommunalen Kinos für erste ehrenamtliche Tätigkeiten des Vorstands. Eine Textwerkstatt für die literarische Arbeit innerhalb des Vereins wurde eingerichtet, der seine Produktionen in regelmäßigen Autorenlesungen der Öffentlichkeit vorstellte, die wiederum zur Offenen Lesung eingeladen werden konnte, in der jeder, der schrieb und vor kleinem Kreis vorlesen und Kritik hören mochte, Gelegenheit dazu hatte. Aus den Autorenlesungen wurde binnen kurzem ein “Literarischer Frühschoppen” monatlich sonntags im Café, in dem bald der erste ´auswärtige´ Autor - aus Stuttgart - seinen Auftritt hatte, später die “Matinée” in der Galerie des Kommunalen Kinos. Nach zwei Jahren stellte man fest: Das Forum hatte immer noch kein Geld, kein Büro, ”aber es tut, was es kann.”

 

Zuwachs und vorläufige Bleibe

 

Betätigungsfeld und Mitgliederkreis erweiterten sich deutlich, als 1992 die in Freiburg starke Gruppe der Übersetzerinnen und Übersetzer dem Verein beitrat. Damit wurden Lesungen aus aktuellen Literaturübersetzungen, kontinuierliche Arbeit an übersetzungsspezifischen Fragen in Werkstatt und Stammtisch und die Zusammenarbeit mit dem damaligen Institut Français zu festen Programmpunkten.

 

Was bis dahin - in der Satzung als zu verfolgendes Ziel aufgeführt - im Bewusstsein der Vereinsmitglieder als “Vision” gehandelt wurde, fand Ende 1992 einen Weg in die Realität: Das Kulturamt stellte einen Büroraum im Marienbad zur Verfügung. Erster, durch Förderung des Arbeitsamtes fest angestellter Geschäftsführer wurde Wolfgang Sandfuchs, ohnehin bis dahin wesentlich treibende Kraft, Koordinator und Verwalter des Vereinsgeschehens.

 

Das “Literaturbüro Freiburg/Südbaden” als Ansprechstelle für literarisch und übersetzerisch Tätige ermöglichte jetzt die Festigung der Programmarbeit, Förderung des literarischen Austausches und Kooperationen mit öffentlichen und privaten Literaturveranstaltern. Zwei Anthologien mit literarischen Texten aus den Matinéen lagen inzwischen vor. Einen Weg in die Jugendarbeit eröffnete die Beteiligung an der vom VS ins Leben gerufenen Reihe “Jugend schreibt”. Neu gewonnene Beweglichkeit zeigte sich in der Teilnahme an der regionalen Buchmesse in Colmar, am Arbeitskreis “Der blaue Puma”, in Projekten wie den Übersetzertagen 1995, in der Zusammenarbeit mit Stadtbibliotheken (Freiburg, Lörrach) und weiteren Kultur- und Sozialeinrichtungen. Dies wurde honoriert mit finanzieller Unterstützung durch Kulturamt und Regierungspräsidium, auch das einst eine Vorstellung mit ausgeprägt visionärem Charakter.

Die Nebelzone war beinahe verlassen.

 

Aus der Traum?

 

Im Januar 1997 wurde das “Autorenverzeichnis” präsentiert, ein regionales Verzeichnis von Autorinnen und Autoren. Da drohte, mit dem Auslaufen der ABM-Förderung 1997, auch die Schließung des Literaturbüros. Die schon zu Anfang von außen gestellte und durchaus nicht bloß rhetorisch gemeinte Frage tauchte wieder auf, ob man für Südbaden und dessen ”…schüttere und wenig glänzende Literaturszene…”(BZ) überhaupt so etwas wie ein Literaturbüro brauche. Hatte diese Fragestellung sich durch die Arbeit des Büros nicht schon erledigt? Mit der Bereitstellung jedenfalls eines Jahresetats durch die Stadt und Fördergeldern vom Land ging es in Büro und Verein weiter. Dann, mitten im Aufstieg

 

aus der Nebelzone

 

übernahm Wolfgang Sandfuchs die Leitung des Literaturhauses Schleswig-Holstein in Kiel. Empfahl aber als seinen Nachfolger Martin Gülich, der 2000 das Büro bezog und sich nach einem Jahr die rasch anwachsende Arbeit und das weniger rasch anwachsende Geld mit Kai Weyand teilte.

 

Die Erfolgsgeschichte auch ihrer Leitung, unterstützt auf Übersetzerseite vor allem auch durch Beate Thill und begleitet durch (maßvolle) Erhöhungen der Fördergelder von Stadt und Land, läßt sich in der rapiden Ausweitung des Programms und der sie begleitenden öffentlichen Zustimmung nachlesen. Durch die Öffnung des Vereins für jeden an dessen Arbeit Interessierten verdoppelte sich in kurzer Zeit die bisherige Mitgliederzahl (der Aufruf ergeht hiermit an alle, die es betrifft, diesen Vorgang zu wiederholen!). Schwerpunkte ihrer Tätigkeit waren: Verankerung in der Stadt, (“Eine Stadt liest”), Ausbau der Kooperationen (Stadtbibliothek, SWR, Oberschulamt, Haus der Jugend…), schließlich engere Zusammenarbeit mit dem Kulturamt. Daraus ergab sich 2003 Aufstieg und Umzug

 

ins Dach

 

des Alten Wiehrebahnhofs, jetzt: “Haus für Film und Literatur“, und damit eine neue, naheliegende Kooperation, die mit dem Kommunalen Kino. Es entwickelte sich eine Programmdichte, die in 14 bezahlten Wochenstunden nicht zu leisten und durchzuhalten war. Da sich jedoch keine finanzielle Änderung abzeichnete, stiegen Martin Gülich und Kai Weyand zum großen Bedauern aller 2005 aus.

 

Die Stellenausschreibung ergab einen Pool von 120 Bewerbungen. Das Auswahlverfahren war - naturgemäß - so aufwändig wie unterhaltsam. Schließlich wurde Stefanie Stegmann zur neuen Büroleiterin bestimmt, die - noch eine beeindruckende Zahl - 2000 Kilometer aus der Ukraine zum Bewerbungsgespräch anreiste. Aus den Beziehungen von dort ergaben sich zwei Großprojekte: ”ZUG ´76” (2006) und “Wechselstrom” gleich im Jahr darauf. Große Tatkraft und Kommunikationsfähigkeit bestimmten ihre ersten zwei Jahre, wir konnten es verfolgen. 2006 nahm die Büroleiterin des Literatur Forum Südwest e.V. als Moderatorin erstmals am Freiburger Literaturgespräch teil. Für den Kenner der Vereinsgeschichte: das hat was.

 

Wir kommen zum Schluss:

 

Höhere Gefilde?

 

Zuversichtlich blickt das Literatur Forum Südwest e.V. um sich und nach oben und dankt allen, die es gegründet, getragen, begleitet, gefördert haben.

 

Hans Hoischen

 

 

Der Vorstand: Hans Hoischen, Ralf Kiefer, Jürgen Reuß, Kaspar Steinhoff und Christoph Trunk.

 


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