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Rückschau| März 2010


Samstag, 06. März 2010

"WAS UNS AM BESTEN STEHT, IST DIE MELANCHOLIE"

 

Deutsch-türkische Lesung aus der Anthologie Kultgedichte und dem Roman Seelenfrieden von Ahmed Hamdi Tanpinar

 

Auftakt zur Veranstaltungsreihe Istanbul Kulturhauptstadt 2010

 

Das Lebensgefühl der Melancholie ("hüzün") in allen ihren Schattierungen, wie Schwermut, Traurigkeit, Leid und Resignation, durchdringt die Literatur der türkischen Moderne. Die Melancholie steht deshalb auch als Motto über diesem Abend, an dem lyrische und epische Texte aus zwei Büchern der Türkischen Bibliothek (Unionsverlag Zürich) gelesen werden. Die Anthologie Kultgedichte (2008) versammelt Lieblingsgedichte prominenter Vertreter der türkischen Kulturszene, die jeweils in einem kurzen Essay erzählen, was das Gedicht ihnen bedeutet. Auf diese Weise ist eine Auswahl entstanden, die nicht nur all die großen Dichter zu Wort kommen lässt - gleichzeitig bezeugt sie die Faszination und Wirkungskraft der Poesie in der Türkei. In dem Roman Seelenfrieden, den Orhan Pamuk den "bedeutendsten Istanbul-Roman" nennt, schickt der Autor Ahmet Hamdi Tanpinar den Helden Mümtaz in der alten Sultansstadt auf nostalgische Suche nach der verlorenen Tradition.

 

Durch den Abend führt Prof. Dr. Erika Glassen, Islamwissenschaftlerin an der Universität Freiburg i. Br. und Herausgeberin der Türkischen Bibliothek (zusammen mit Jens Peter Laut). Es lesen: Neriman Bayram (türkisch) und Anna Böger (deutsch). Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet von Murat Coşkun (Percussion).

 

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg, des Kommunalen Kinos Freiburg, der Akademischen Plattform Freiburg e.V. und des Südwind Freiburg e.V.

 

Die Veranstaltung wurde von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

 

Sa 06.03. | 20.00 Uhr | Galerie im Alten Wiehrebahnhof | Urachstr. 40, 79102 Freiburg | Eintritt: 5,00/ 3,00 Euro |

 

 


Donnerstag, 11. März 2010

HörBAR - Doppelpack: Hörspiel und anschließend Film

Volker Pantenburg Minutentexte und The Night of the Hunter von Charles Laughton

 

The Night of The Hunter ist ein grauenhaftes Märchen über den falschen Prediger Harry Powell (Robert Mitchum), der eine verschlafene kleine Gemeinde und vor allem die junge Witwe Willa verführt, um an die Beute ihres hingerichteten Mannes zu kommen. Der Film gilt als Unikat in der Kinematografie der 50er Jahre. Einerseits ist es die erste und einzige Regiearbeit von Charles Laughton, andererseits wies der Film, der in quasi expressionistischer Manier in schwarz-weiß gedreht wurde, bereits über die Zeit seiner Entstehung hinaus. Mittlerweile genießt Laughtons Film Noir Kultstatus unter Cineasten.

 

Die Berliner Filmpublizisten Volker Pantenburg und Michael Baute verteilten die 93 Minuten des Films The Night of the Hunter an ebenso viele Autoren – an Filmemacher, Schauspieler, Filmwissenschaftler und Kritiker, an Lyriker und Dramatiker – mit der Bitte, diese eine Minute nachzuerzählen, sie zu analysieren oder zu interpretieren. Entstanden sind daraus ein Buch und ein Hörspiel, das die Tonspur und die Musik des Films miteinbezieht.

 

20:00 – Hörspiel: Minutentexte, Regie: Oliver Sturm, HR/DLF 2008,

Länge: 66'08

 

21:30 – Film: The Night of The Hunter, Regie: Charles Laughton,

Länge: 93’00

 

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg, des Kommunalen Kinos und des SWR2.

 

Do 11.03. | 20.00 Uhr | Kinosaal im Alten Wiehrebahnhof | Urachstr. 40, 79102 Freiburg | Eintritt: 8,00/ 6,00 Euro |

 


Donnerstag 11. März - Freitag 12. März 2010

MUTTER VATER WEST OST | Autorinnen-Lesungen in der Internationalen Frauenwoche

 

Anlässlich der Internationalen Frauenwoche stellen die Unabhängigen Frauen Freiburg und das Literaturbüro Freiburg wieder zwei spannende literarische Stimmen vor: Erika Prümm und Manuela Fuelle.

Erika Prümm, Autorin, Psychotherapeutin und -analytikerin, präsentiert ihr Buch Elas unfertiges Erinnern (2009). Erinnerungsfragmente gestalten sich zu dem lückenhaften Bild einer Kindheit und Jugend im Zweiten Weltkrieg – Prümms Roman zeichnet das Bild eines sprachlosen Traumas, das noch weit über das Kriegsende hinaus nachwirkt und als unerlöste Schuld in den Träumen und inneren Erlebnissen der Nachgeborenen wiederkehrt.

Manuela Fuelle, Autorin, Religionslehrerin und Gemeindediakonin, liest aus ihrem Romanmanuskript Fenster auf – Fenster zu, das mit dem Alfred-Döblin-Stipendium honoriert wurde. Sie erzählt darin die Geschichte eines Außenseiters, der plötzlich verschwindet. Eine Tochter begibt sich auf die Vatersuche, die zugleich eine Reise in die Kindheit wird. Vor dem Hintergrund der spannungsvollen deutsch-deutschen Geschichte entfaltet sich das Bild einer prekären Familienkonstellation.

 

Eine Veranstaltung der Unabhängigen Frauen Freiburg und des Literaturbüros Freiburg.

 

Do 11.03. | 18.00 Uhr | Erika Prümm | | Fr 12.03. | 18.00 Uhr | Manuela Fuelle | Galerie im Alten Wiehrebahnhof | Urachstr. 40, 79102 Freiburg | Eintritt frei |

 


Dienstag, 16. März 2010

FREIBURGER ANDRUCK 10 | 2

Annette Pehnt: Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern

 

»Annette Pehnt kann schlichte Sätze von großer Wahrhaftigkeit schreiben.«

Der Spiegel

 

Das Leben ein Ausnahmezustand: In sechs klugen, berührenden Erzählungen richtet Annette Pehnt ihren Blick auf kurze Momente großer Intensität: wie zum Beispiel auf die Ohnmacht einer Tochter angesichts des Todes ihrer Mutter oder die Traurigkeit einer jungen Frau über den Verlust ihrer Schönheit. Da ist die vermeintlich glückliche Frau, die von der Feststellung einer alten Chinesin verblüfft wird: »Ihre Schönheit schlummert in Ihrem Gesicht. Sie haben nur vergessen, wo sie ist.« Da ist die verzweifelt fantasievolle Zugbegleiterin, die sich wünscht, neben ihren Reisenden einzuschlafen. Oder die Verzagtheit zweier Kinder, deren Mutter eines Tages einfach ins Krankenhaus verschwindet. – Trauer, Liebe, Schmerz und Nähe: Tiefenscharf und mit großer Empathie leuchtet Annette Pehnt unseren Alltag aus und entdeckt den Ausnahmezustand im Normalen.

 

Annette Pehnt, 1967 in Köln geboren, lebt, nach Aufenthalten in Irland, Schottland, Australien und den USA, seit 2000 in Freiburg. Für ihre vier hochgelobten Romane Ich muss los (2001), Insel 34 (2003), Haus der Schildkröten (2006) und zuletzt Mobbing (2007) wurde sie u. a. mit dem Italo-Svevo-Preis, dem Mara-Cassens-Preis und dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnet. Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern ist ihr erster Erzählungsband.

 

Eine Veranstaltung des Kulturamts Freiburg, des Literaturbüros Freiburg, der Stadtbibliothek, des Theaters Freiburg, des SWR Freiburg und der Badischen Zeitung.

 

Di 16.03. | 20.00 Uhr | Schlossbergsaal im SWR Studio Freiburg | Kartäuserstraße 45, 79102 Freiburg | Eintritt: 7,00/5,00 €, Kartenvorverkauf bei der Stadtbibliothek |

 

 


Montag, 22. März 2010

LITERATUR IM SORTIMENT

Kathrin Pläcking: Zettelgeschichten

 

Autoren lesen am „Ort des Geschehens“ – dort, wo sie ihre Figuren handeln, leiden und lieben lassen. Literatur kehrt ein in die Räume, die mit Worten erschaffen wurden.

Literatur im Sortiment verbindet Literatur mit Lokalitäten, fiktive Räume mit realen Räumlichkeiten.

 

„Ich geh’ zu Lienhardt, soll ich Ihnen auch Brötchen mitbringen?“ – Kathrin Pläcking hat sich von einer ganz besonderen Textsorte inspirieren lassen: Einkaufszettel. Zerknüllt, zerknittert, weggeworfen– aus den Augen, aus dem Sinn. Während sie ihre Funktion für den Verfasser schon längst erfüllt haben, fängt das Interesse an ihnen bei Kathrin Pläcking erst an: Die Autorin ging eines Tages nicht mehr achtlos an ihnen vorüber, sondern nahm den ersten auf, den zweiten, den dritten... sie studierte Schriften, Aufbau, Inhalte... und entwickelte aus den scheinbar wertlosen Zeugnissen des Alltags kurze Prosastücke.

Bei Kaffee und Kuchen, im rustikalen Ambiente der Bäckerei Lienhart, wird Ihnen Kathrin Pläcking u. a. ihre Erzählungen „Brötchenerwerb“ und „Kuchen für Sonntag“ vorführen.

 

Kathrin Pläcking, geboren 1958 in Wuppertal, ist Mathematikerin, Landwirtin und Altenpflegerin. In Schreibwerkstätten bei Maria Bosse-Sporleder und Annette Pehnt entdeckte sie 2002 ihre Freude am Schreiben. Seitdem beteiligt sie sich an öffentlichen Lesungen, veröffentlicht kleine Texte in Zeitschriften (2007: „Ihr Klavier“/ „Chez François“, Literaturzeitschrift ‚allmende’) und hat eine Sammlung von Zettelgeschichten angelegt, die seit 2009 als Buch vorliegt. Derzeit lebt sie in Freiburg.

 

Eine Veranstaltung des Literaturbüro Freiburgs und der Bäckerei Lienhart.

 

Mo 22.03. | 19.00 Uhr | Bäckerei Lienhart | Salzstr. 11, 79098 Freiburg | Eintritt: 8,- / 6,- Euro (je 1 Kuchen o. Kaffee inkl.) |

 

 


Donnerstag, 25. März 2010

LITERARISCHES WERKSTATTGESPRÄCH

 

Im »Literarischen Werkstattgespräch« können Schreibende unveröffentlichte literarische Texte zur Diskussion stellen. Die Veranstaltung findet monatlich jeweils am letzten Donnerstag statt. Textbewerbungen bitte bis spätestens eine Woche vor dem Gespräch ans Literaturbüro schicken.

 

Do 25.3. | 20.00 Uhr | Galerie im Alten Wiehrebahnhof | Urachstraße 40, 79102 Freiburg | Eintritt frei |

 

 


Freitag, 26. März 2010

ZUR TOPOGRAFIE DES TÜRKISCHEN ROMANS: SCHAUPLATZ ISTANBUL

Vortrag von Prof. Dr. Erika Glassen zur Filmreihe Mittwochskino Istanbul

 

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die literarische Gattung "Roman" aus Europa in das spätosmanische Reich importiert: Die reformfreudigen türkischen Literaten sahen im Roman das geeignete Medium, um die realen gesellschaftlichen Verhältnisse zu beschreiben und zu kritisieren. Istanbul diente den Literaten hierbei bevorzugt als Kulisse, spiegelte sich doch das Spannungsverhältnis zwischen der orientalischen Tradition und dem Trend zur westlichen Lebensart in den geo- und demografischen Gegebenheiten dieser Stadt wider. Prof. Erika Glassen wird dies anhand ausgewählter Istanbul-Romane präsentieren.

 

Prof. Dr. Erika Glassen geboren 1934 in Malchow/Mecklenburg, studierte zunächst in Greifswald Kunstgeschichte, später in Freiburg und Basel Islamwissenschaft. 1968 wurde sie mit einem Thema über die islamische Geschichte Persiens, »Die frühen Safawiden«, promoviert, arbeitete als wissenschaftliche Assistentin am Orientalischen Seminar der Universität Freiburg und habilitierte sich mit der Arbeit »Der mittlere Weg«. In der Folge war sie als Referentin am Orient-Institut der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft in Beirut/Libanon tätig und von 1989-1994 Direktorin des Orient-Instituts. Während dieser Zeit baute sie eine Zweigstelle in Istanbul auf. Zusammen mit Prof. Dr. Jens Peter Laut ist sie Herausgeberin der Türkischen Bibliothek.

 

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg, des Kommunalen Kinos Freiburg, der Akademischen Plattform Freiburg e.V. und des Südwind Freiburg e.V.

 

Fr 26.03. | 20.00 Uhr | Galerie im Alten Wiehrebahnhof | Urachstr. 40, 79102 Freiburg | Eintritt: 3,00 Euro |

 


Mittwoch, 31. März 2010



SPRECHEN ÜBER SPRACHE

DUB Poetry - Mit Jazz’min Tutum und Ellen Köhlings

Performance & Vortrag

 

Ihre poetische Arbeit bezeichnet Jazz’min Tutum als Spheric Dub. Zwischen ihr selbst als Künstlerin und dem Publikum entsteht auch durch den hypnotischen Reggaebeat eine Sphäre, in der sie ihre eigenen Gedanken und diejenigen ihres Publikums in Bewegung zu bringen versucht. Dub-Poetry als eine Form der Spoken-Word-Poetry entwickelte sich Ende 60-er Jahre in Jamaica. Diese einzigartig rhythmische Dichtersprache erschien, als die durch Neuabmischung und Verfremdung produzierten Instrumentalversionen bestehender Reggae-Stücke mit einem Toasting (Sprechgesang) überlegt wurden. Die erfolgreichsten Vorreiter der Gattung wie Linton Kwesi Johnson, Oku Onoura oder Louise Bennett kommentierten die jamaikanische Wirklichkeit - soziale Missstände, Neokolonialismus, Migration- in ästhetisch anspruchsvoller Lyrik und trugen es zu Reggae-Rhythmen vor. Globalisierung, die Dritte Welt und die Problematik von Weltordnungen sind auch die Themen in der gesellschaftlich engagierten Arbeit Jazz’min Tutums. Ihre Vortragskunst verbindet Elemente aus der Gedichtrezitation und aus dem Gesang und fügt sich mit der rhythmisierenden Musik zum spoken dub.

Durch die Performance von Jazz’min Tutum führt Ellen Köhlings, die Erfinderin und Redakteurin des Reggaemagazins "Riddim".

 

Jazz’min Tutum, geboren in Japan, wuchs in Kanada und in Jamaika auf. Nachdem sie in Japan ein Studium der Kunstgeschichte absolviert hat, war sie in Jamaika als Lyrikerin und Kinderbuchautorin tätig. Als „Dubtress“ tritt sie seit 2002 auf, unter anderem auch mit der Berliner Gruppe Der Blaue Drache. Seit 2007 lebt sie in Freiburg.

 

Mi 31.03. | 20.00 Uhr | Galerie im Alten Wiehrebahnhof | Urachstr. 40, 79102 Freiburg | Eintritt: 5,00/ 3,00 Euro |

 


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