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18.09.2011 | Störfall Text

Internationales Literarisches Symposium

Ein Projekt im Rahmen von "expeditionen. 25 Jahre Tschernobyl"

 

»Wir können das Zeichen Tschernobyl nicht lesen, es ist ein fremder Text. Kein großer Schriftsteller hat sich des Themas angenommen, kein Philosoph. Tschernobyl liegt außerhalb der Kultur.« Swetlana Alexijewitsch



Foto: Robert Polidori


Auf welche Weise bezieht die Literatur 25 Jahre nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl Stellung? Im Gespräch mit national und international renommierten Gästen fragt das Literaturbüro Freiburg nach der politischen Bedeutung des literarischen Schreibens heute. Welche Verantwortung tragen SchriftstellerInnen an einer kritischen Diskussion über globale Bedrohungen? Wie kann ein »fremder Text« wie die Havarie in der Ukraine mit ihren geografische Räume übergreifenden Folgen für jetzige und nachfolgende Generationen in eine ‚Sprache der Sichtbarkeit’ überführt werden? Oder muss sich die Literatur nicht vielmehr verwehren gegen jede Form politischer Indienstnahme und Instrumentalisierung? Darüber sprechen die belorussische Journalistin und Autorin Swetlana Alexijewitsch, Harald Welzer, Professor für Kulturwissenschaft, Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, die ukrainischen Autoren Serhij Zhadan und Juri Andruchowytsch, die deutschsprachigen Schriftstellerinnen Kathrin Röggla und Inka Parei, sowie die Journalisten Felix Knoke, Robert Glashüttner und der Soziologe Fabian Grossekemper.

 

 


14.30 Uhr – 15.00 Uhr ** BLOCK 4

mit Oleg Veklenko (UA) und Achim Könneke (D)

Empfang und Ausstellungseröffnung

 

In der Galerie des Alten Wiehrebahnhofs wird das Symposium mit der Ausstellung "BLOCK 4", einer Dependance der Austellung »Straße der Enthusiasten« durch Oleg Veklenko, Professor für Grafikdesign in Charkiv, und Achim Könneke Leiter des Kulturamts Freiburg eröffnet.

 

Um 11.00 Uhr eröffnet die Hauptausstellung im Morat-Institut. Anschließend fährt ein Busshuttle zum Alten Wiehrebahnhof.

 

 


15.00 Uhr – 16.30 Uhr ** Expedition Katastrophe

mit Serhij Zhadan (UA), Kathrin Röggla (A/D) und Inka Parei (D)

 

Kurzlesung und Podiumsdiskussion

 

Wie nachhaltig wurde und wird die Literatur durch die neue Dimension übernationaler Gefahr geprägt und wie greift die Literatur diese zugleich auf? Fehlt uns tatsächlich eine Sprache für die bis dato neue Form der Angst? Darüber spricht die österreichische Autorin Kathrin Röggla, bekannt durch ihre politischen Prosa-, Theater- und Rundfunkarbeiten. In ihrem Essay »disaster awareness fair« und ihrem Theaterstück »worst case« ist sie dem Phänomen des Katastrophischen auf der Spur. Mit Röggla diskutiert Serhij Zhadan, einer der bedeutendsten ukrainischen Schriftsteller der jüngeren Generation. Zhadan setzt sich in einem eigens verfassten Essay mit dem Atomunglück in der Ukraine auseinander. Inka Parei, dritte Gesprächspartnerin, veröffentlicht im September 2011 ihren neuen Roman "Die Kältezentrale", der sich exemplarisch mit den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe auseinandersetzt. Sie gehört damit zu den wenigen deutschsprachigen AutorInnen, die das Thema literarisch zu verarbeiten sucht.

 

Die Moderation übernimmt Claudia Dathe, Literaturübersetzerin, Tübingen/Jena. Dolmetscherin: Kateryna Stetsevych, Kulturmanagerin, Berlin.

 

 

 


17.00 Uhr – 18.30 Uhr ** Magie der Zone

mit Felix Knoke (D), Robert Glashüttner (AU) und Fabian Grossekemper (CH)

 

Präsentation und Diskussion

 

Die S.t.a.l.k.e.r-Reihe »The Shadow of Chernobyl« gilt als weltweit erfolgreiches Egoshooter- und Rollencomputerspiel über die Reaktorexplosion 1986, inszeniert als komplex animierter Thriller und adressiert insbesondere an eine jugendliche und junge Erwachsenen-Generation. Das Spiel erschien 2007 als »einer der meisterwarteten Titel der Spielegeschichte« (Gamestar 2007), inspiriert durch den Roman »Picknick am Wegesrand« von Arkadi und Boris Strugazki und 1979 unter dem Titel »Stalker« von Andrei Tarkowski verfilmt. Wie können mediale Umsetzungen wie diese im Kontext einer (jugend)kulturellen Geschichtsverarbeitung diskutiert und bewertet werden? Handelt es sich um eine makabre Banalisierung des Bösen oder um ein »spielbares Mahnmal menschlicher Hybris«? (Felix Knoke) Darüber sprechen Robert Glashüttner, Felix Knoke und Fabian Grossekemper. Knoke, Journalist und Soziologe, schreibt u.a. für Spiegel online, Deutschlandradio und De:Bug. Robert Glashüttner ist Redakteur bei Radio FM4 (ORF) und Experte für Videospielkultur. Der Zürcher Soziologe und Historiker Fabian Grossekemper wird in das Spiel einführen und eine Spielsequenz präsentieren.

 

Die Moderation übernimmt Dr. Franz Leithold, Leiter des Medienzentrums der Universitätsbibliothek Freiburg und Fachreferent für Slawistik. In Kooperation mit dem Kommunalen Kino Freiburg.

 

 


20.00 Uhr – 21.30 Uhr ** Chronik der Zukunft

Swetlana Alexijewitsch (Belarus), Juri Andruchowytsch (UA), Rebecca Harms (D) und Harald Welzer (D)

 

Gespräch

 

»Tschernobyl hat gerade erst begonnen« und »ich staune immer wieder, das Tschernobyl bis heute nicht als neue Weltsicht begriffen wird«, postuliert die belorussische Autorin Swetlana Alexijewitsch. Sie hat mit ihrem Buch »Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft« eines der zentralen Werke zum Thema verfasst. Im Gespräch mit Juri Andruchowytsch, Rebecca Harms, Harald Welzer und Alexijewitsch werden mögliche Erklärungen für die bisher überraschende literarisch-intellektuelle Zurückhaltung dem Thema gegenüber gesucht. Juri Andruchowytsch, ukrainischer Schriftsteller, bereits vielfach ausgezeichnet und international übersetzt, hat jüngst einen Essay über Tschernobyl mit dem Titel »Der Stern Absinth« verfasst. Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, wird das Podium um ihre Expertise ergänzen. Harald Welzer, Professor für Kulturwissenschaft, nimmt in seinen interdisziplinären Forschungen zu KlimaKultur auch Katastrophenerinnerungen in den Blick, die nicht ohne den kulturellen Referenzrahmen zu verstehen sind, wenn es darum geht, wie sich Gesellschaften erinnern.

 

Die Moderation übernimmt Insa Wilke, Journalistin und Programmleiterin des Literaturhauses Köln. Dolmetscherin: Kateryna Stetsevych, Kulturmanagerin, Berlin.

 


Das Symposium ist Teil des Projekts "expeditionen. 25 Jahre Tschernobyl", das mit der Ausstellung "Die Straße der Enthusiasten" im Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft eröffnet und mit der Filmreihe "Prypjat - Das Unbehagen an der Moderne" des Kommunalen Kinos fortgesetzt wird.

 

www.morat-institut.de

 


Eintritt pro Panel: 6/4 €, Tageskarte: 14/10 €

Kartenvorbestellung unter info@literaturbuero-freiburg.de oder 0761/ 28 99 89

 


Eine Veranstaltung von:

Literaturbüro Freiburg

 

Kommunales Kino

www.koki-freiburg.de

 

Heinrich-Böll-Stiftung

www.boell.de

 

Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

www.boell-bw.de

 

In Kooperation mit:

EWS Schönau

www.ews-schoenau.de

 

Kulturamt der Stadt Freiburg

www.kulturamt.freiburg.de

 

Volksbank Freiburg

www.volksbank-freiburg.de

 

Europagruppe GRÜNE

www.gruene-europa.de/cms/default/rubrik/11/11185.htm


Weitere Veranstaltungen zum Thema

Freitag, 23.09.2011 | 20 Uhr

 

Merle Hilbk liest aus "Tschernobyl Baby"

Wie wir lernten, das Atom zu lieben

 

Merle Hilbk ist durch die verstrahlten Gebiete gereist bis hin zum Reaktor. In ihrer Reportage berichtet sie über ein Katastrophengebiet und seine vielen kulturellen Gesichter, über ihre Begegnung mit der jungen Mascha, die dort im Jahr der Katastrophe geboren wurde und erst jetzt begreift, woher sie kommt.

 

Nach ihrer Tätigkeit als Redakteurin für SPIEGEL und DIE ZEIT arbeitet Merle Hilbk als freie Journalistin in Russland und Osteuropa, sowie als Journalismusdozentin an der Hamburg Media School.

 

| Buchladen in der Rainhof Scheune, Kirchzarten Burg | Eintritt €7.- | Infos und Reservierung 07661-9880321 | www.buchladen-rainhof.de

 

 


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