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Badische Zeitung vom 29. November 2011

Im Zweite-Klasse-Abteil

 

Am Sonntagabend wurden in Freiburg die Siegerinnen des Schreibwettbewerbs "Stories" gekürt.

 

Von Heidi Ossenberg

 

Über ihre Texte sprechen mögen die meisten eher nicht, die ausgeleuchtete Bühne des Freiburger Vorderhauses ist vermutlich ein allzu ungewohntes Terrain für diese zehn jungen Damen. Moderator Felix Schiller will ihnen gerne die Scheu nehmen: "Sagt einfach: geht’s noch?, dann höre ich schon auf zu fragen!" Geht’s noch?! – so lautete auch das Motto des achten Schreibwettbewerbs "Stories" für Zwölf- bis Sechzehnjährige, das Vorderhaus, Literaturbüro, städtisches Kulturamt und SWR Studio Freiburg gemeinsam veranstalteten. Aus 80 Einsendungen, vorwiegend aus Südbaden, wählte eine Jury die zehn besten Geschichten aus. Am Sonntagabend wurden die Siegerinnen bei einer charmanten Überraschungsparty, die vier junge Musiker der Big Band des Freiburger Wentzinger Gymnasiums bereicherten, ausgezeichnet.

 

Das Motto regte die jungen Schreiberinnen – weniger als zehn Prozent der eingesandten Texte stammten von Jungs – zu ganz unterschiedlichen Stilformen an: Innere Monologe, Traumschilderungen, Gedichte oder Krimis bekam die Jury zu lesen. Heiteres war eher Mangelware, doch das sind die Verantwortlichen gewöhnt: "Das hängt mit dem Alter der Schreiberinnen zusammen; in der Pubertät lotet man Grenzen aus, ist widerborstig, rebellisch, kritisch – das spiegeln natürlich auch die Texte," weiß die Leiterin des Literaturbüros, Stefanie Stegmann. Recht häufig sei von Mobbing unter Schülern zu lesen gewesen – "das hat uns schon zu denken gegeben". Felix Schiller konstatiert trocken: "Dafür gab es weniger Vater- und Muttermorde oder Lehrertötungsphantasien als in früheren Jahren."

 

Gewaltexzesse sind auch für Adriana Fellner kein Thema. Die 16-jährige Schülerin des St. Ursula Gymnasiums in Freiburg hat den Wettbewerb mit einer Geschichte gewonnen, die die fiktive Begegnung zweier junger Erwachsener in einem Zug schildert. Fellner macht sich in dem sprachlich sehr ausgefeilten Text die Perspektive des jungen Mannes zu eigen, eines Verlegersohnes namens Jasper Merder aus dem Freiburger Stadtteil Merdern(!). Dieser hinterfragt die Privilegien, die seine Herkunft und soziale Stellung mit sich bringen. So sitzt er in einem Zugabteil zweiter Klasse, obwohl er ein Erste-Klasse-Ticket besitzt.

 

Er trifft dort auf eine junge Erzieherin aus dem Stadtteil Stühlinger, die ihn innerhalb weniger Minuten durch ihre lebendige, erfrischend direkte und und verständnisvolle Art fasziniert. Adriana Fellners Text, von der Schauspielerin Sybille Denker vorgetragen, zeichnet sich durch eine sehr genaue und empathische Beobachtungsgabe aus und erhielt viel Beifall.

 

Den Siegertext finden Sie unter: mehr.bz/schreibwettbewerb


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