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Badische Zeitung vom 02. November 2011

Wo Klüngeln zum guten Ton gehört

 

VEREINT IM VEREIN: Seit 20 Jahren halten die "Freiburger Bücherfrauen" zusammen und machen auf Benachteiligungen aufmerksam.

 

Von Anja Bochtler

 

Im kleinen Zimmer neben der Galerie im Alten Wiehrebahnhof stapeln sich Gebäcktüten, daneben stehen Flaschen mit Sekt und Saft. Alles ist bereit für den Empfang, mit dem die "Freiburger Bücherfrauen" gleich ihr 20-jähriges Bestehen feiern werden. Doch erstmal kommt der Höhepunkt der Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Literaturbüro und der Buchhandlung Jos Fritz organisiert wurde: das Gespräch mit der Übersetzerin Karen Nölle und der Anglistin Claudia Duppé. Thema ist die neuseeländische Schriftstellerin Janet Frame.

Wenn Bücherfrauen feiern, liegt es nahe, dass im Mittelpunkt eine von ihnen steht – auch wenn sie nie ein Vereinsmitglied war: Janet Frame, die in Deutschland vor allem durch die Verfilmung ihrer Autobiografie "Ein Engel an meiner Tafel" bekannt wurde, war ihr ganzes Leben lang besessen vom Lesen und Schreiben.

 

2004 ist sie gestorben, drei Jahre später fand sich das Manuskript "Dem neuen Sommer entgegen", das Janet Frame während ihres Lebens zu persönlich fand, um es zu veröffentlichen. Karen Nölle hat es ins Deutsche übersetzt. Sie ist Mitglied der Bücherfrauen Schleswig-Holstein – denn das Netzwerk der Bücherfrauen gibt’s bundesweit, Vorbild für die erste Gründung 1990 waren die englischen "Women in Publishing". Zur Jubiläumsfeier der Freiburgerinnen sind neben Gisa Windhüvel, Kathleen Becker, Maria Möllenkamp, Beate Riess und anderen Bücherfrauen am Mittwochabend auch noch Helferinnen gekommen, die dafür sorgen, dass alles reibungslos klappt. Sabine Pauw gehört dazu, sie war mehrmals bei den monatlichen Stammtischen der Bücherfrauen und will ihnen beitreten. Sie ist eine begeisterte Leserin, wäre – da sie Hausfrau ist – aber eine ungewöhnliche Bücherfrau: denn hier tun sich Frauen zusammen, die beruflich mit Büchern zu tun haben, weil sie Lektorinnen, Buchhändlerinnen, Bibliothekarinnen, Übersetzerinnen oder Autorinnen sind.

 

Dass Freiburg fast von Anfang an im bundesweiten Netzwerk mitmischte, liegt an der Lektorin Cornelia Soltau. Sie zog von Frankfurt nach Emmendingen und setzte im benachbarten Freiburg 1991 um, was sie aus ihrer alten Heimat kannte. Mit Übersetzerinnen und Buchhändlerinnen gründete sie eine Gruppe, in der sich zunächst alle wechselseitig ihre Berufe vorstellten. Ein Ziel der Literaturfans war, das literarische Leben in ihrem Umfeld lebendiger zu machen. Später kam immer mehr gegenseitige Unterstützung dazu – zum Beispiel, wenn die Bücherfrauen, von denen viele freiberuflich arbeiten, nicht nur Erfahrungen austauschen, sondern auch Kontakte oder Aufträge weitergeben. "Klüngeln gehört bei uns zum guten Ton", bringt es Maria Möllenkamp, die Sprecherin der Freiburgerinnen, auf den Punkt.Und das ist dringend nötig, genau wie eine selbstbewusste Vertretung der eigenen Interessen. Das zeigt eine Studie des bundesweiten Bücherfrauen-Netzwerks, für die 1234 im Buchhandel und Verlagswesen arbeitende Menschen befragt wurden. Die Ergebnisse sind unter dem Titel "Mehr Wert. Arbeiten in der Buchbranche heute" 2010 im Ulrike-Helmer-Verlag erschienen.

 

Demnach verdienen Frauen in der Buchbranche nach wie vor deutlich schlechter als Männer, obwohl 80 Prozent der Beschäftigten Frauen sind. Die wenigen Männer besetzen gut bezahlte höhere Positionen, Frauen sind keineswegs weniger qualifiziert, verdienen aber deutlich weniger: Bei 35 Prozent liegt das Bruttoeinkommen unter 2000 Euro, bei 77 Prozent unter 3500 Euro.


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