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BADISCHE ZEITUNG VOM 16.02.2011

Das unsichtbare Lager. Ein "Audioweg" durch das KZ Gusen in der HörBar Freiburg

 

Gusen? Wer kennt das KZ Gusen? Es gab Gusen I, Gusen II und Gusen III: Vernichtung durch Arbeit war das Programm. Am Ende, wenige Tage vor der Kapitulation, sollten die Häftlinge von Gusen in die unterirdischen Stollenanlagen getrieben werden, wo das deutsche Reich unter dem Tarnnamen "Bergkristall" Düsenjäger der Firma Messerschmidt bauen ließ, und mit der Anlage zusammen zu Tode gesprengt werden. Dass Gusen, ein Nebenlager von Mauthausen, in dem mehr Menschen umkamen als im Stammlager, in die Erinnerung gebracht wurde, ist Christoph Mayer zu verdanken. Er wuchs in dem oberösterreichischen Ort auf, in dem nichts an die Verbrechen erinnert. Mayer befragte Zeitzeugen und schnitt aus deren Äußerungen den "Audioweg Gusen" zusammen.

 

Man kann diese sehr beeindruckende akustische Vergegenwärtigung der Geschichte nicht nur am Tatort nachvollziehen. Gemeinsam mit dem Autor hat der in Berlin und Freiburg lebende Autorenproduzent Andreas Hagelüken im Auftrag des Deutschlandfunks eine knapp achtzigminütige Radiofassung hergestellt, die im Juni 2009 urgesendet wurde. Nun ist sie, Beate Thill, der Kuratorin der Freiburger Reihe "HörBar" sei Dank, noch einmal in der Galerie im Freiburger Wiehrebahnhof zu hören: Und wenn man dachte, schon alles über das Dritte Reich zu wissen, wird man hier schmerzhaft eines Besseren belehrt.

 

Gusen muss die Hölle auf Erden gewesen sein. Die Bewohner des Ortes haben es gewusst, geahnt, gespürt. Sie müssen mit der mörderischen Vergangenheit ihrer Region fertig werden. Sie tun es auf unterschiedliche Weise: Sie wiegeln ab, reden klein, kommen vom Schrecken nicht los. Eine Zeitzeugin durfte ins Lager zum Zahnarzt. Was sie schildert, will man nicht glauben: Dass Säcke mit Kinderleben darin gegen Mauern geschlagen wurden, bis das Leben entwichen war. Eine andere gibt wieder, was ihre Tochter damals sagte: Das seien doch keine Menschen, diese Häftlinge. Keine Menschen.

 

Die Schauspielerin Jule Böwe beschreibt auf ihrem Gang am "unsichtbaren Lager" entlang, was man nicht mehr sehen kann. Das Stimmengemisch von Ortsansässigen (die man zum Teil schlecht versteht), ehemaligen SS-Leuten und Überlebenden wird durch keinen Kommentar gefiltert. Man bleibt mit der

Verstörung allein.

– Vorführung am 17. Februar um 20 Uhr im Alten Wiehrebahnhof Freiburg.

 

Bettina Schulte


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