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Badische Zeitung vom 26. Juni 2010

Ein Neubau für die Literatur

Pläne für ein Literaturhaus werden konkreter / Neues Gebäude soll ans Theater angebaut werden.

 

Die Idee, das Literaturbüro zu einem Literaturhaus auszubauen und dieses in größeren, repräsentativeren Räumen unterzubringen, nimmt konkrete Formen an. Nachdem verschiedene Standorte geprüft und für ungeeignet erklärt worden sind, tendiert die Stadtverwaltung nun sehr stark zu einem Neubau: Noch ist nichts spruchreif, aber im Rathaus favorisiert man einen architektonisch eigenständigen Anbau an das Stadttheater an der Sedanstraße. Über diese Idee wurde am Donnerstag im Kulturausschuss diskutiert.

Kulturamtsleiter Achim Könneke bezeichnete die Variante eines Neubaus gegenüber der Unibibliothek als "einmalige Chance". Für 2013 wird nach jetziger Planung die Eröffnung des Literaturhauses anvisiert. Alternative Standorte habe man in zentraler Lage nicht gefunden, so Könneke, die Standorte Haus Weingarten und Hotel Deutscher Kaiser wurden beide schon vor einer genaueren Prüfung wieder verworfen. Nun wird im Rathaus gerechnet, ob und wie die Lösung am Theater zu bezahlen ist. Zu möglichen Baukosten und Finanzierungsmodellen mochte sich von der Stadtverwaltung gegenüber dem Ausschuss niemand äußern.

Ins Gespräch kam die Variante, weil das Theater Pläne für einen Anbau für sein stark wachsendes Junges Theater in einer Nische an der Sedanstraße, die als Anlieferungszone dient, in Auftrag gegeben hatte. Der vom Jungen Theater genutzte Werkraum wäre dann für die Literaturinstititution frei geworden. Allerdings verwarf das Theater die Idee wieder, "weil das Raumprogramm, das das Theater brauchte, dort nicht unterzubringen war", so Könneke.

Nun soll das Literaturhaus in jener Baunische zwischen Theateralt- und -erweiterungsbau entstehen: architektonisch eigenständig und vom Theater klar abgegrenzt, mit einer Glasfassade zur Sedanstraße hin und eigenem Eingang und Aufzug. Die Anlieferungszone für Lastwagen bleibt den Plänen zufolge erhalten, darüber sind im ersten Stock Foyer und ein Veranstaltungsraum für 100 bis 120 Personen geplant, in einem zweiten Obergeschoss wäre Platz für Büros, Toiletten und einen Gruppenraum.

 

Im Neubau am Theater gäbe es doppelt so viele Plätze wie im Wiehrebahnhof

 

Derzeit ist das Literaturbüro in der Galerie des Alten Wiehrebahnhofs untergebracht, wo es Platz für 50 Besucher gibt; für größere Veranstaltungen muss es ins Kommunale Kino ausweichen. Für Literaturbüroleiterin Stefanie Stegmann wäre das neue Haus natürlich "eine echte Verbesserung". Für den Ausbau des Literaturbüros zu einem Literaturhaus hat die Stadt die Zuschüsse zuletzt deutlich erhöht: von 39 400 Euro (inklusive Mietzuschuss) im Jahr 2008 auf 54 400 Euro (2009) und 61 900 Euro (2010). Stegmann hofft, dass das Land mittelfristig mehr als die derzeitigen 9000 Euro pro Jahr beisteuert. Zum Vergleich: Das Literaturhaus Stuttgart wird vom Land jährlich mit 50 000 Euro gefördert.

 

Die Neubaupläne wurden vom Kulturausschuss begrüßt. Bedenken gab es jedoch, was die Beziehung des Literaturhauses zum Stadttheater betrifft. Stegmann will auf Kooperation setzen. Die Stadträte Hans Essmann (SPD), Ellen Breckwoldt (CDU) und Atai Keller (Unabhängige Listen) fürchteten, je nachdem, wer später einmal die Häuser leitet, eine Vereinnahmung des Literaturhauses durch den großen Nachbarn Theater, ebenso der sachkundige Bürger Hubertus Fehrenbacher (Theater im Marienbad). Sie forderten eine vollkommene Eigenständigkeit. Stegmann und Könneke versicherten, dass dies Voraussetzung sei. Das Theater steht dem Projekt positiv gegenüber, so Sprecherin Julia Kamperdick; Intendantin Barbara Mundel wollte gestern aber keine Stellungnahme abgeben.

 

Autor: Frank Zimmermann

 


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