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Badische Zeitung vom 15. September 2009

Ein literarisches Spiel

 

"Re-write! – Schreibe um!" Was zunächst wie eine Schulaufgabe klingt, ist das experimentelle Konzept eines neuen, internationalen Literaturfestivals in Freiburg. Szilvia Szarka, Stipendiatin der Robert-Bosch-Stiftung, hat das Zusammentreffen von jungen mittel- und osteuropäischen Autorinnen und Autoren initiiert. Im Vorfeld des Projekts des Literaturbüros Freiburg wählten sechs deutsche Schriftstellerinnen und Schriftsteller Wörter aus den Kurzgeschichten ihrer osteuropäischen Kollegen aus und fügten sie – übersetzt aus dem Ungarischen, Polnischen, Tschechischen, Ukrainischen und Russischen – zu neuen Gedichten wieder zusammen. Ganz neu ist dieses literarische Spiel nicht. Es basiert auf dem altgriechischen "cento": Ein Flickengedicht, das aus unterschiedlichen Textpartikeln oder Zitaten geformt wurde.

 

Im Rahmen des zweitägigen Literaturfestivals, das am Freitag im Alten Wiehrebahnhof beginnt, sind auch Podiumsgespräche geplant, in denen sich die Autoren und Autorinnen über ihr Schaffen und über die aktuelle literarische Szene der jeweiligen Länder austauschen. Im Zentrum steht ein Lesemarathon, während dessen alle zwölf Beteiligten ihre Texte präsentieren. Szarkas Pläne gehen aber weit über das bloße Vortragen hinaus. "Im Internet werden die Gedichte auf jeden Fall veröffentlicht", sagt Szarka. Sie bemüht sich parallel dazu aber immer noch, Zeitschriften als Partner zu gewinnen, die die Werke der Literaten abdrucken. "Bei der Autorenauswahl waren deren Erfahrungen mit experimentellem Schreiben ein großer Faktor", erläutert sie weiterhin. Die sechs Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Mittel- und Osteuropa gehören zu den bekanntesten literarischen Stimmen ihrer Heimatländer und sind durch vielbesprochene Übersetzungen – jüngst von Valžyna Mort und Taras Prochasko – auch dem deutschen Publikum bekannt. Mort experimentiert beispielsweise mit den Formen Kinderlied, Oper und Agitprop- Gedicht und erweckt mit ihrer Lyrik surrealistische Assoziationen. Sie wurde jüngst mit dem slowenischen "Crystal Vilenica"-Preis und dem Hubert-Burda- Preis für osteuropäische Lyrik ausgezeichnet. Auch Krisztián Grecsó gehört zu den Delegierten der ost- und mitteleuropäischen Ländern. 2001 erschien sein Band mit Erzählungen "Pletykaanyu" ("Klatschmama"), der ihn in Ungarn schlagartig bekannt machte.

 

Die Riege der deutschen Schriftsteller besteht unter anderem aus Martin Gülich, Kathrin Röggla, Sudabeh Mohafez und Ralf Schlatter. Röggla ist nicht nur in der literarischen Szene heimisch, 2008 wurde ihr Drama "worst case" am Theater Freiburg uraufgeführt, vergangene Saison zeigte das Düsseldorfer Schauspielhaus "Die Beteiligten", eine medienkritische Dramatisierung der Ereignisse um das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch. Den Charme dieser experimentellen Form des Literaturfestivals macht nicht zuletzt auch die ungewöhnliche und internationale Autorenmischung aus.

 

Termine: Das Festival wird am Freitag um 20 Uhr mit einem – Podiumsgespräch eröffnet. Am Samstag (17 bis 20 Uhr) folgt der Lesemarathon. Weitere Podiumsgespräche am Samstag um 20 Uhr und Sonntag um 11 Uhr.

 

Autorin: Hannah Hör


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