"Kalliope" öffnet sich allen Künsten
Zunächst einmal ist diese Zeitschrift ein Genuss für Augen und Hände: Ein Kunstwerk schmückt jedes Titelblatt, das Heft in seinem festen Papier schmiegt sich in die Hand. Und innen tun sich dann dem Geist ganz neue Welten auf: Lyrik junger deutscher Autorinnen und Autoren, Kurzgeschichten, Essays, dazwischen ein Gedicht von Durs Grünbein, Rafik Schamis amüsante Gedanken zu den Deutschen und ihrem Nudelsalat. Grafiken, Zeichnungen, Drucke wiederum junger Künstler untermalen, begleiten die Texte.
Claudia Weise und Ahmad Milad Karimi schreiben schon lange eigene literarische Texte. Und die Idee einer Literaturzeitschrift, die jungen Autoren ein Forum bietet, hatten beide auch schon zuvor – unabhängig voneinander. Beide entwickelten Konzepte, Layouts und scheiterten zunächst. Dann taten sie sich in Freiburg zusammen – und heraus kam "Kalliope – Zeitschrift für Literatur und Kunst", vor gut einem Jahr erschien das erste Heft im Bernstein-Verlag.
Nach der ältesten der Musen, die für die epische Dichtung steht, haben die jungen Literaten ihre Zeitschrift benannt. Aber nicht nur der einen Textform steht "Kalliope" offen und auch nicht nur einer Kunst: Neben der Literatur widmen sich die Texte der Musik, dem Film und der bildenden Kunst. Junge Autoren veröffentlichen Texte zu Werken alter Meister, vor allem aber anspruchsvolle eigene Literatur – honorarfrei. Den Herausgebern gelingt es auch, etablierte Schriftsteller zur Mitarbeit einzuladen: Durs Grünbein, Ron Winkler oder eben Rafik Schami. Erfahrene und junge Schreiber werden vereint, alte und junge Künste, vergangene und gegenwärtige Zeiten.
Die Herausgeber sind so jung wie die meisten ihrer Autoren. Claudia Weise, Jahrgang 1980, lebt mit Ende zwanzig als Ärztin in Freiburg, absolvierte ein Doppelstudium in Germanistik, Philosophie und Medizin. Sie schreibt Gedichte und veröffentlichte einen "Dichter-und-Denker-Stadtplan" für Freiburg. Ahmad Milad Karimi, 1979 in Kabul geboren, studierte in Freiburg Philosophie und Islamwissenschaften und promoviert derzeit im Fach Philosophie. Er veröffentlichte bereits zwei Gedichtbände, zeichnet und arbeitet derzeit an einigen Übersetzungen aus der islamischen Geisteswelt.
Diese vielfältigen Beschäftigungen sind es auch, die dazu führen, dass die Zeitschrift nicht mehr so viel Zeit einnehmen kann: 2008 brachten Weise und Karimi vier Ausgaben heraus, ab diesem Jahr erscheint "Kalliope" nur noch halbjährlich. Dafür wird vermutlich ein Sonderheft publiziert: eine themengebundene Ausgabe zu Exilliteratur.
Von Silke Kohlmann
– Die beiden Herausgeber stellen ihre Zeitschrift am Montag, 11. Mai, erstmals öffentlich vor und präsentieren in Lesungen und Projektionen ausgewählte Autoren, bildende Künstler und deren Werke. 20 Uhr, Galerie im Alten Wiehrebahnhof, Freiburg.

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