Eine Bühne für hiesige Autoren
Ein Podium für in Freiburg lebende Autoren – lange haben Literaturschaffende und -interessierte darum gerungen. Als 1987 die Literaturgespräche starteten, erhofften sich viele davon auch eine Bühne für regionale Literatinnen und Literaten. Nationale und internationale Autoren kommen seither im November zu Lesungen ins Neue Rathaus, nicht aber die hier heimischen.
Ihnen ist das Literatur Forum Südwest – zunächst auch als Gegenveranstaltung zu den Literaturgesprächen gegründet – seit vielen Jahren Anlaufstelle. Nun erhalten die Freiburger Schriftsteller und Übersetzer eine größere Bühne: Im Freiburger Andruck, einer Veranstaltungsreihe zu der sich sechs lokale Literaturveranstalter zusammengeschlossen haben – Badische Zeitung, Kulturamt, Literaturbüro, Stadtbibliothek, Theater und SWR Studio Freiburg.
Vier bis sechs Lesungen mit anschließendem Gespräch finden im Lauf eines Jahres statt. Kommende Woche, am 22. April, macht Christoph Meckel mit seinem neuesten Buch "Wohl denen die gelebt" den Anfang. Erinnerungen an Marie Luise Kaschnitz hat er in dem Bändchen skizziert. Meckel, nicht nur Lyriker und Erzähler, sondern auch Zeichner und Maler, verbrachte Kindheit und Jugend in Freiburg. Seine Erinnerungen an Kaschnitz schrieb er, als er im Winter 2008 einige Wochen auf einem Schwarzwaldhof nahe Bollschweil lebte – Bollschweil, auch Kaschnitz’ Heimat. Literaturkritiker Hartmut Buchholz wird Meckels Lesung im Winterer-Foyer einleiten und ein anschließendes Gespräch mit dem Schriftsteller moderieren.
Dem Buch "Making Woodstock" ist der zweite Abend gewidmet. Die Organisatoren und Geldgeber Joel Rosenman, John Roberts und Robert Pilpel haben die Geschichte des legendären Festivals niedergeschrieben. Adelheid Zöfel, Freiburger Übersetzerin, hat es aus dem Amerikanischen übertragen. Gemeinsam mit Klaus Theweleit und Manfred Poser wird sie daraus vorlesen – am 2. Juli im Alten Wiehrebahnhof.
Seinen neuen Roman "Septemberleuchten" wird Martin Gülich am 24. September beim Freiburger Andruck vorstellen. Gülich, zunächst Ingenieur bevor er sich zu einer Existenz als freier Schriftsteller entschloss, hat sich zuletzt mit seinen Romanen "Später Schnee" und "Die Umarmung" als Spezialist für liebenswerte Außenseiter bewiesen. Er liest am 24. September im BZ-Haus, Kulturredakteurin Bettina Schulte wird den Abend moderieren.
Mit Philosophinnen – unter anderen Simone de Beauvoir – und Dramatikerinnen hat sich Ingeborg Gleichauf in ihren bisherigen Büchern beschäftigt. In der Reihe Freiburger Andruck wird sie am 14. Oktober ihre "Heimatkunde Schwarzwald" vorstellen – diesmal im SWR-Studio.
– Die erste Veranstaltung in der Reihe Freiburger Andruck mit Christoph Meckel findet am Mittwoch, 22. April, um 20 Uhr im Winterer-Foyer des Freiburger Theaters statt.
Von Silke Kohlmann

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