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Badische Zeitung vom 11. März 2009

ROMAN: Ich ist ein anderer

 

Eine tote Tante, ein verschollener Freund und Klassenkameraden. Immer wieder diese Klassenkameraden. Ein Reiseroman. Aber das Reiseziel Antwerpen erreicht die Protagonistin nie. Vermutlich will sie auch gar nicht dorthin – schließlich beginnt das Buch mit der Suche nach Vorwänden, etwas nicht tun zu müssen. Was aber will sie dann? Wer beim Lesen von Almut Tina Schmidts erstem Roman "In Wirklichkeit" diese Frage stellt, ist auf verlorenem Posten. Wer gerne Geschichten liest, in denen es eine überschaubare Zahl an handelnden Charakteren gibt, Geschichten in denen es überhaupt eine Handlung gibt, die erkennbar nach vorn getrieben wird, der wird mit diesem schmalen Band kaum glücklich werden. Spaß hat vielleicht, wem solcherlei Erwartungen fremd sind, wer einen experimentellen Text goutiert, der eher episodenhaft aneinander gereihte, bisweilen komische, immer skurrile Beobachtungen in einen Zusammenhang zwingt. Herauszulesen ist die manchmal verstörende Suche einer vermutlich Endzwanzigerin nach Identität und funktionierender Kommunikation, vielleicht sogar nach Glück oder Heimat. Sind ihre Versuche repräsentativ für ihre Generation? Sich finden und sich verlieren, sich rechtfertigen für Erfolg und für das Scheitern, das scheint der 1971 geborenen Almut Tina Schmidt ein Hauptanliegen zu sein. Das T-Shirt ihrer Protagonistin mit der Aufschrift "Ich ist ein anderer" spricht Bände.

Almut Tina Schmidt: In Wirklichkeit. Roman. Droschl Verlag, Graz, Wien 2008. 167 Seiten. 19 Euro.

Lesung: Heute, Mittwoch, 18 Uhr, Alter Wiehrebahnhof, Urachstraße 40, Freiburg.

 

Von Heidi Ossenberg

 


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