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Badische Zeitung vom 04. März 2009

"Im Fahrstuhl zwischen Himmel und Erde"

 

Fünf Menschen, ein Fahrstuhl, zwei Morde: In "Die Angst hat keine Augen" überschlagen sich die Ereignisse. Morgen Abend wird das erste Hörspiel der in Freiburg lebenden Autorin Roswitha Quadflieg uraufgeführt. Dann erfahren die Zuhörer was passieren kann, wenn fünf Menschen in einem Fahrstuhl stecken bleiben und gezwungen sind, sich miteinander zu arrangieren. Gina Kutkat hat sich mit Roswitha Quadflieg über ihr Hörspiel unterhalten.

 

BZ: Warum spielt Ihr Stück im Fahrstuhl?

Roswitha Quadflieg: Der Fahrstuhl ist ein Ort, der sich gut eignet, um die Unberechenbarkeit und die Verletzlichkeit des Menschen zu zeigen. Der Raum ist eng, man tritt den anderen auf die Füße – auch seelisch.

BZ: Wie kamen Sie auf die Idee?

Quadflieg: Man hat anfangs eine bestimmte Situation oder Figur im Kopf, die man befragen möchte. In diesem Fall eben fünf Leute, die in einem Fahrstuhl gefangen sind. Unter Menschen, die sich nicht kennen, entsteht eine besondere Situation. Die Spannung und das Wagnis, nicht zu wissen, wohin das Ganze eigentlich geht, habe ich auch im Schreibprozess gespürt.

BZ: Sie wussten also nicht von Anfang an, wie die Geschichte enden wird?

Quadflieg: Ich habe angefangen zu schreiben und mir gedacht: "Mal gucken, wo die eigentlich landen." Ich habe den Raum für diese Leute hergestellt und sie darin leben lassen. Und dann ist einiges passiert! Wie das so ist unter Menschen, die sich plötzlich ihrer selbst nicht mehr sicher sind. Im Fahrstuhl schwebt man irgendwo zwischen Himmel und Erde und dann bleibt man auch noch stecken. Man kommt nicht an, weiß nicht, was passiert. Jeder hat ein eigenes Repertoire an Erfahrungen, Ängsten und Aggressionen im Gepäck. Dieses Repertoire kommt in solch einer Konstellation zum Vorschein.

BZ: Was ist das Besondere daran, ein Hörspiel zu schreiben?

Quadflieg: Das Schreiben eines Hörspiels verlangt eine ganz eigene Technik. Hören funktioniert eben anders als Lesen. Das war auch die Herausforderung für mich. Der Schreibprozess war wie ein Abtasten, ich musste schauen, wie ich vorankomme und wie das Ganze funktioniert. Beim Schreiben gibt es immer ein Auf und Ab – das war auch diesmal so.

BZ: Wer war für die Produktion verantwortlich?

Quadflieg: Ich habe mit dem Regisseur Ulrich Lampen zusammengearbeitet, einem alten Hasen, was das Hörspiel angeht. Eine wunderbare Zusammenarbeit. Wir haben das Textbuch zusammen entwickelt, das Hörspiel hat er dann alleine produziert. Es ist üblich, dass die Produktion ohne den Autor stattfindet.

BZ: Haben Sie Ihr Hörspiel schon gehört?

Quadflieg: Nein. Ich höre das Hörspiel morgen auch zum ersten Mal und bin wahnsinnig gespannt darauf. Es ist also in jeder Beziehung eine große Überraschung.

 

Von Gina Kutkat


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