Rouven Eble setzt ein Ausrufezeichen!
14-jähriger Hauptschüler aus Gengenbach überrascht bei südbadischem Schreibwettbewerb in Freiburg
»Ich schlag’ nicht mehr im selben Takt« – So hieß der sechste Schreibwettbewerb für Zwölf- bis 16-Jährige im Zuge der Freiburger Jugendliteraturtage. 110 Schüler reichten Beiträge ein, darunter ganz wenige Hauptschüler, wie Rouven Eble. Und der 14-jährige Gengenbacher stand bei der Prämierung als fünfter Preisträger auf großer Bühne.
Im Freiburger Vorderhaus »Kultur in der Fabrik« hatte der Gengenbacher Rouven Eble, 14 Jahre jung, ein besonderes Erlebnis. Er durfte sich ein Bündel Bücher mitsamt Urkunde abholen, mit denen seine Kurzgeschichte »Aus dem Takt gefallen« ausgezeichnet wurde. Die Jury hatte diese Geschichte auf Platz fünf gesetzt. Unter 110 Einsendungen von Zwölf- bis 16-Jährigen aus Südbaden, die beim sechsten Freiburger Schreibwettbewerb – diesmal unter dem Motto »Ich schlag' nicht mehr im selben Takt!« – mitgemacht hatten. Für diesen Bestandteil von »Stories – Jugendliteraturtage Freiburg« kooperieren die »Kultur in der Fabrik«, das SWR-Studio, das Kulturamt der Stadt und das Literaturbüro Freiburg.
Das Spektrum der Texte reichte vom Wunsch, anders zu sein, über Mobbing-Erfahrungen in der Schule, tragische Unfälle, die das Leben aus dem Takt geraten lassen, bis zu Liebesgeschichten. Als bemerkenswert stufte die Jury Rouven Ebles »sprachliche Verdichtung« ein. Bemerkenswert sei zudem die Teilnahme eines Hauptschülers, da hauptsächlich Gymnasialklassen einsenden. »Hauptschüler sind nur sehr selten dabei«, erklärt Stefanie Stegmann, die das Literaturbüro leitet. Umso erfreulicher sei, dass Rouven Eble einen solch guten Text eingereicht habe.
Entsprechend stolz, ein Ausrufezeichen gesetzt zu haben, ist nicht nur der Autor, der bei den C-Junioren des SSV Schwaibach leidenschaftlich gerne Fußball spielt. Sondern auch seine Klasse 8a der Ziegelwaldschule, Deutsch-Lehrerin Johanna Laier, die ihr Referendariat absolviert, und Rektor Martin Teufel. »Deutsch ist nicht mein Lieblingsfach«, gesteht Rouven Eble lächelnd, »eher Mathe«. Was mit dem Berufswunsch des 14-Jährigen zu tun hat. »Etwas Technisches soll es mal sein«, so der Gengenbacher, der später in eine weiterführende Schule gehen möchte. »Rouven ist sprachlich sehr begabt«, lobt Johanna Laier, die ihre 8a auf den letzten Drücker und in vier Unterrichtseinheiten auf den Wettbewerb vorbereitet hatte und Rouvens Text sofort als wettbewerbsfähig einstufte. »Ich habe mir so meine Gedanken gemacht und einfach losgeschrieben«, sagt er locker. »Ein Naturtalent, das angenehmen Sinn für Humor mitbringt«, so Martin Teufel, der sich auch über die Außenwirkung dieses Preises freut, der gut fürs Image der Hauptschule generell sei.
Rouven Eble wiederum staunte in Freiburg, als sein Text von der Lyrikgruppe des Deutschen Seminars der Uni Freiburg vor großem Publikum als Teil einer Textkollage auf der Bühne vorgetragen wurde.
Am nächsten Sonntagabend liest er ab 18 Uhr zusammen mit Klassenkameraden in Gengenbachs Klinik selbst vor – für Verwandte, Patienten und alle, die sich für diese Kurzgeschichten aus der Hauptschule interessieren.
Rouven Ebles Kurzgeschichte "Aus dem Takt gefallen":
Einst war ich einer von vielen. Einer mit vielen anderen, die genau gleich aussahen wie ich. Wir lagen alle in dieser dunklen Schublade in der Garage. Eines Tages wurden wir aus der Schublade geholt, um verbraucht zu werden. Für eine Kinderwiege. Wir sollten mit unseren stählernen Körpern die einzelnen Bretter zusammenhalten. Alle meine Freunde wurden sauber und gerade in das Holz geschlagen. Nun war ich an der Reihe. Der Mann holte aus und schlug mich mit harten Schlägen in das Holz. Auf einmal kam ein schiefer Schlag, dieser hatte mich total verbogen. Und nun war ich in diesem Kinderzimmer, als Einziger hing ich schief drin.
Es war schrecklich. Oder das Kind, es könnte sich jederzeit an mir verletzen. Ich war ein Einzelner. Alle anderen Nägel waren gerade, und ich war schief und nicht einmal richtig drin. Ich war ein Niemand.
Ich wollte meine Vorteile finden und nutzen. Zuerst fielen mir keine ein, doch dann dieser eine Vorteil. Ich war nicht wie die Anderen. Ich war einzigartig.
Von Marc Faltin 
|