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Badische Zeitung vom 14. JANUAR 2009


Zeitung gemacht, noch bevor er lesen konnte

 

ESCHBACH. Jedes Jahr veranstaltet das Freiburger Literaturbüro einen Schreibwettbewerb für Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren. Der 16-jährige Anselm Küsters aus Eschbach hat mit seiner Kurzgeschichte "Unschuldige Schuldige und schuldige Unschuldige" die Jury überzeugt. Geschrieben hat er bis dahin eigentlich eher für den Hausgebrauch – Geschichten für den Bruder und die Eltern. Zum Thema "Ich schlag nicht mehr im selben Takt" verfasste er einen vierseitigen Text und landete auf dem ersten Platz.

 

"Es gab eigentlich nur positive Reaktionen, alle haben sich gefreut, dass ich gewonnen habe", sagt der Sechzehnjährige, der die elfte Klasse des Faust-Gymnasiums Staufen besucht.

 

Vom Wettbewerb erfahren hat Anselm, als er auf der Suche nach einem möglichen Praktikumsplatz im Internet surfte. Das Praktikum sollte mit Literatur und Schreiben zu tun haben, und so landete Anselm auf der Seite des Literaturbüros. Er entdeckte den Wettbewerb, machte kurzerhand mit und vergaß die eigene Teilnahme. Bis dann plötzlich ein Brief des Literaturbüros kam. "Über den Brief hab ich mich am allermeisten gefreut. Da habe ich erfahren, dass ich unter den ersten zehn bin und zur Preisverleihung geladen wurde. Ich hab mich sehr gefreut, dass ich auf jeden Fall den zehnten Platz habe", so Anselm. Erst bei der Veranstaltung des Literaturbüros erfuhr er, dass er den ersten Platz erreichte. "Als ich anfing zu schreiben, wusste ich das Ende noch nicht – ich hab dann einfach weiter geschrieben", sagt Anselm. Drei, vier Tage hat sich Anselm Zeit genommen, um über die Figuren und die Handlung nachzudenken. Nach weiteren drei Nachmittagen, zwei zum Schreiben, einer zum Überarbeiten, war die Kurzgeschichte auf dem Papier und Anselm reichte sie ein. "Ich überarbeite meine Texte nicht so gern. Am Schluss versuche ich mir immer vorzustellen, wie es für jemanden ist, der die Geschichte zu ersten Mal liest, ob es flüssig ist", so Anselm.

 

Schon sehr früh zeigte er ein großes Interesse an geschriebenen Texten aller Art. "Anselm hat schon Zeitung gemacht, da konnte er noch nicht mal schreiben, mit Bilderkästchen und Schlangenlinien als Text", sagt Anselms Vater, Ernst Küsters. Schon im Alter von vier Jahren malte Anselm eine Badische Zeitung mit Comic, Sportteil und Wetterbericht. "Ich würde mich schon freuen, in der Zukunft etwas mit Literatur zu machen", sagt Anselm. Mit dem ersten Platz erhält der 16-Jährige die Möglichkeit, in der Schreibwerkstatt des Literaturbüros mitzumachen. Denn dieses verleiht nicht nur Urkunden, sondern bietet den Jungautoren, die unter die ersten zehn kamen, eine gezielte Förderung.

 

"Ich schreibe schon sehr gerne. Früher hab ich immer für meinen Bruder Geschichten erfunden", so Anselm. Richy war die Lieblingsfigur des Bruders aus der Pokémon-Serie. Allerdings war Richy nur eine Nebenfigur. Zum Geburtstag des zwei Jahre jüngeren Bruders rückte Anselm die Lieblingsfigur in selbst erfundenen Geschichten in den Mittelpunkt. Die erste Geschichte für den Bruder schrieb er mit zehn, sie umfasste acht Seiten. Im Jahr darauf kam Anselm dann schon auf 38 Seiten, bis er mit 13 Jahren ein 200-seitiges Buch für den Bruder schrieb. Als dann im Fach Deutsch in der Schule die Aufgabe gestellt wurde, ein Buch zu präsentieren, durfte Anselm sein eigenes Werk vorstellen. "Bevor ich schreiben wollte, hab ich gemalt. Früher hab ich das viel mehr gemacht – zum Beispiel bei den Büchern, die ich für meinen Bruder geschrieben hab", sagt Anselm.

 

Vor kurzem schenkte er seinen Eltern zum Geburtstag ein selbst geschriebenes Theaterstück. Das 70-seitige Stück verfasste er in Jamben, einem Versmaß, bei dem auf eine unbetonte Silbe eine betonte folgt. In einer Art Vorwort, bei dem er sich an die Eltern wendet, schreibt der 16-Jährige reflektiert, das Stück sei eine "Art Prozess, in dem sich langsam ein annehmbarer Schreibstil herausbildet."

 

Anselm schreibt nicht nur gern, auch Lesen zählt zu seinen Hobbys, neben Fußball, Musik, Klavierspielen und natürlich Freunde treffen. "Ich hab immer viel gelesen – von Michael Ende über Harry Potter bis Cornelia Funke", sagt der Fan vom Freiburger Sportclub und Bayern München. Sein früheres Lieblingsbuch war "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende. Heute liest er gerne Bücher wie Walter Moers "Die Stadt der träumenden Bücher". "In diesem Buch macht Moers viele Anspielungen auf andere Bücher, das gefällt mir".

 

von: Denise Beil


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