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Badische Zeitung vom 11. November 2008

Gedichte schreiben ist ein Luxus

 

Ein Buchmarkt jenseits der Medieninszenierung – eine Utopie?

 

"Schreibwaren" – unter diesem Thema stand die Abschlussdiskussion des Freiburger Literaturgesprächs im Schlossbergsaal des Freiburger SWR-Studios, die von den Autoren Annette Pehnt, Ulf Stolterfoht und Markus Orths sowie dem Lektor Thorsten Ahrend unter der Leitung des Basler Literaturkritikers Martin Zingg bestritten wurde. Gestritten wurde auf den Podium allerdings nicht viel. Obwohl es immerhin darum ging, wie der einzelne Schriftsteller auf einem von Mediengesetzen bestimmten Büchermarkt, der jährlich über 90 000 Neuerscheinungen produziert, zur Veröffentlichung gelangen, wahrgenommen werden und (finanziell) überleben kann.

 

Zwar hätte die Frage, wie Autoren sich zwischen dem Anspruch auf künstlerische Autonomie und den Gesetzen und Verführungen des Marktes positionieren, zu ebenso heftigen Wellenschlägen führen können wie die Diskussion über deutsche Gegenwartsliteratur vor zwei Jahren, die in eine erbitterte Auseinandersetzung über Kriterien für gute Texte mündete. Doch zeichnete rasch ab, dass die drei anwesenden Autoren (inzwischen) ihr je eigenes Arrangement zwischen diesen Polen gefunden haben und auch mit der Mischung aus Brotberuf, Buch- und Lesungshonoraren sowie Preisen und Stipendien weitgehend zufrieden sind: Mischverhältnissen, die freilich weder stabil noch als Modell geeignet sind und für viele Autoren allenfalls das Licht am Horizont sind – keineswegs Realität.

 

"Meine einzige Sicherheit ist die Unsicherheit", formulierte der Lyriker Stolterfoht denn auch lapidar. Dass er beim Schreiben nicht auf den Markt schauen müsse, weil Gedichte eh keinen Marktwert hätten, beschrieb er letztlich sogar als Luxus – und brachte damit das Dilemma seiner Kollegen auf den Punkt. Denn bei aller Distanz gegenüber Veröffentlichungsdruck, Selbstvermarktung, manchen Stipendien oder Ehrungen wie dem Deutschen Buchpreis – der die vielfältigen Texte eines Jahres auf einen umjubelten Hit reduziert – kann sich doch kein Prosaautor diesen Instanzen und Wahrnehmungsrastern entziehen.

 

Von den 600 Exemplaren des ersten Buchs von Herrmann Hesse, erzählte Thorsten Ahrend, seien im ersten Jahr vierundfünfzig verkauft worden, vom zweiten Buch sogar noch ein Expemplar weniger. Heute unvorstellbar – dieses zweite Buch würde es nicht geben! Wenn ein Text sich nicht in den ersten Wochen und Monaten durchsetzt, verschwindet er von den Büchertischen und hat keine Chance, verzögert ins Bewusstsein der Leser zu gelangen. Angesichts solch bedrohlicher Entwicklungen stritten die Diskutanten weitgehend unisono, wenn auch mit unterschiedlicher Vehemenz dafür, sich nicht von Verkaufsziffern und Medieninszenierungen abhängig zu machen, sondern ihre je eigene künstlerische Motivation und Unabhängigkeit zu bewahren – nicht die Ware in den Blick zu nehmen, sondern einzig das Schreiben, Satz für Satz.


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