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Badische Zeitung vom Samstag, 11. Oktober 2008

Es darf ruhig ein bisschen mehr sein

 

Im Kulturhaushalt zeichnen sich kurz vor Beginn der Beratungen einige Zusatzausgaben ab / Kirchbach: "moderate Steigerung"

 

Von unserem Redakteur Thomas Jäger

 

 

Freiburgs Kulturpolitiker stehen vor schwierigen Entscheidungen: Wie viel soll und kann das Theater in den kommenden zwei Jahren sparen? Dürfen die beschlossenen Kürzungen bei den freien Kulturgruppen doch wieder aufgeweicht werden? In den nächsten Wochen werden die Stadträte über die Zukunft der Kulturförderung debattieren. Dabei sitzt einigen die Angst im Nacken, dass eine einbrechende Konjunktur die finanziellen Spielräume wieder zunichte macht.

 

Das gibt es auch nicht alle Tage: Die CDU macht einen Vorschlag für Zusatzausgaben in der Kultur. In einer Pressemitteilung macht sich die Fraktion dafür stark, in Freiburg ein "Literaturhaus" zu schaffen. Stefanie Stegmann vom bestehenden Literaturbüro des Vereins "Literaturforum Südwest" im Alten Wiehrebahnhof habe dazu ein überzeugendes Konzept vorgelegt, schwärmt Stadträtin Ursula Kuri, die damit bei der Haushalts-Klausurtagung ihrer Fraktion auch die Kollegen überzeugt hat. "Neben den hoch geförderten Kultursparten wie Schauspiel und Musik soll auch die Literatur in Freiburg eine adäquate Heimat finden" , sagt Kuri und denkt an frei werdende städtische Gebäude, etwa im Zuge der Museumsumbauten. Summen nennt die CDU noch nicht, doch es ist klar, dass es ein Literaturhaus nicht zum Nulltarif gibt. Im Verwaltungsentwurf für ein Freiburger Kulturkonzept, das am Mittwoch nicht-öffentlich im Kulturausschuss diskutiert werden wird, taucht das Literaturhaus bereits auf — verbunden mit dem Vorschlag, den Barzuschuss fürs Literaturforum von 34 000 auf 56 000 Euro zu erhöhen. Das widerspricht zwar der Vorgabe von 2006, bei den Zuschüssen für freie Kulturträger bis 2010 zehn Prozent zu kürzen, findet jedoch viel Zustimmung bei allen Fraktionen. "Über die genauen Summen müssen wir noch reden, aber wir haben den Konsolidierungskurs ja genau deswegen angefangen, um wieder Spielraum auch für Neues zu bekommen" , sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Maria Viethen. Zudem schlägt die Verwaltung vor, die Förderung für den Verein "Mehrklang" (Netzwerk für Neue Musik) auf 40 000 Euro zu erhöhen. 2008 gab es erstmals 28 000 Euro. Der Umbau der St.-Elisabeth-Kirche (Brühl-Beurbarung) zum Ensemblehaus für Freiburger Barockorchester und Ensemble Recherche soll mit 250 000 Euro gefördert werden.

 

Die Unabhängigen Listen hingegen kündigen einen Vorstoß an, die Kulturzuschüsse wegen gestiegener Personalkosten der freien Träger generell zu erhöhen, so ihr Vorsitzender Atai Keller: "Das wäre nur gerecht, weil es im Sozialbereich genauso gemacht wird." Die Mehrheitsfraktionen CDU, Grüne und Freie Wähler lehnen den Vorschlag nicht in Bausch und Bogen ab. Zumindest Einzelfallprüfungen — etwa beim Jugendtheater im Marienbad — seien möglich. Hans Lienhart (Freie Wähler) fürchtet allerdings, "dass die Diskussionen schnell wieder ganz anders laufen, wenn sich die Bankenkrise ganz konkret auf Freiburg auswirkt." Ähnliche Befürchtungen gibt es in anderen Fraktionen. Eine große Baustelle bleibt der Theater zuschuss: Weil die Vorschläge eines Theatergutachtens und die Stellungnahme der Theaterleitung meilenweit auseinander liegen, ist die Sitzung des Theaterausschusses zum Thema auf November verlegt worden.

 

Insgesamt, betont Kulturdezernent Ulrich von Kirchbach, werde der Kulturhaushalt von derzeit 26 Millionen Euro nur moderat steigen. Ein Großteil des Anstiegs um knapp 1,4 Millionen Euro werde durch geänderte interne Verrechnungen verursacht.


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