Ein Fisch, der Wünsche erfüllt
Hörspiel: Kai Grehn hat ein nie veröffentlichtes Drehbuch von Ingmar Bergman bearbeitet
Der Durchbruch als Regisseur war ihm noch nicht gelungen, zwei Ehen hatte der 32-jährige Ingmar Bergman schon hinter sich, Unterhalt für Frauen und Kinder galt es zu zahlen — das Geld dafür suchte er vor allem durch "Frisieren" fremder Drehbücher zu verdienen. Da — es war Spätherbst des Jahres 1950 — forderte ihn ein Produzent auf, "etwas Lustiges" zu schreiben. Mit den Worten "Du kannst doch lustig sein, wenn du dir nur Mühe gibst!" , wird dieser Produzent zitiert — Bergman gab sich Mühe und schrieb innerhalb einer Woche das Drehbuch "Fisch — Farce für den Film" . War die Geschichte dem Regisseur nicht lustig genug? Ein Film wurde jedenfalls nie daraus, doch dem in Berlin lebenden Regisseur, Autor und Übersetzer Kai Grehn ist es zu verdanken, dass dieses vergessene Manuskript zu einem überaus witzigen, geistreichen Hörspiel wurde, zu hören am Donnerstag in der Freiburger Reihe "Hörbar" .
Ingmar Bergman (Dieter Mann) moderiert das Hörspiel an: Er sei der Herausgeber des Tagebuchs von Joakim Naken, das dieser "Schöpfer kinematografischer Bilder" in den letzten Monaten des Jahres 1891 verfasste, lässt er uns wissen. Naken (Andreas Schmidt) hat ein ungewöhnliches Erlebnis: Er fängt einen sprechenden Fisch, der verspricht, Naken drei Wünsche zu erfüllen, falls dieser ihn wieder vom Haken lässt. Diese Begebenheit — und ihre Folgen — bilden den surreal-märchenhaften Rahmen des Hörspiels, das auf vielen Ebenen funktioniert. Ein fein komponierter Kinofilm mit absurdem Inhalt ist es, der dank der Kombination von Erzählung, Geräuschen und Musik im Kopf des Zuhörers entsteht. Die Tatsache, dass die von (Erzähler) Bergman geschaffene Figur selber Regisseur ist, lässt die Grenzen zwischen dem, was erzählt wird und dem, was imaginiert wird, durchlässig werden.
Hinter der Rahmenerzählung steckt — bei Bergman liegt das nicht fern — ein Ehedrama von absonderlichen Ausmaßen: Naken ist so fest davon überzeugt, dass seine Frau Anne ihn betrügt, dass er alles daran setzt, dies zu beweisen — auch, wenn er Anne durch sein Misstrauen erst in den Ehebruch treibt! Im Abspann ergreift Bergman noch einmal das Wort: "Wie ich mir einbilden konnte, dass normal geartete Produzenten an meinen Fisch anbeißen würden, ist mir ein Rätsel." Hörspielliebhaber dürfte Bergman dank Grehn aber leicht an die Angel bekommen!
Heidi Ossenberg
— Der Fisch — Farce für den Film. 84 Minuten. Hörbar am Donnerstag, 20 Uhr, Kommunales Kino Freiburg. 
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