Kontakt zwischen den Kulturen
BZ-Interview zur Lesereihe "Abenteurer und Entdecker"
Unter dem Titel "Abenteurer und Entdecker in der Gegenwartsliteratur" nimmt sich das Deutsche Seminar der Universität Freiburg mit Unterstützung des Literaturbüros und des Kulturamts der Stadt zeitgenössischer Texte an und stellt "Drei Gegenwartsautoren" in einer Lesereihe vor. Den Anfang macht Christof Hamann mit seinem Roman "Usambara" . Die Veranstaltung lehnt sich thematisch an Seminare des Deutschen Seminars an, geleitet von Sabina Becker und Christine Hummel. Mirjam Kappes unterhielt sich mit ihnen.
BZ:Wie entstand die Idee zur Lesereihe ?
Hummel: Die Idee lag nahe. Es gibt in der Gegenwartsliteratur eine Fülle von Texten, die sich mit Abenteuern und Entdeckern beschäftigen, unter anderem eben von Hamann, Trojanow, Kehlmann, Hoppe. Vorläufer gibt es natürlich auch. Das Thema liegt also ,auf der Straße’.
Becker:Es wurde konsequent der Wunsch von Studierenden vorgetragen, sich thematisch mehr der Gegenwartsliteratur anzunehmen. Unsere beiden Seminare greifen diesen Wunsch auf.
BZ:Wie läuft der Abend ab?
Hummel:Hamann bietet vielfältige Diskussionsansätze: Einerseits schneidet er historische Themen an wie Kolonialismus bzw. Postkolonialismus; wie gehen wir heute mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands um? Andererseits ist seine individuelle Erfahrung, wie er den Kilimandscharo selbst bestiegen hat, interessant, und wie diese Erfahrung in sein Werk eingeflossen ist.
BZ:Ist es für nicht-studierende Zuhörer nötig, die Werke zu kennen?
Becker: Ich könnte mir vorstellen, dass Zuhörer, die das Werk nicht kennen, während der Lesung bemerken, dass es ein spannendes Thema ist und sich dann den Roman kaufen.
Hummel: Christof Hamann ist ja auch Literaturwissenschaftler; er ist sehr darauf bedacht, wie er auf sein Publikum eingeht. Er ist Leser und Vermittler.
BZ: nwieweit ist es in der heutigen Gesellschaft noch möglich, Abenteurer und Entdecker zu sein?
Becker: Es ist auffällig, dass die Thematik immer wieder in der heutigen Literatur aufgegriffen wird. Wir leben in einer Welt der Globalisierung, in der die Fremd erfahrung wie im 18./19. Jahrhundert nicht mehr möglich ist. Es ergibt sich der Diskurs, bei dem die Blicke vertauscht werden: nicht durch die Augen des Kolonialherren, sondern aus der Sicht der Angehörigen der Kolonien wird erzählt.
Hummel: Es ist dieser neue Blick, der postkoloniale Blick, der sich um Austausch bemüht. Er führt uns vor Augen, wie absurd das Verhalten des Europäers sein kann. Durch den Diskurs wird ein dritter Raum geschaffen, in dem Kulturen in Kontakt treten.
— Heute, 20 Uhr, Alter Wiehrebahnhof, Freiburg, Christof Hamann: "Usambara"

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