"Unbedingt hörenswert"
Ticket-Interview: Projektleiterin Kathrin Hintsch zum Freiburger Literaturgespräch im Neuen Rathaus
Vom 8. bis 11. November findet im Neuen Rathaus das 21. Freiburger Literaturgespräch statt. 13 renommierte Autoren lesen aus ihren Büchern und stehen danach für Diskussionen mit Moderatoren und dem Publikum zur Verfügung. Organisiert wird diese "Tour de Literatur" vom Kulturamt. Mit der Projektleiterin Kathrin Hintsch sprach Ralf H. Dorweiler. 
Ticket: Wie kann man das Freiburger Literaturgespräch in knappen Worten beschreiben?
Kathrin Hintsch: Das Kulturamt der Stadt Freiburg lädt alljährlich am zweiten Novemberwochenende 13 nationale und internationale — zumeist deutschsprachige — Autoren nach Freiburg ein. Hier lesen sie von Donnerstagabend bis Sonntagmittag aus ihren Werken und können untereinander, mit den Moderatoren und auch mit dem Publikum diskutieren. Zusätzlich veranstaltet das Literaturbüro eine Schreibwerkstatt. Den Abschluss bildet am Sonntagvormittag ein Podiumsgespräch mit Teilnehmern und einer weiteren Moderatorin.
Ticket: Vergangenes Jahr fand mit dem 20. Literaturgespräch die erfolgreiche Jubiläumsveranstaltung statt. Glauben Sie, an den Erfolg anknüpfen zu können?
Hintsch: Das Literaturgespräch ist grundsätzlich eine erfolgreiche Veranstaltung. Wir haben über die Jahre ständig an Publikum gewonnen. Die Eröffnungslesung ist eines der herausragendsten Momente des Literaturgesprächs, zu dem immer sehr zahlreiches Publikum strömt. Im vergangenen Jahr las Martin Walser zur Eröffnung — wie schon 20 Jahre zuvor beim ersten Literaturgespräch — und wir mussten die Veranstaltung aus dem Ratssaal heraus in andere Räume des Rathauses verlegen. Wir gehen davon aus, auch jetzt wieder sehr viele Gäste begrüßen zu können.
Ticket: Wer wählt die Autoren denn aus?
Hintsch: Das Kulturamt zusammen mit den Moderatoren Helmut Böttiger, Thomas Geiger, Stefanie Stegmann, Annette Pehntz sowie Werner Witt vom SWR und Sabina Becker von der Universität.
Ticket: Wer wird das 21. Literaturgespräch eröffnen?
Hintsch: Die Eröffnungslesung hält Claudio Magris, der in diesem Jahr auch als möglicher Literaturnobelpreisträger gehandelt wurde. Er kommt aus Triest, ist Germanist, spricht hervorragend Deutsch und hat sein neues Buch "Blindlings" gerade veröffentlicht, das als sein bisher bestes Werk gilt. Er ist ein wunderbarer Erzähler, der sehr weite zeitliche Bögen spannen kann.
Ticket: Weitere Höhepunkte?
Hintsch: Wenn man die Namen der Autoren liest, mögen einem viele unbekannt sein. Umso interessanter ist es, neue Entdeckungen zu machen und möglichst wenig Lesungen zu versäumen. Ich freue mich auf Nora Iuga, die "Grande Dame" der Lyrik aus Bukarest. Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die wunderbare Gedichte schreibt. Neugierig bin ich auf Thomas von Steinaecker, der auf der Shortlist des diesjährigen Buchpreises war, oder den grandiosen Geschichtenerzähler Peter Kurzeck, der am Freitag den Kanon der Lesungen eröffnet.
Ticket: Die Lesungen finden im Ratssaal des Neuen Rathauses statt. Das ist ja ein eher sachlicher Raum. Ist das auch der richtige Ort für Literatur?
Hintsch: Das Literaturgespräch findet dort statt, weil es eine Veranstaltung der Stadt Freiburg ist und wir sichtbar machen wollen, dass es nicht unbedingt im Zentrum der Macht, aber doch im Zentrum der Öffentlichkeit angesiedelt ist. Wo sonst politische Diskussionen und Haushaltsdebatten geführt werden. Es ist wunderbar, wenn dort auch einmal im Jahr die Literatur zu Hause ist.
Ticket: Im April hat der Gemeinderat beschlossen, die Zuschüsse für das Literaturgespräch nicht zu kürzen . . .
Hintsch: Richtig. Die Zuschüsse sind nicht gekürzt worden, aber wir haben uns, weil die Ausgaben ständig steigen, entschließen müssen, moderate Eintrittspreise zu nehmen. Wir hoffen aber und sind überzeugt, dass die Interessenten auch weiterhin ihrem Literaturgespräch die Treue halten und die Lesungen der 13 Autoren besuchen.
Literaturgespräch
Die Lesungen finden im Ratssaal des Neuen Rathauses in Freiburg statt.
Donnerstag, 8. November
20.00 Uhr: Claudio Magris
Freitag, 9. November
10.00 Uhr: Peter Kurzeck
10.45 Uhr: Oxana Sabuschko
11.45 Uhr: Stefan Weidner
15.00 Uhr: Ernst-Wilhelm Händler
15.45 Uhr: Monika Rinck
16.45 Uhr: Thomas von Steinaecker
Samstag, 10. November
10.00 Uhr: Saaa Staniaic
10.45 Uhr: Petra Morsbach
11.45 Uhr: Nora Iuga
15.00 Uhr: Arnold Stadler
15.45 Uhr: Antje Rávic Strubel
16.45 Uhr: Ilija Trojanow
Weitere Veranstaltungen:
Freitag, 9. November
15.30 Uhr: "Jugend schreibt" Saaa Staniaic zu Gast in der Textwerkstatt des Literaturbüros Freiburg. Anmeldung: 0761/289989, Alter Wiehrebahnhof, Urachstr. 40, Freiburg.
Sonntag, 11. November
11.00 Uhr: "Nomaden der Schrift"
Podiumsgespräch mit Peter Kurzeck, Antje Rávic Strubel, Ilija Trojanow
Moderation: Julia Schröder, Schlossbergsaal des Südwestrundfunks, Kartäuserstraße 45, Freiburg.

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