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Badische Zeitung vom Samstag, 8. September 2007

Lyrik als Filter afrikanischer Realität

 

Weltweit — und auch in Freiburg — finden am Sonntag Lesungen gegen das Regime von Robert Mugabe in Simbabwe statt



Robert Mugabe


Claudia Duppé

Sie selbst hätte es lieber gesehen, wenn die ganze Aktion — "keine politische, sondern eine kulturelle Veranstaltung" — nicht unter dem etwas dröhnenden Titel "Robert Mugabe muss zurücktreten" angekündigt worden wäre, sondern etwa mit dem Etikett "Lesung für Simbabwe" , also als Aktion für etwas und nicht gegen jemanden. Claudia Duppé, Anglistin am Englischen Seminar der Freiburger Universität, hat die Veranstaltung mit organisiert. Federführend waren das Literaturbüro Freiburg und das Englische Seminar. Duppé gehört auch dem vierköpfigen Sprecherkollegium an (mit der Schauspielstudentin Ildiko Preszly und den Freiburger Schauspielern Peter Haug-Lamersdorf und Peter Willi Hermanns), das am Sonntagabend im Haus für Film und Literatur drei Autoren aus Simbabwe vorstellen wird.

 

Am 9. September wird es eine weltweite Lesung mit dem gleichen, von den Verlagen freigegebenem Textkorpus geben (von allen drei Autoren liegen Übersetzungen ins Deutsche vor), angelegt als Versuch, auf die kaum vorstellbaren Verheerungen in Simbabwe aufmerksam zu machen. Claudia Duppé, die sich unter anderem mit der englischsprachigen Literatur der früheren britischen Kolonien beschäftigt und also weiß, wovon sie spricht, hält diese strikt auf Lyrik beschränkte Anthologie für "eine sehr gute Auswahl" . Schon deshalb, weil es sich bei diesen Gedichten um "in sich abgeschlossene, sehr zugängliche Texte" handelt, die einen "direkten Zugang zur Lebenswelt der Menschen" vermitteln. Lyrik, hier also nicht als hermetische Sprachkunst präsentiert, sondern als Spiegel, als Filter afrikanischer Realität.

 

Gelesen werden — im englischen Original und in der deutschen Übersetzung — Textproben aus den Werken von Chenjerai Hove (Gründer des simbabwischen Schriftstellerverbandes), Chirikuré Chirikuré (1962 geboren, ein Lyriker, der in der Landessprache Shona und in Englisch veröffentlicht) und Dambudzo Marechara (der, als Romancier, vor allem mit "The house of hunger" auf sich aufmerksam gemacht hat). Wenn "die Leute sagen, die Texte haben sie berührt" , wenn es mit der Lesung gelingt, "die Menschen hinter der Figur Robert Mugabe sichtbar zu machen" , dann kann Claudia Duppé die Veranstaltung als Erfolg werten.

 

Mugabe, seit 1980 als Staatspräsident an der Macht, einst "ein Held des Befreiungskampfes" im britischen Rhodesien, heute als Diktator ein politisches Fossil, gehört inzwischen zu jenen afrikanischen Machthabern, die, realitätsblind und beratungsresistent, ihre Länder und, schlimmer noch, ihre Bevölkerungen erbarmungslos in Grund und Boden ruinieren.

 

Simbabwe, einst die Kornkammer im südlichen Afrika, ist heute ein Staat, vor dessen Realitäten die europäische Vorstellungskraft versagt: eine gesetzlose Zone, die Landeswährung im freien Fall, Inflationsraten um 7500 Prozent, etwa 80 Prozent Arbeitslose und Bitterarme, "die Grenzen zugezurrt" , die Bevölkerung in kollektiver Geiselhaft "verraten und verkauft" , dazu die paar Privilegierten einer hauchdünnen, märchenhaft reichen Elite aus Mugabe-Komplizen, politischen Anhängern und militärischen "Veteranen" , die, oft kaum 30 Jahre alt, die enteigneten weißen Landwirte beerbt haben.

 

Nicht zuletzt als Konsequenz aus der zur Farce verkommenen, von Mugabe propagierten "Landreform" sieht Claudia Duppé einen "Rückgang Simbabwes ins vorige Jahrhundert" . Die Pressefreiheit im Land ist längst aufgehoben, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind Fremdworte, ausländische Journalisten dürfen nach Simbabwe nicht einreisen — wo notgedrungen eine derart empfindliche "Informationslücke" klafft, da, so Duppé, entsteht sehr schnell auch eine "Gefühlslücke" . Eben diese gilt es zu schließen — auch und gerade mit einer Lesung.

 

— Lesung mit Gedichten von Chenjerai Hove, Chirikuré Chirikuré und Dambudzo Marechera unter dem Thema "Robert Mugabe muss zurücktreten" : Sonntag, 20 Uhr, Galerie im Haus für Film und Literatur, Urachstr. 40, Eintritt frei.

 


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