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Badische Zeitung vom Freitag, 4. Mai 2007

Mit Gefühl für die Sprache

Bei dem Projekt "Ausgewildert" lassen sich Übersetzer bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen

 

Von unserer Mitarbeiterin Sandra Grüning

 

"Ausgewildert" nennt sich das Projekt, bei dem Freiburger Übersetzerinnen und Übersetzer einmal für zwei Stunden ihre heimeligen Werkstätten gegen die Öffentlichkeit tauschen. Im Rahmen der 6. Baden-Württembergischen Übersetzertage können Zuschauer noch bis einschließlich Samstag in der Freiburger Stadtbibliothek Übersetzern bei der Arbeit zuschauen und miterleben, wie aus einem fremdsprachigen Original ein deutscher Text entsteht.

 

Still ist es im Untergeschoss der Stadtbibliothek. Nur ab und an ist das Klappern von Fingernägeln auf einer Tastatur oder das Rascheln von dünnen Papierseiten zu vernehmen. Gespannt warten die Zuschauer darauf, dass Brigitta Höpken den nächsten Satz aus dem italienischen Krimi via Projektor übersetzt. Seit einigen Minuten sinnt die Literaturübersetzerin nun schon darüber nach, wie sie den Leichnam eines Hundes nennen soll. Also schreibt sie mehrere Möglichkeiten nebeneinander. Später — bei der Überarbeitung — wird sie sich dann für eine der Varianten entscheiden.

 

"Ich kann mir gut vorstellen, was da gerade in ihrem Kopf vorgeht. Es ist schwer, den treffenden Ausdruck zu finden" , sagt Christoph Trunk. Seit 1993 ist er Übersetzer von wissenschaftlichen Texten und lässt sich am Samstag bei seinem aktuellen Projekt über die Schultern schauen. Ein sicheres Gefühl für Sprache und literarischen Stil müsse ein Übersetzer haben: "Nicht unbedingt nur für die Ursprungssprache. Viel wichtiger ist dabei die Zielsprache — das Deutsche." Die Berufsbezeichnung des Übersetzers ist nicht geschützt. Das mag ein Grund dafür sein, warum die Lebensgeschichten der einzelnen Übersetzer genauso bunt sind wie die Themen ihren Bücher. Während Trunk als Quereinsteiger nie ein Sprachstudium absolviert hat, hat Brigitta Höpken an ihr Studium der Romanistik noch eine Ausbildung zur Übersetzerin angehängt. "Ein Muss ist das jedoch nicht" , erklärt sie den neugierig fragenden Zuschauern.

 

Während der "Gläserne Übersetzer" auf der Frankfurter Buchmesse bereits seit zwei Jahren die Besucher lockt, findet das Projekt "Ausgewildert" in Freiburg zum ersten Mal statt. "Es ist interessant zu sehen, dass so meine Zukunft aussehen könnte" , erzählt Christina Kaufmann. Sie studiert Englisch und Französisch und ist mit ihrem Unikurs extra wegen "Ausgewildert" von Genf nach Freiburg gekommen. Neugierig achtet sie auf die Arbeitsweise von Brigitta Höpken und staunt, wie leicht der Übersetzerin die Worte von der Hand zu gehen scheinen.

 

"Ausgewildert" , Übersetzer lassen sich über die Schultern schauen, Stadtbibliothek Freiburg, Münsterplatz 17, Freitag 14 bis 16 Uhr, Samstag 11 bis 13 Uhr, Eintritt frei


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