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Badische Zeitung vom Mittwoch, 2. Mai 2007

"Man kann nicht einfach so drauf losschreiben"

Die Schriftstellerin Rosemarie Bronikowski wird 85 Jahre alt

 

Von unserem Mitarbeiter Kai Glinka



Rosemarie Bronikowski(FOTO: KAI GLINKA)

EBRINGEN. Es ist ein bewegtes Leben, auf das die Schriftstellerin Rosemarie Bronikowski zurückblickt. Ihre Erinnerungen an die NS-Diktatur arbeitete sie in drei Erzählungen auf. Seit über 30 Jahren engagiert sich die gebürtige Hamburgerin ehrenamtlich in der Justizvollzugsanstalt Freiburg. Am 2. Mai wird Rosemarie Bronikowski, die in Ebringen lebt, 85 Jahre alt.

 

Elf Jahre war Rosemarie Bronikowski alt, als die Nationalsozialisten die Macht im Deutschen Reich an sich rissen. "Zunächst war ich begeistert" , erinnert sie sich heute. "Als 11-jähriges Kind wollte ich überall dabei sein. Mit 15 hab ich mich dann vor all dem gedrückt." Sie ging nach Berlin, um Publizistik zu studieren, "Zeitungswissenschaften" nannte man das damals noch. Während der Bombenangriffe half sie in Lazaretten der Hauptstadt als Krankenschwester bei der Erstversorgung der Bombenopfer.

 

Kurz vor dem Kriegsende floh die Lyrikerin in Erwartung ihres ersten Kindes aus Berlin, ihr erster Ehemann war zu diesem Zeitpunkt bereits als Pilot gefallen. Später verschlug es sie nach Heilbronn. In der dortigen Tagespresse wurde sie auf die Gedichte des Gefangenen Ernst Steffen aufmerksam. Zu dieser Zeit kam sie das erste Mal mit dem Thema Strafvollzug in Kontakt. Bronikowski holte Steffen in ihre Familie, aber der Mann, der im Gefängnis zum Dichter wurde, zerbrach an der Aufmerksamkeit der Medien. "Er kam leider nicht mit dem Leben zurecht und starb bei einem Autounfall" , erzählt Bronikowski.

 

Von ihrer Bekanntschaft mit Steffen erzählt sie in ihrer 1974 erstmals erschienenen Erzählung "Ein Strafgefangener und eine bürgerliche Familie: Auseinandersetzung mit Ernst S. Steffen" . 1971 folgte sie ihrem zweiten Mann Joachim von Oppeln-Bronikowski, einem Lehrer, nach Ebringen. Seit dem Umzug nach Südbaden engagiert sich die Schriftstellerin bis heute ehrenamtlich in der Freiburger Justizvollzugsanstalt. Für ihre unermüdliche Arbeit mit den Gefangenen erhielt sie 2003 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

 

Zeit zu schreiben hatte sie als Mutter von sieben Kindern erst sehr spät. "Man kann nicht einfach so drauf los schreiben" , meint die Schriftstellerin. "Dazu gehört eine ungeheure Praxis und die konnte ich mir einfach nicht aufbauen."

 

Im Badischen fühlt sich Rosemarie Bronikowski wohl. "Ich bin sehr gerne hier und ich liebe den Schwarzwald. Früher ging ich mit meinem Mann sehr oft Wandern" , erzählt sie. Immer noch macht die zierliche 85-Jährige ab und zu Ausflüge mit dem Auto, etwa um im Nonnenmattweiher Schwimmen zu gehen.

 

Eigentlich sei sie ja gar nicht so ein "Geburtstagsfreak" , aber die Kinder lassen sich von einer Feier nicht abbringen. Obwohl sie täglich mit ihren in ganz Deutschland und Kanada verstreut lebenden Kindern telefoniert, freut sich Rosemarie Bronikowski über jedes Treffen.

 

Ob sie gerne alt wird? So etwas zu behaupten finde sie grundsätzlich übertrieben. Traurig über ihr hohes Alter sei sie allerdings nicht, auch wenn sich die Beschwerden des Alters hin und wieder melden — im Gegenteil: "Ich lebe doch gern und bin froh über jeden Tag, den ich erleben darf."

 

Mehr als ein Dutzend Bände hat Rosemarie Bronikowski in ihrem Schriftstellerleben veröffentlicht, Gedichte, Erzählungen, Kurzgeschichten. "Mittlerweile mache ich nur noch Lyrik, denn da komme ich ursprünglich her" . Nach dem fast fertigen achten Lyrikband soll nun Schluss sein mit dem Schreiben, sagt sie.

 

"Man ist ja sehr kritisch gegenüber dem, was man selbst schreibt und wenn man glaubt, die eigenen Erwartungen nicht mehr erfüllen zu können ist es Zeit aufzuhören" , erklärt Rosemarie Bronikowski. Doch dann huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Das gleiche habe sie auch schon nach ihrem letzten Gedichtband "Kopfstand auf schwarzem Ross" gesagt. Aber das sei etwas anderes gewesen. "Da hat sich dann doch noch so viel angesammelt, dass sich ein weiteres Buch ergeben hat."

 

Für den 1. Juli plant das Literatur-Forum Südwest, das sie eins mitbegründete, eine Matinee anlässlich ihres 85. Geburtstags. Darauf freut sich Rosemarie Bronikowski bereits. "Ich werde natürlich auch aus meinem neuen Lyrikband lesen" , versichert die Schriftstellerin.


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