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Amtsblatt, 30.4.2007

Das Treffen der Unsichtbaren

 

Die 6. Baden-Württembergischen Übersetzertage finden kommende Woche in Freiburg statt

 

Sonst führen sie ein literarisches Schattendasein. In der kommenden Woche aber treten sie für ein paar Tage ans Licht der Öffentlichkeit: die Übersetzer.

"Ob Verräter, Meisterfälscher oder Millionäre der Sprache: ohne die Übersetzer wäre ‚Weltliteratur‘ ein leerer Begriff", schreibt der Berufsverband der Literaturübersetzerinnen und -übersetzer. Zwischen dem 2. und dem 6. Mai finden in Freiburg die "6. Baden-Württembergische Übersetzertage" statt.

Was Menschen in anderen Kulturräumen denken und fühlen, erfahren wir oft aus ihren Büchern. Wer jedoch der fremden Sprachen nicht mächtig ist, dem erschließen sich diese Werke erst dank der Sprach- und Interpretationskunst der Übersetzer. Was einfach klingt – Übersetzen – ist in Wirklichkeit eine schwierige, oft mühselige Angelegenheit. Denn noch das scheinbar leicht Übersetzbare ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Verbrennt man sich etwa beim amerikanischen coffee den Magen, wenn man ihn zu schnell trinkt, so gilt das nicht für den caffè, den Espresso, der in Sekundenschnelle hinuntergestürzt wird. Dies schreibt der italienische Schriftsteller Umberto Eco in seinem Buch "Quasi dasselbe mit anderen Worten. Über das Übersetzen". Coffee, caffè, café und Kaffee sind nicht gleichbedeutend.

Die 6. Baden-Württembergischen Übersetzertage wollen die Qualität und Vielfalt der literarischen Übersetzungen zeigen und deren Verfasser ins Zentrum stellen. Sie wurden im städtischen Auftrag vom Literaturbüro Freiburg organisiert und gehen auf eine Initiative des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst zurück. Die Übersetzertage finden alle zwei Jahre an wechselnden Orten im Land statt.

Vielfältiges Programm

In Vorträgen werden fachspezifische Problemstellungen des Übersetzens aufgegriffen und diskutiert. In den "Café-Lesungen" im Haus für Film und Literatur stellen Übersetzer ihre übersetzten Werke vor. Auch die Übersetzer selbst "stellen sich aus": An drei aufeinander folgenden Tagen werden sie im öffentlichen Raum an ihrem aktuellen Übersetzungen arbeiten. Darüber hinaus gibt es Workshops, in denen Jugendliche Übersetzen üben können. Die ersten Fassungen der Übersetzungen der Jugendlichen werden anschließend im Haus für Film und Literatur präsentiert.

Auf Podiumsveranstaltungen werden hochrangige Vertreter aus dem Kultur- und Literaturbetrieb gemeinsam mit Übersetzern deren Position und Bedeutung im gegenwärtigen Literaturbetrieb diskutieren. Eine der Veranstaltungen nimmt auch das Übersetzen aus dem Deutschen in eine Fremdsprache in den Blick und ermöglicht einen Perspektivwechsel. Begleitet werden die Übersetzertage von einer multilingualen Sprach- und Musikperformance und außerdem von einem Filmprogramm zum Thema Übersetzen.

 

© Stadt Freiburg, Presse- und Öffentlichkeitsreferat


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