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Badische Zeitung vom Freitag, 23. März 2007

Ein großartiger Dialog mit dem Leser

Der mit 15 000 Euro dotierte Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse geht an die Freiburgerin Swetlana Geier

 

Die Spannung war groß, die Freude auch:

Die Freiburger Übersetzerin Swetlana Geier ist für ihre Übersetzung von Dostojewskijs Roman "Ein grüner Junge" gestern Abend mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Damit hat sich Freiburg einmal mehr als Übersetzerstadt ins beste Licht gesetzt: Im vergangenen Jahr war es Ragni Maira Gschwend, die für ihre Übersetzung von Antiono Morescos Roman "Aufbrüche" die selbe Auszeichnung entgegennehmen konnte. Swetlana Geier, die im April 84 Jahre alt wird, darf den mit 15 000 Euro dotierten Preis im 50. Jahr ihrer Tätigkeit als Übersetzerin auch als Würdigung ihres Lebenswerks verstehen: Die vergangenen 17 Jahre hat sie weitgehend der Übersetzung von Dostojewskijs fünf "Elefanten" (Geier) gewidmet. Seitdem ihre Arbeit mit dem "Grünen Jungen" abgeschlossen ist, komme sie sich, so die große alte Dame der Übersetzung in Leipzig, wie eine "Strohwitwe" vor.

 

Die Jury unter dem Vorsitz des Literaturkritikers Martin Lüdke würdigte in der Begründung besonders die Frische von Geiers Übersetzung des vorletzten Romans des großen russischen Dichters. Durch ihre Nähe zur gesprochenen Sprache trete sie in einen "großartigen Dialog" mit dem Leser und hole Dostojewskij "in unsere Sprachwelt" hinein. Hier hätte Swetlana Geier sicher Einspruch erhoben: Ist für sie Dostojewski doch der mit Abstand modernste Autor des 19. Jahrhunderts, der weit über seine Zeit hinaus gedacht hat.

 

Auch bei den beiden anderen Entscheidungen hat die Jury des von der Messe, der Stadt Leipzig und dem Land Sachsen vergebenen Preises Augenmaß bewiesen. Ingo Schulze erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Belletristik für seine neuen Kurzgeschichten "Handy" (Besprechung im BZ-Magazin vom Samstag). An diesen Texten gefiel der Jury die Kunst des Kunstlosen; in beiläufigem Ton erfassten sie präzise unsere Gegenwart und machten den gesellschaftlichen Umbruch sichtbar, in dem sich Deutschland seit der Wende bewegt. Der gebürtige Leipziger Schulze berief sich bei der Frage nach seinem Ton auf das Prinzip Alfred Döblins, den Stil aus dem Stoff kommen zu lassen. Man sollte den Stil nicht merken. Das ist ihm fürwahr gelungen.

 

Nicht zu Unrecht zeigte sich Schulze stolz darauf, gemeinsam nicht nur mit Swetlana Geier, sondern auch mit Saul Friedländer geehrt zu werden. In der Kategorie Sachbuch bekam der Historiker den Preis der Leipziger Buchmesse für den zweiten Band seiner bahnbrechenden Untersuchung "Das Dritte Reich und die Juden" , der die "Jahre der Vernichtung" untersucht. Gewürdigt wurde nicht nur, dass Friedländer die Shoah in ihrer europäischen Dimension erfasst, sondern vor allem, dass er die Stimmen der Opfer vernehmlich mache. Dies, so Friedländer, sei auch sein vorrangiges Anliegen gewesen: die in zahllosen Tage bucheinträgen überlieferten Äußerungen in die allgemeine mörderische Geschichte zu integrieren.

 

Der erste Tag der bis Sonntag dauernden Messe in Leipzig war ein guter Tag für das Buch. Der Preis der Buchmesse gibt der Bücherschau einen Glanz, der die literarische Qualität nicht an den Event verrät. Es ist schön, dass so etwas noch möglich ist.

 

 


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