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Badische Zeitung vom Donnerstag, 22. März 2007

Warum Preise beleben

Die Leipziger Buchmesse hat sich zu einem bedeutenden Platz des Literaturbetriebs gemausert

 

Von unserer Redakteurin Bettina Schulte

 

Wer erinnert sich heute noch an die im Westen milde belächelten Anfänge der nach der Wende neu erstandenen Leipziger Buchmesse? Sie hat es allen Skeptikern gezeigt: Heute ist die Frühlingsbücherschau im Osten Deutschlands aus Literaturbetrieb und Verlagsszene nicht mehr wegzudenken. Die kleine Schwester der Frankfurter Buchmesse hat diese sogar mit Ideen belebt.

 

Der beste Leipziger Einfall bestand darin, einen neuen Literaturpreis zu schaffen. Der von der Messe, der Stadt Leipzig und dem Land Sachsen mit insgesamt 45 000 Euro ausgestattete Preis der Leipziger Buchmesse wird erst zum dritten Mal vergeben, doch hat er sich, begleitet von Juroren aus den wichtigsten überregionalen deutschsprachigen Zeitungen, sehr schnell als Leuchtturm in der an Auszeichnungen nicht eben armen literarischen Landschaft etabliert. Vorausgegangen war ihm drei Jahre lang der wie in alten DDR-Zeiten unglücklich präsentierte undotierte Deutsche Bücherpreis.

 

In Leipzig konnte man noch üben. Am Ende kam die Prämierung der nach Ansicht der Jury wichtigsten neu erschienenen Romane, Sachbücher und Übersetzungen. Das hat nicht nur den Literaturbetrieb, sondern auch den Buchmarkt belebt. Deshalb hat die Frankfurter Buchmesse nachgezogen. Der Deutsche Buchpreis wird vom Börsenverein — in diesem Jahr ebenfalls zum dritten Mal — vergeben, ist mit stattlichen 37 500 Euro ausgestattet und orientiert sich am englischen Booker Prize und dem französischen Prix Goncourt.

 

Auch wenn die Aura des Frankfurter Preises noch weit weniger strahlt als die der berühmten Vorbilder: Mit solchen medienwirksamen Ereignissen sind die beiden Buchmessen auf dem richtigen Weg. Das Schöne daran: Zugute kommt die neue Aufmerksamkeit zuerst und zunächst der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Dass literarischer Anspruch und Erfolg sich nicht ausschließen müssen, hat die Vergabe des letzten Deutschen Buchpreises an Katharina Hackers Roman "Die Habenichtse" exemplarisch bewiesen: Die komplex erzählte Geschichte von zwei Mittdreißigern, die finanziell sorgenlos, aber emotional leer in London mit dem Einbruch der Gewalt in ihr Leben konfrontiert werden, wurde durch die Auszeichnung bis auf Platz eins der Bestsellerliste katapultiert. Das hatte wohl niemand erwartet, am wenigsten die Autorin selbst.

 

Auch von Leipzig können heute wieder ähnliche Signale ausgehen. Die Kandidaten sind vielversprechend — unter ihnen befindet sich auch die Freiburger Dostojewski-Übersetzerin Swetlana Geier — , und das Umfeld steht glänzender da als je zuvor. Die Buchmesse wächst und wächst, die Prominenz strömt sogar aus Übersee in die Messestadt, und Martin Walser feiert fern vom Bodensee dort seinen 80. Geburtstag. Dass in Leipzig auch Europas größtes Lesefest stattfindet: Das versteht sich inzwischen fast von selbst.

 

 


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