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Badische Zeitung vom Donnerstag, 30. November 2006

Eleganz und Stil

Zum Tod der Essayistin Kyra Stromberg

 



Kyra Stromberg(FOTO: THOMAS KUNZ)

Spät, aber nicht zu spät erhielt sie die höchste Auszeichnung, die die Stadt Freiburg zu vergeben hat: Am 23. März 2002 überreichte der damalige Oberbürgermeister Rolf Böhme Kyra Stromberg den Reinhold-Schneider-Preis. Die zu Recht als "Grande Dame de Lettres" (Süddeutsche Zeitung) bezeichnete Essayistin und Publizistin war 86 Jahre alt. Ein Jahr früher, zu ihrem 85. Geburtstag, war in dem für Trouvaillen der schönsten Art bekannten Warmbronner Verlag Ulrich Keicher eine von Irene Ferchl besorgte Zusammenstellung ihrer besten Prosastücke und Feuilletons unter dem treffenden Titel "Anmut bei größter Würde" erschienen. Jetzt ist Kyra Stromberg im Alter von 90 Jahren in Bad Krozingen gestorben.

 

Die Sammlung führte noch einmal in aller Deutlichkeit vor Augen, was für eine elegante Stilistin Kyra Stromberg gewesen ist. Ihre Worte schmiegen sich wie ein perfekt geschnittenes Kleid dem jeweiligen Gegenstand ihres Schreibens an. Dieser war so vielfältig wie das Leben selbst: Über Schnittblumen konnte die Schriftstellerin ebenso schlackenfrei nachdenken wie über Häusergiebel oder Lifestyle-Phänomene. Sie war eine Meisterin dieser kurzen Form, die vielleicht wie keine andere Diskretion, Behutsamkeit und Respekt verlangt.

 

Wer sie kannte, konnte nicht umhin, ihre äußere Erscheinung mit ihrer inneren Haltung in Verbindung zu bringen. Sie war von einem metropolitanen Hauch umgeben, der in einer Umgebung wie Freiburg herausstach. Sie ist im Geist wohl stets eine Großstädterin geblieben: Geboren 1916 in Moskau, wuchs sie in Berlin und Hamburg auf. Sie ließ sich zur Fotografin ausbilden, studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte. Nach dem Krieg arbeitete sie als Journalistin und Übersetzerin. Ihr vielversprechendes Romandebüt "Das Nadelöhr" erschien 1952. Hätte es damals Literaturstipendien und das dichte Netz von Literaturpreisen gegeben, das heute Autoren den Einstieg in den Literaturbetrieb erleichtert, hätte sich Kyra Stromberg vermutlich der Belletristik verschrieben. So musste sie sich der Brotarbeit widmen — und wurde auf diesem Weg zu einer der wichtigsten Vermittlerinnen angelsächsischer Literatur in Deutschland. Ihr bekanntestes Buch widmete sie Djuna Barnes. Man darf vermuten, dass ihr die exzentrische, elegante Schriftstellerin nicht eben fremd gewesen ist.

 

Bettina Schulte

 


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