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Badische Zeitung vom Dienstag, 16. Mai 2006

HörBAR: Flüstern über

das Wesen von Literatur

 

Jeder Text ist ein Intertext. Was jedoch entsteht, wenn der Begriff der Intertextualität verabsolutiert wird? Stille Post. „ChineseWhispers“ ist der englische Ausdruck für dieses Spiel. Und zugleich der Titel eines Gedichts des

amerikanischen Lyrikers John Ashbery, das für acht deutsche Gegenwartsdichter den Einstieg in eine literarische „Stille Post“ bot, die nun, vomSWR2 als Feature produziert und gesendet, in Kooperation mit dem Kommunalen Kino und demLiteraturforum Südwest e. V. als HörBAR im Alten Wiehrebahnhof präsentiert wurde. „And in a little while we broke under the strain“, beginnt Ashbery. Marion Poschmann, 1969 geborene Autorin aus Essen, übersetzt: „Und etwas später brachen wir unter der Spannung zusammen“. Drei Autoren weiter, bei Hans Thill, dem Huchel-Preisträger des Jahres 2004, heißt es dann: „Als Schlag kommt man herein, ein Blitz, der Lüfte krümmt.“ Es entsteht ein poetisches Netz aus Assoziationen, das mit jedem Dichter enger gestrickt und um neue Dimensionen erweitert wird.

Feature-Autor Guido Graf bat die Mitwirkenden nicht nur mit ihren eigenen

Texten ans Mikrofon, sondern legte ihnen in einem zweiten Schritt die

gesamte „Stille Post“ zur Kommentierung vor. Das Ergebnis baute er, geschickt mit den Gedichten verschachtelt, zu einem vielstimmigen Dialog

über Fremdaneignung und Selbstbewahrung im Schreibprozess zusammen.

Hans Thill berichtete dem Freiburger Publikumdenn auch von einer „Ich-

Irritation“, die die Dichter produktiv bewältigt hätten. In einem Gespräch

über das Wesen von Literatur. nds Blues Caravan: Laut, leise und wippend

Der Blues. Längst ein Chiffre geworden für einfach strukturierte Rock-Musik

mit heftigen Gitarren-Soli. Wenn also der „Blues Caravan 2006“mit frischen

Talenten im Jazzhaus Station macht, wissen die nicht mehr ganz so jungen

Fans, was sie erwartet. Trotzdem: Der vom Kollegen Ian Parker so angekündigte „Prince of British Blues“ würde auch in einer Boy-Group nicht auffallen. Aynsley Lister trägt T-Shirt und Stachelfrisur, verzichtet auf theatralische Gesten, singt mit glockenklarer Stimme zu lauten, schrammeligen Riffs, die von ZZ Top, Hard- und Pub-Rock inspiriert sind. Deep Purples „Hush“ bringt es auf den Punkt: Schnell, cool, professionell,

Mitsingen erwünscht, scharfe Breaks und ein paar fingerbrecherische Licks zwischendurch. Mal ganz leise zu sein gehört aber ebenso zum guten Ton in der Blues-Gemeinde. Landsmann Ian Parker tut das auch, ansonsten ist

seine Show eine komplett andere: Traditionell leidend, jammernd, viele Grimassen und lange Soli. Komplettiert wird der Blues-Reigen von der Finnin

Erja Lyytinen. Kaumgrößer als ihr Instrument, ständig breit grinsend und

wippend wie eine Schaukelmacht sie einen Höllenlärm mit ihrer Slide-Gitarre.

Ihr Lieblingscoverstück: „Dust My Broom“ von Elmore James. Zu guter Letzt standen alle drei auf der Bühne, um ihre gemeinsam ausgetüftelte CD

„The Pilgrimage – From Mississippi to Memphis“ vorzustellen, da nahm

sich jeder ein wenig zurück.Was dem Blues gut tut. joe


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