
LITERATUR IM SORTIMENT
Evelyn Grill: Winterquartier
Die neue Veranstaltungsreihe LITERATUR IM SORTIMENT verbindet Literatur mit Lokalitäten, fiktive Räume mit realen Räumlichkeiten. Texte werden in traditionellen Freiburger Geschäften, Fabriken, Werkräumen, Büros und Gaststätten verortet. Autoren lesen am „Ort des Geschehens“ – dort, wo sie ihre Figuren handeln, leiden und lieben lassen. Literatur kehrt ein in die Räume, die mit Worten erschaffen wurden.
Zur Eröffnung der neuen Veranstaltungsreihe LITERATUR IM SORTIMENT liest Evelyn Grill im Stoffladen Karl Etoffe & Max Tessuti aus ihrem Roman Winterquartier vor. Winterquartier ist eine Geschichte aus der österreichischen Provinz, die Geschichte eines beschädigten Frauenlebens. Im geschmackvollen Ambiente des Stoffladens Karl Etoffe & Max Tessuti, inmitten ausgesucht schöner Stoffe aus feinen Materialien, entführt uns Evelyn Grill in die Welt der 42-jährigen, alleinstehenden Änderungsschneiderin Roswitha, deren ereignisarmes Leben durch einen unverhofften Heiratsantrag in Bewegung gerät.
Die Österreicherin Evelyn Grill (u. a. Das Römische Licht, Der Sammler, Vanitas oder Hofstätters Begierden) lebt als Schriftstellerin in Freiburg. In ihren Büchern erschafft die "zartbitterböse Autorin" Stimmungsbilder aus der Mördergrube des Herzens (FAZ). Mit ihrer Gnade des bösen Blicks und einem untrüglichen Spürsinn für menschliche Abgründe hat sie sich längst in die "vorderen Reihen deutschsprachiger Prosaisten" (Welt) geschrieben.
Moderation: Stephan Kuss.
| Mo 01.02. | 20.00 Uhr | Stoffladen Karl Etoffe & Max Tessuti | Marienstraße 14, 79098 Freiburg | Eintritt 8,00/6,00 Euro | 
SPRECHEN ÜBER SPRACHE
Andrea Zimmermann über und mit Nora Mansmann
„heute morgen bin ich aufgewacht und mein geschlecht war weg
ja das passiert mir in letzter zeit öfter
zuerst war das nur für kurze zeit und dann war es plötzlich wieder da“
Nora Mansmann
Mit den Mitteln der Groteske und der Ironie zeichnet die junge Berliner Dramatikerin Nora Mansmann in ihren Stücken das Porträt einer postideologischen Generation, die auf der Suche nach Vorbildern mit den Mythen ihrer Vorgänger aufräumt. Ohne Kontrolle über den eigenen Körper, mit uneindeutiger Geschlechtsidentität und unfähig, die Innen- von der Außenwelt zu unterscheiden, sind Mansmanns Figuren gefangen zwischen oberflächlicher Veränderung und existenziellem Stillstand. Es ist diese Diskrepanz, die die Figuren umtreibt und sie an einer fast schon romantischen Suche nach Bedeutung und Gegenwart festhalten lässt.
Nora Mansmann lebt in Berlin als freie Regisseurin und Dramatikerin. Ihr Stück zwei brüder drei augen wurde 2008 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt, herr tod lädt nicht ein aber wir kommen trotzdem war 2007 am Maxim Gorki Theater Berlin und am Theater Osnabrück zu sehen, wo auch ihr preisgekröntes Debüt-Stück TERRORMUM uraufgeführt wurde.
Andrea Zimmermann stellt in der Reihe SPRECHEN ÜBER SPRACHE die Autorin und ihr Werk vor, die Freiburger Sprechtheatergruppe Frischfleisch rezitiert ausgewählte Textpassagen. Nach dem Vortrag kommt Nora Mansmann im Gespräch mit Andrea Zimmermann selbst zu Wort.
Zimmermann ist Dozentin am Zentrum Gender Studies der Universität Basel und promoviert über die performative Verfertigung von (Geschlechts-)Identitäten in zeitgenössischen Theatertexten. Seit 2004 arbeitet sie als Dramaturgin u. a. am Theater Freiburg und am Düsseldorfer Schauspielhaus.
Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Anthropologie und Gender Studies (ZAG) im Rahmen der Reihe feminism revisited.
| Do 04.02. | 20.00 Uhr | Galerie im Alten Wiehrebahnhof | Urachstr. 40, 79102 Freiburg | Eintritt 5,00/3,00 Euro | 
Vom Roman zum Theaterstück: Dramatisierungen
Jugendschreibwerkstatt mit Nora Mansmann
Werkstatt für Oberstufenschülerinnen und -schüler. Gemeinsam mit der Schriftstellerin Nora Mansmann ergründen die Teilnehmer den Prozess der Dramatisierung: Wie wird aus einem erzählenden Text ein dramatischer Text, der als Grundlage für das Spiel auf der Bühne dient? Nora Mansmann bringt Text- und Video-Beispiele aus ihrer aktuellen Arbeit an der Inszenierung von Ödön von Horváths Roman „Jugend ohne Gott“ am Theater Aachen mit ein.
»Alle Neger sind hinterlistig, feige und faul« schreibt der Schüler N in Horváths Roman in einer Klassenarbeit. Als der junge, an humanistischen Werten orientierte Lehrer ihn vor der Klasse zur Rede stellt, stößt er bei den Schülern auf kalte, feindselige Ablehnung. Der Lehrer ist konfrontiert mit der ihm entfremdeten Schülerschaft. Es wird gestohlen, geliebt, ein fremdes Tagebuch gelesen und ein Mord begangen. Dennoch begleitet er die Gruppe zur vormilitärischen Ausbildung in ein Zeltlager, wo die Situation eskaliert … Zwischen Sexualität, Gewalt und Gleichgültigkeit suchen diese jungen Menschen ihre Position in der Welt der Erwachsenen.
Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg in Kooperation mit dem Regierungspräsidium Freiburg.
Fr 05.02. | 9.00-12.00 Uhr und 13.30 – 17.00 Uhr | Literaturbüro Freiburg, 2. OG | Urachstraße 40, 79102 Freiburg | Eintritt frei | 
HörBAR
Mein Gedicht fragt nicht lange – Selbstauskünfte von Nora Gomringer
SWR 2010: Redaktion Stephan Krass: Die bekannte junge Lyrikerin und Slam-Dichterin Nora Gomringer tritt mit Stephan Krass live in der HörBAR auf.
„Man muss Nora Gomringer hören, man muss sie erleben. Erst live wird ihr einzigartiger Umgang mit Rhythmus und Sprache offenbar. Sie spielt mit Worten, sie tändelt und tanzt mit Sprache, stubst sie und schubst sie herum. Sie singt, brüllt, flüstert, flötet, sie zögert und stürmt. Ihre Stimme ist im wahrsten Sinne des Wortes ihr Sprachinstrument.“
(Prof. Günter Dippold anläßlich der Verleihung des Kulturpreises der Oberfrankenstiftung 2009)
Die SWR 2- Produktion Mein Gedicht fragt nicht lange - Selbstauskünfte von Nora Gomringer wurde am 19. Januar 2010 gesendet. Dieses Rundfunkporträt von der Dichterin ist Anlaß und Grundlage des Abends mit Nora Gomringer und dem SWR-Redakteur Stephan Krass in der HörBAR. Nora Gomringer wird dazu Auskunft geben und auch einige Texte vortragen.
Die Lyrikerin und Slam-Dichterin Nora Gomringer trat 1996 als Rezitatorin an die Öffentlichkeit. Dabei war sie familiär nicht unvorbelastet: Ihr Vater Eugen Gomringer hat sich als Urheber der konkreten Poesie und als herausragender Lyriker einen Platz in der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts gesichert. Wegweisend waren für die junge Lyrikerin die Begegnungen mit Lautpoeten der Vergangenheit und Gegenwart, die ihr den Weg zur Slam-Poesie und Spoken-Word-Poesie vorgezeichnet haben. Ihre Veröffentlichungen – Gedichte (2000) und der Lyrikband Silbentrennung (2002), dem die Bände Sag doch mal was zur Nacht (2006) und Klimaforschung (2008) folgten – wurden vielfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Zur breiteren Resonanz ihrer Dichtung hat aber vor allem die Selbst-Rezitation ihrer Gedichte beigetragen, so dass man heute den Namen Gomringer auch mit der erfolgreichsten deutschen „Spoken-Word-Poetin“ verbindet.
| Do 11.02. | 20.00 Uhr | Galerie und Café im Alten Wiehrebahnhof | Urachstr. 40, 79102 Freiburg | Eintritt 5,00/3,00 Euro | 
LITERARISCHES WERKSTATTGESPRÄCH
Im »Literarischen Werkstattgespräch« können Schreibende unveröffentlichte literarische Texte zur Diskussion stellen. Die Veranstaltung findet monatlich jeweils am letzten Donnerstag statt. Textbewerbungen bitte bis spätestens eine Woche vor dem Gespräch ans Literaturbüro schicken.
| Do 25.2. | 20.00 | Galerie im Alten Wiehrebahnhof, Urachstraße 40, 79102 Freiburg | Eintritt frei |

|